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13.02.2014

12:51 Uhr

Kampf um Konditionen

Hoher Zins, hohes Risiko

VonJens Hagen, Jörg Hackhausen

Festgeld zu einem Zins von fast drei Prozent – im Internet wirbt eine Bank mit solchen Top-Konditionen. Zu schön, um wahr zu sein? Was hinter den Angeboten von Geldhäusern aus Bulgarien, Russland oder der Türkei steckt.

Ratenkredite sind derzeit günstig. Getty Images

Im Zinstief

Ratenkredite sind derzeit günstig.

DüsseldorfVon solchen Angeboten können Sparer nur träumen: Festgeld zu einem Zins von 2,9 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dafür wirbt die Internetseite Weltsparen.de. Mindestens 10.000 Euro müssen Kunden anlegen – bei der bulgarischen First Investment Bank (Fibank) in Sofia.

Der Zins ist so herausragend, dass viele Sparer zuschlagen dürften. Schließlich erhalten sie solche Konditionen bei keiner anderen Bank, schon gar nicht bei einer deutschen. Ein Zinsvergleich der FMH Finanzberatung zeigt, dass sich Kunden für Festgelder mit einjähriger Laufzeit derzeit im Schnitt mit weniger als 0,7 Prozent begnügen müssen. Wie kann es sich eine Bank aus Bulgarien leisten, so viel mehr zu bieten?

Der Vermittler Weltsparen.de lobt die Bank am Dragan Tsankov Boulevard in Sofia in den höchsten Tönen. Sie sei „eine der größten Banken in Bulgarien“, börsennotiert und als systemrelevant eingestuft. Nicht zuletzt gelte das Institut als „eine kundenorientierte Bank“, was mehrere Auszeichnungen belegen sollen.

Hohe Renditen fallen aber nicht wie Manna vom Himmel. Beim genaueren Blick zeigen sich die Risiken. „Das Angebot der Fibank sieht nur auf den ersten Blick verlockend aus“, sagt Hans-Peter Burghof, Professor für Bankwirtschaft an der Universität Hohenheim. In Wahrheit bekommen sie dort sehr wenig Geld für ein hohes Maß an Intransparenz.“ Kunden würden Risiken einkaufen, die Sie gar nicht überblicken können. „Das Geschäftsmodell einer solchen Bank lässt sich nicht beurteilen“, sagt Burghof.

Die Ratingagentur Fitch bewertet das Ausfallrisiko der Fibank mit B auf kurze Sicht und BB- auf lange Sicht als spekulative Anlage. Bei einer Verschlechterung der Lage sei mit einem Ausfall der Bank zu rechnen. Bei einer Insolvenz würde die bulgarische Einlagensicherung einspringen, die Beträge bis 100.000 Euro absichert. „Im Ernstfall müssen Anleger ihre Ansprüche, wenn sie Pech haben, auf bulgarisch anmelden“, sagt Annabel Oelmann, Teamleiterin Finanzen bei der Verbraucherzentrale NRW. Es gelte bulgarisches Recht.

Zinsen und Ratings ausgewählter Banken

Fibank (Vermittler: Weltsparen.de)

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 2,9 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): Kein Angebot
Herkunftsland: Bulgarien
Einlagensicherung (100.000 €) in Bulgarien
Rating (Fitch): BB-

Big Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,05 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): Kein Angebot
Herkunft: Estland
Einlagensicherung (100.000 €) in Estland

Credit Europe Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,4 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,0 %
Herkunft: Niederlande
Einlagensicherung (100.000 €) in den Niederlanden
Rating (Moody’s/Fitch für Fiba Group): Ba2/BB-

Deniz Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,6 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,2 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in Österreich
Rating (Moody’s/Fitch für Sberbank): Baa3/BBB-

Garanti Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,4 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,05 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in Niederlande
Rating (Moody’s/S&P/Fitch): Baa3/BB+/BBB

IS Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 0,9 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in Deutschland
Rating (Moody’s/S&P/Fitch): Baa3/BB+/BBB

MoneYou

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,5 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,3 %
Herkunftsland: Niederlande
Einlagensicherung (100.000 €) in den Niederlanden
Rating (Moody’s/S&P/Fitch): A2/A/A+

Pbb direkt (Deutsche Pfandbriefbank)

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,5 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,2 %
Herkunftsland: Deutschland
Einlagensicherung (100.000 €) in Deutschland
Rating (Moody’s/S&P/Fitch): Baa2/BBB/A-

Renaultbank direkt

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,45 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,3 %
Herkunftsland: Frankreich
Einlagensicherung (100.000 €) in Frankreich
Rating (Moody’s/S&P): Baa3/BBB

Vakifbank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,75 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,5 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in Österreich
Rating (Moody’s/S&P/Fitch): Baa3/BB+/BBB-

VTB Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,75 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,5 %
Herkunftsland: Russland
Einlagensicherung (100.000 €) in Österreich
Rating (Moody’s/S&P): Baa2/BBB

Yapi Kredi

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,8 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 1,3 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in den Niederlanden
Rating (Moody’s/S&P): Baa3/BB+

Ziraat Bank

Festgeld (10.000 € 1 Jahr): 1,25 %
Tagesgeld (10.000 € Neukunden): 0,5 %
Herkunftsland: Türkei
Einlagensicherung (100.000 €) in Deutschland
Rating (Moody’s/Fitch): Baa3/BBB-

Kunden können nur darüber spekulieren, ob der bulgarische Staat in der Lage sein dürfte, Ansprüche ausländischer Sparer im Notfall zu bedienen. „Wie glaubwürdig ist eine Haftung, wenn das gesamte Bankensystem des Landes in eine Krise geraten sollte?“, fragt Burghof. „Außerdem bekämen Anleger das Geld nicht in Euro zurückbezahlt, sondern in bulgarischen Lew“. Laut bulgarischer Nationalbank werden Konten in einer fremden Währung in Lew abgeglichen, „zum offiziellen Wechselkurs der bulgarischen Nationalbank zu dem von der bulgarischen Einlagensicherung festgelegten Stichtag“.

Für den Anbieter Weltsparen.de soll die Partnerschaft mit der Bank aus Bulgarien nur der Anfang sein.

Kommentare (8)

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Bankster

13.02.2014, 13:27 Uhr

Wie doof muss man sein um sein Geld dort zu "verzinsen"?
Ob 1 oder 5 % ist doch egal. Die ungelogene Inflation ist eh höher und die Sparer werden jetzt in sehr naher Zukunft größtenteils enteignet.
Außerdem stehen die Zeichen auf Sturm !
Also das Fiat-Money umtauschen gegen physisches Silber und Gold.
So nebenbei wirft dieses ach so schlechte "Investment" in naher Zukunft viel mehr "Zinsen" ab als alles andere....

Account gelöscht!

13.02.2014, 13:56 Uhr

Bedarf es wirklich eines 4-seitigen Artikels, um wieder einmal die nicht wirklich bahnbrechende Erkenntnis zu verbreiten, dass derartige Verzinsungen mit Risiken behaftet sind?

Ich möchte mal behaupten, dass diejenigen, die blind vor Gier auf derartige Angebote reinfallen, nicht unbedingt zu den Lesern des Handelsblattes gehören und folglich hier ohnehin nicht erreicht werden.

Account gelöscht!

13.02.2014, 14:02 Uhr

also so verlockend finde ich die minus 20% bei Gold in den vergangenen 2 Jahren nicht...

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