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23.04.2013

14:14 Uhr

Kassenstudie

Zahnersatz wird deutlich teurer

Die Kosten für den Zahnersatz steigen weiter an – und die Versicherten müssen mehr als die Hälfte davon aus eigener Tasche zahlen. Der Barmer-Zahnreport zeigt dem Graben zwischen den gesetzlich und privat Versicherten.

Die Kosten für Zahnersatz steigen weiter an. dpa

Die Kosten für Zahnersatz steigen weiter an.

BerlinZahnersatz wird nach Einschätzung der Krankenkasse Barmer GEK zunehmend zum privaten Luxus. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass die Kosten für Kronen, Brücken und Implantate steigen. Zugleich müssen Patienten einen größeren Anteil der Kosten selbst tragen. Das ist das Fazit des Zahnreports 2013, der am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde.

Demnach betrugen die Durchschnittskosten für Zahnersatz im Erhebungsjahr 2009 etwa 1400 Euro pro Person. Das entspricht einem Anstieg von 18 Prozent seit 2005. Über die Hälfte der Kosten - im Durchschnitt 776 Euro - mussten Patienten selbst aufbringen.

Die häufigsten Zahnbefunde

Platz 10

Der Befund „vorhandenes Implantat mit intakter Suprakonstruktion“ tritt bei 0,3 Prozent aller Zähne auf.

Platz 9

Die „Teleskopkrone“ wird bei 0,6 Prozent aller Zähne dokumentiert.

Platz 8

Der „Lückenschluss“ tritt bei 1,4 Prozent aller Zähne auf.

Platz 7

1,9 Prozent der Zähne, die mit Kronen versorgt sind, haben den Befund „erneuerungsbedürftig“.

Platz 6

Der Zahn muss entfernt werden: Dieser Befund trifft auf 2,1 Prozent aller Zähne zu.

Platz 5

Der Befund „erhaltungswürdiger Zahn mit starkem Substanzdefekt“ kommt mit einer Häufigkeit von 3,8 Prozent vor.

Platz 4

Ein ersetzter, erneuerungsbedürftiger Zahn lautet der Befund mit einer Häufigkeit von 3,9 Prozent.

Platz 3

4,3 Prozent aller Zähne besitzen ein Brückenglied.

Platz 2

Bei sieben Prozent der Zähne lautet die Diagnose „durch herausnehmbaren Zahnersatz ersetzter Zahn“.

Platz 1

Bei ebenso sieben Prozent der Zähne tritt schlicht der „fehlende Zahn“ auf.

„Die aktuellsten Zahlen zum Zahnersatz stammen von 2009. Für 2013 rechnen wir mit einem privaten Kostenanteil von nahe 60 Prozent. Der Rest wird über den Festzuschuss der Krankenkassen beglichen“, sagte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf-Ulrich Schlenker.

Die Gründe für den stetigen Aufwärtstrend sieht Schlenker vor allem in der mangelhaften Transparenz der zahnärztlichen Behandlung. Zahnersatz sei so teuer, weil die Beratung der Zahnärzte häufig auf höherwertige Materialien wie Keramikfüllungen abziele. Nirgendwo sonst im Gesundheitswesen sei die Aufspaltung in eine Basisversorgung und privat zu zahlende Premiumbehandlungen weiter fortgeschritten. „Es muss den Versicherten klipp und klar gesagt werden, was an Kosten auf sie zukommt“, so Schlenker.

GKV gegen PKV: Was die Kämpfer fordern

Debatte

Politiker, Manager und Ökonomen diskutieren seit Monaten über die Zukunft der Krankenversicherung in Deutschland. Einige Auszüge.

PKV-Direktor Leienbach

Volker Leienbach, PKV-Verband:
„Deutschland hat dank seines Zwei-Säulen-Systems aus Gesetzlicher und Privater Krankenversicherung eine auch im internationalen Vergleich hervorragende Gesundheitsversorgung mit kurzen Wartezeiten, freier Arztwahl und medizinischem Fortschritt für alle.“

Die Linken

Der Linken-Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg sagte dem Handelsblatt: „Die Zahlen der Bundesregierung belegen, dass die PKV ihre besten Zeiten hinter sich hat.“ Beiträge und Ausgaben stiegen rasant und deutlich stärker als in der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Zinsentwicklung bei den Alterungsrückstellungen zeige, dass die PKV nicht demographiefest sei. 

FDP

FDP-Gesundheitspolitiker Lars Lindemann fordert "grundlegende Veränderungen" von der Branche. „Ich bezweifle, ob die Vollversicherung in der heutigen Gestalt in der Zukunft noch so bestehen bleiben kann“, sagte er dem „Stern“.

Gesundheitsökonom

Können die Versicherer überhaupt noch 3,5 Prozent am Kapitalmarkt erwirtschaften?
Professor Jürgen Wasem:
„Im Moment gelingt das noch, weil die Alterungsrückstellungen langfristig angelegt sind. Doch auf Dauer ist das zu bezweifeln, vor allem wenn die Kapitalmarktzinsen so niedrig bleiben wie derzeit. In der Lebensversicherung wurde daher der Garantiezins ja bereits auf 1,75 Prozent gesenkt.“

AOK

Jürgen Graalmann, Verbandschef der Krankenkassengruppe AOK:
„Ich halte das Geschäftsmodell der PKV im Bereich der Vollversicherung für gescheitert.“

Barmer GEK

Christoph Straub, Vorstandsvorsitzender der größten Krankenkasse Barmer GEK:
„Ich bin nicht dafür, die PKV abzuschaffen, sondern für einen fairen Wettbewerb beider Systeme. Allerdings müssen die privaten Krankenversicherer eine Reihe von Problemen angehen."

Debeka

Uwe Laue, der Vorstandsvorsitzende des mit 2,2 Millionen Vollversicherten größten privaten Krankenversicherers:
"Die PKV ist die bessere Alternative im Gesundheitswesen.“ Laue beklagt eine „Anti-PKV-Propaganda, bei der Einzelfälle ohne Hintergründe und Beweise skandalisiert werden, um ein funktionierendes System Schritt für Schritt kaputt zu reden“.

Signal Iduna

Die Krankenkassen halten das Geschäftsmodell der PKV für gescheitert. Hat ihr letztes Stündchen bald geschlagen? 

Reinhold Schulte, Chef des PKV-Verbandes und des Versicherers Signal Iduna:
„Jedes Jahr wechseln deutlich mehr Menschen aus der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in die Private Krankenversicherung als in umgekehrter Richtung. Gegenteilige Behauptungen sind absurd und nachweislich falsch. Wenn einzelne Vertreter gesetzlicher Krankenkassen versuchen, einen anderen Eindruck zu erwecken, ist das nicht seriös.“

 

Die Bundeszahnärztekammer sieht in den steigenden Kosten ein wachsendes Qualitäts- und Gesundheitsbewusstsein der Deutschen. „Der Patient entscheidet, welche Erwartungen und Ansprüche er an seinen Zahnersatz hat“, erklärte der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Peter Engel. Neue technische Entwicklungen in der Zahnversorgung würden eine größere Bandbreite an Möglichkeiten ergeben. Eine höherwertige Versorgung bedeute zugleich höhere Material- und Laborkosten. Diese machten etwa 60 bis 70 Prozent der Gesamtkosten aus.

Dem Zahnreport zufolge haben sich 2009 etwa 11,5 Prozent der Deutschen einer Zahnbehandlung unterzogen, bei der entweder neuer Zahnersatz eingesetzt oder vorhandener repariert wurde. Die Analyse basiert laut Barmer auf den Behandlungsdaten von etwa 1,7 Millionen Versicherten der ehemaligen GEK-Krankenkasse. Die Ergebnisse sind damit repräsentativ.

Von

dpa

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 12:23 Uhr

Ich korrigiere "Die Kosten für den Zahnersatz steigen IN DEUTSCHLAND weiter an"

Genau so wie Energiekosten und und und während ich im EU Ausland die Hälfte zahle. Lustig oder? That'S Germany, ganz CDU,SPD,Grüne und FDP like!

Account gelöscht!

23.04.2013, 13:03 Uhr

Die Zahnärzte zählen zu den reichsten Berufsgruppen in Deutschland. Das sind wohl die Gründe für die hohen Kosten. Die CDU/FDP unterstützen dies im Rahmen ihrer Lobbyarbeit. Mit Energiekosten hat das wohl nichts zu tun. Das ist reine Umverteilung von unten nach oben!

Account gelöscht!

23.04.2013, 13:05 Uhr

lol, das Perpetuum mobile des deutschen Gesundheitswesens.
Unglaublich was sich Leute alles gefallen lassen wenn es um ihre Gesundheit geht.
An meine noch vorhandenen Zähne kommt kein Zahnarzt mehr, der nach deutschen Abrechnungen arbeitet.
Mein Zahnarzt hier macht seine Arbeite genauso gut, wenn nicht sogar besser (ich kann das beurteilen nach min. 40 Jahren deutschem Zahnarztgenuß), und es kostet genau den privaten Anteil den ich in Deutschland zahlen müßte. Den Rest steckt sich also der Zahnarzt und Zulieferer ein.
Aber Hauptsache A ... versichert *lol*

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