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03.06.2013

19:59 Uhr

Interview zur großen Flut

„Die Zahl der Unwetter wird steigen“

VonJens Hagen

Die aktuelle Flut kommt für Versicherungsprofis nicht überraschend. Ernst Rauch von Munich Re erklärt, warum es bald mehr Unwetter geben wird, wie sich Versicherte schützen und warum Hochwasserschäden so teuer sind.

Ernst Rauch leitet das  Corporate Climate Centre bei Munich Re. Rauch ist unter anderem Mitglied der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. PR

Ernst Rauch leitet das Corporate Climate Centre bei Munich Re. Rauch ist unter anderem Mitglied der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft.

Herr Rauch, wenn Sie die Bilder von den reißenden Fluten sehen, die viele Städte unter Wasser setzen, sind Sie dann schockiert?
Natürlich machen mich die Bilder betroffen, auch wenn der Umgang mit Schäden ja unser Geschäft ist. Es geht aber ja nicht nur um Sachschäden, die immer ausgeglichen werden können, sondern um menschliche Schicksale. Als langjähriger Mitarbeiter eines Versicherers überrascht mich die Flut aber nicht.

War die Flut etwa vorhersehbar?
Solche Naturkatastrophen lassen sich nicht konkret vorhersagen. Die Zahl und Schadenhöhe von Überschwemmungsereignissen wächst aber seit Jahrzehnten tendenziell an. Seit den 80èr-Jahren stieg die Anzahl ijn Deutschland wie weltweit bis heute etwa um den Faktor zwei bis drei.

Überschwemmung: Wie verhalte ich mich richtig?

Wie schützt man Gefährdete sowie Hab und Gut?

Bei einer drohenden Überschwemmung ist es wichtig, sich zunächst ein aktuelles Bild der Lage zu machen, sei es durch Rundfunk, Fernsehen oder Internet. Als erstes sollten gefährdete Personen alarmiert und evakuiert werden. Wer auf Rettungsdienste wartet, darf wegen der Unterspülungs- und Abbruchgefahren auf keinen Fall Uferbereiche betreten. Auf überfluteten Straßen können gefährliche Gegenstände treiben. Betroffene sollten darauf achten, dass Fenster sowie Balkon- und Verandatüren geschlossen sind. Heizungen und elektrische Geräte im Keller sollten ausgeschaltet und gefährdete Räume mit Brettern abgedichtet werden. Auch Sandsäcke bieten Schutz. Wertvolle Gegenstände und Dokumente sollten in Sicherheit gebracht und gefährliche Stoffe wie Chemikalien abtransportiert werden, bevor die Flut einsetzt.

Welche Versicherung zahlt?

Die Kosten für Reparaturarbeiten am Wohngebäude wie beispielsweise die Gebäudetrocknung oder Instandsetzung des Mauerwerks übernimmt eine Wohngebäudeversicherung mit entsprechender Elementardeckung. Diese muss vom Kunden zusätzlich abgeschlossen worden sein. In den meisten Regionen Deutschlands ist dies kein Problem. Nur rund ein Prozent der in Deutschland stehenden Gebäude sind nicht versicherbar, weil sie fast jedes Jahr „im Wasser“ stehen. Die Elementar-Zusatzdeckung in der Hausratversicherung kommt für das beschädigtes oder zerstörtes Wohnungsinventar auf. Sollte durch Starkregen das Grundstück überflutet werden oder Wasser unter der Eingangstür durchlaufen und die Garderobe, den Wohnzimmerschrank oder das Sofa beschädigen, ersetzt die Versicherung den Wiederbeschaffungswert des beschädigten Mobiliars. Die Elementardeckung deckt nicht nur das Risiko der Überschwemmung durch Gewässer ab, sondern auch durch Starkregen und Rückstau. Daher ist diese Zusatzversicherung auch für Kunden wichtig, die fern von Gewässern leben. Läuft ein Fluss über das Ufer und setzt das eigene Auto unter Wasser, tritt die Voll- oder Teilkaskoversicherung ein. Der Schadensfreiheitsrabatt der Vollkaskoversicherung wird hierbei nicht belastet.

Was tun nach einem Schadenfall?

Nach einer Überschwemmung gilt es, das Ausmaß des Schadens zu begrenzen und so schnell wie möglich den Normalzustand wiederherzustellen. Dabei gibt es einige Punkte zu beachten:

• Erreichte Wasserstände sollten markiert und Schäden dokumentiert werden.

• Wichtig ist, den Schaden beispielsweise durch Abpumpen des Wassers, Reinigung und Trocknung des Gebäudes sowie der durchnässten Einrichtung so gering wie möglich zu halten.

• Bevor elektrische Geräte wieder in Gang gesetzt werden, sollten Betroffene diese überprüfen lassen, da im schlimmsten Fall Lebensgefahr bestehen kann.

• Die Versicherung benötigt Informationen über Verluste und voraussichtliche Kosten so schnell wie möglich. Es wird unbedingt geraten, zerstörte oder beschädigte Gegenstände erst nach Rücksprache zu entsorgen.

Wichtig bei Kfz-Schäden

Sollte das Kraftfahrzeug überflutet worden sein, helfen folgende Hinweise:

• Betroffene sollten das Wasser aus dem Fahrgastraum ablaufen lassen, indem sie die Fahrzeugtüren und den Kofferraum öffnen. Bei einigen Fahrzeugmodellen sind spezielle Auflochbohrungen vorhanden.

• Lose Fahrzeuginnenteile wie Fußmatten oder Bezüge können entfernt und an der Luft getrocknet werden. Trocknungsversuche mit Hilfsmitteln wie etwa einem Fön sind gefährlich und sollten unterlassen werden. Auch sollte die Innenverkleidung nicht ausgebaut werden, da sie verzieht und später nicht mehr eingebaut werden kann.

• Auf keinen Fall darf der Motor eines überschwemmten Fahrzeugs gestartet werden.

• Ein Fachmann muss die Batterie abklemmen.

Datenrettung nasser Datenträger

Voraussetzung für eine erfolgreiche Datenrettung nasser Datenträger ist schnelles Handeln. Im Inneren von Festplatten befindet sich nicht wie weitläufig angenommen ein Vakuum, sondern staubfreie Luft. Bei thermischen Veränderungen wird sogar über einen gefilterten Schneckengang Luft von der Außenwelt angesaugt oder in die Umgebung abgegeben. Wird eine Festplatte lange Zeit Feuchtigkeit ausgesetzt, kann Wasser in das Innere der Festplatte vordringen. Am besten wickelt man die noch nassen Festplatten mit einem feuchten Tuch ein und verpackt sie in einem Plastikbeutel luftdicht. Keinesfalls dürfen die Festplatten unter Strom gesetzt oder mit einem Fön getrocknet werden. Unkontrolliertes Trocknen kann zu Korrosion führen, wodurch die Datenrekonstruktion erheblich erschwert wird.

Wichtig sind bei der Schadenmeldung folgende Daten

• Versicherungsscheinnummer

• Was ist beschädigt und in welchem Umfang?

• Eine erste Schätzung zur Schadenhöhe

• Gegebenenfalls Fotos vom Schaden, aus denen der Schadenumfang hervorgeht

• Telefonnummer für Rückfragen

Vorbeugender Überschwemmungsschutz

Wer in einem durch Überschwemmung gefährdeten Gebiet wohnt, muss grundsätzlich besondere Vorsicht walten lassen: Bei einer Überschwemmung können Heizöltanks lecken und erhebliche Schäden an Gebäuden, Hausrat, Gewässern und Nutzflächen anrichten. Behälter und Rohrleitungen sollten von vornherein gegen Aufschwimmen, Zutritt von Wasser über Befüll-, Entlüftungs- und sonstige Öffnungen sowie gegen Beschädigungen durch Treibgut und Wasserdruck gesichert werden. Wie man das am besten macht, ist in der jeweiligen Verordnung über Anlagen zum Umgang mit Wasser gefährdenden Stoffen (VAwS) der Bundesländer geregelt. Wer ein Haus baut, sollte sich bewusst sein, dass man Schäden durch Überschwemmung auch mit baulichen Maßnahmen entgegenwirken kann. Das Gesetz zur Verbesserung des vorbeugenden Hochwasserschutzes vom Mai 2005 verpflichtet erstmals bundesweit einheitlich jeden, „der von Hochwasser betroffen sein kann, im Rahmen des Möglichen und Zumutbaren, geeignete Vorsorgemaßnahmen zum Schutz vor Hochwasser und zur Schadensminderung zu treffen“.

Quelle

Datenrettung Attingo.at/ Allianz Deutschland AG

Droht uns aktuell eine Jahrhundertflut?
Das lässt sich jetzt noch nicht sagen. Die Scheitelspitzen sind zum Teil noch nicht erreicht. Noch ist unklar, wie hoch das Wasser steigt, ob Dämme brechen, selbst wenn sich das Wasser zurückzieht. Diese Informationen sind entscheidend, um die möglichen Schäden zu schätzen. Wir müssen abwarten, das kann noch Wochen dauern.

Ist das Hochwasser vergleichbar mit der Jahrhundertflut im Jahr 2002?
Auch damals gab es eine sogenannte Vb-Wetterlage. Ein stabiles Tiefdruckgebiet in großer Höhe bleibt mit seinem Zentrum ortsfest über dem Osten Deutschlands oder den östlichen Nachbarländern. Es rotiert gegen den Uhrzeigersinn und schaufelt feuchtwarme Luft aus der Adria oder Osteuropa nach Deutschland. An den Alpen und Mittelgebirgen kann das im Staubereich zu lang anhaltenden Regenfällen führen.

Kommentare (31)

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bjarki

03.06.2013, 20:32 Uhr

" Die Zahl der Unwetter wird steigen" ... und wir Versicherungen werden weiter abkassieren und euch das Maerchen der Klimaerwaermung weiter erzaehlen.......

Chemnitzwolf

03.06.2013, 20:36 Uhr

Wie kann es sein, dass die Talsperren, die auch zum Schutz vor Hochwasser errichtet wurden, nach 3 Tagen überlaufen.
Wie kann es sein, dass zum Zeitpunkt des ergiebigsten Regen die Talsperren Wasser in Größenordnung zusätzlich ablassen müssen. Wird hier aus Profitgründen zu wenig Stauraum vorgehalten und zu spät auf die Wetterereignisse durch die Talsperrenverwaltungen der Länder reagiert. Wo sit das Krisenmanagement und die wissenschaftliche Aufarbeitung des Jahrhundert-Hochwassers 2002? Fragen über Fragen und unbefriedigende Antworten. Nicht Alles kann man mit ungewöhnliche Naturereignisse und Klimakatastrophe begründen.

OLDENDORP

03.06.2013, 20:36 Uhr

.........................................
kompetenzstreitikeiten..
bundeswehr im abseits...
........................
während halb deutschland in den fluten
versinkt, sitzt die armee mit ihrem ge-
räten und soldaten in den kasernen..
..
......bedingt einsatzfähig.......
.......................................
anstatt präventiv vorort hilfe zu leisten,
steht die armee größtenteils abseits und
überlässt die hilfe freiwilligen helfern
des THW - der FEUERWEHR und andern privat-
personen..
..
ein armutszeugnis unserer armee, die mit
einem grosseinsatz die schlimmsten auswir-
kungen hätte verhindern können..
..
dazu wäre allerdings eine kompetente und
entschlussfähige führung und ebenso voraus-
schauende politische entscheidungsträger
in den städten und ländern nötig..
..
helmut schmid hat 1962 als hamburger innen-
senator unkonventionell natotruppen angefor-
dert und so tausenden menschen das leben bei
der flut in hamburg gerettet..
..
die bürokraten heute sind zu solchen entschei-
dungen nicht mehr fähig und lassen die einwoh-
ner lieber im stich..!
..
die bundeswehr wurde viel zu spät um hilfe ge-
beten und deren einsatz ist nicht effekt genug.
..
ein grossteil der schäden geht zulasten der fehl-
einschätzungen behörden..
..
..

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