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27.02.2014

14:21 Uhr

Keine Spitzenreiter

Berufsunfähigkeitsversicherungen im Test

„Öko-Test“ hat Berufsunfähigkeitsversicherungen hinsichtlich ihrer Preise, Annahmepolitik und Bedingungen getestet. Das Ergebnis fällt ernüchternd aus – kein Versicherer bekommt in allen Bereichen ein „sehr gut“.

Weit verbreitet: Im Laufe seines Arbeitslebens wird jeder fünfte Berufstätige in Deutschland berufsunfähig. dpa

Weit verbreitet: Im Laufe seines Arbeitslebens wird jeder fünfte Berufstätige in Deutschland berufsunfähig.

BerlinJeder fünfte Berufstätige in Deutschland wird im Laufe seines Arbeitslebens berufsunfähig. Verbraucher, die für diesen Fall vorsorgen und eine Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) abschließen wollen, sollten laut einem Bericht der Zeitschrift „Öko-Test“ (Märzausgabe) einen Makler oder Berater hinzuziehen, um die für sie bestmögliche Versicherung zu finden - oder um überhaupt einen Vertrag zu bekommen. Denn der Preis sei in diesem Fall das unwichtigste Kriterium, erklärte „Öko-Test“". Viel wichtiger seien die Tarifbedingungen, die Gesundheitsprüfung und eine ausreichende Vertragsflexibilität.

„Öko-Test“ nahm insgesamt 116 Policen von 35 Versicherern unter die Lupe, davon 59 Policen für selbstständige Berufsunfähigkeitsrenten und 57 Verträge für Berufsunfähigkeits-Zusatzversicherungen, bei denen neben der vereinbarten Rente im Falle der Berufsunfähigkeit im Todesfall noch eine kleine Geldsumme an die Angehörigen gezahlt wird. Das Urteil der Zeitschrift: „Kein Versicherer ist in allen Bereichen Spitze.“ Biete eine Versicherung erstklassige Bedingungen zu bezahlbaren Preisen, dann sichere sie entweder nicht alle Berufsgruppen bis zum Rentenalter ab oder schneide mit ihrer Annahmepolitik nur durchschnittlich ab.

Bei den Tarifbedingungen hätten die Versicherungsunternehmen inzwischen ihre Hausaufgaben gemacht, stellte „Öko-Test“ fest. Fast zwei Drittel aller Produkte bekämen hier ein „gut“ oder „sehr gut“.

Schlechte Noten gab es hingegen für die Annahmepolitik der Branche. „Öko-Test“ habe die Probe aufs Exempel gemacht und einen Versicherungsmakler anonyme Risikoanfragen für fünf reale Kunden bei 22 Versicherungen stellen lassen. Die Antworten auf die insgesamt 110 Anfragen zeigten, "wie stark manche Versicherer bei der Annahmepolitik mittlerweile sieben". Diese "Rosinenpickerei" bedeute, dass viele vorsorgewillige Verbraucher gar "keine Chance auf den für sie notwendigen Vertrag" hätten. Schon bei geringsten Anzeichen für psychische Probleme - Schlafstörungen etwa oder Flugangst - lehnten manche Versicherer einen Vertragsabschluss ab. Für manche Hobbys wie etwa Reiten veranschlagten sie hohe Risikozuschläge.

Zudem entscheide jeder Versicherer anders, kritisierte "Öko-Test". Eine einheitliche systematische Bewertung von Gesundheitsrisiken sei bei der Stichprobe nicht erkennbar gewesen. Auch wegen der extremen Preisunterschiede rät "Öko-Test" Verbrauchern, mit anonymisierten Risikoanfragen nach dem besten Anbieter für eine BU zu suchen.

Ein weiterer Kritikpunkt bei Berufsunfähigkeitsversicherungen sei, dass viele gar nicht bis zum Beginn des regulären Rentenalters abgeschlossen werden könnten. Eine ganze Reihe von Berufsgruppen könne sich nur bis zum Alter von 60 oder 62 Jahren gegen Invalidität absichern. So könnten zum Beispiel Kraftfahrer oder Polizisten, die kurz vor der Rente berufsunfähig würden, dann doch wieder auf staatliche Unterstützungsleistungen angewiesen sein. Ihrer volkswirtschaftlichen Funktion, Arbeitnehmern einen ausreichenden Risikoschutz zu bezahlbaren Preisen zu bieten, werde die Branche somit derzeit nicht gerecht, lautet das Fazit von "Öko-Test".

Von

afp

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