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13.09.2012

11:53 Uhr

Kfz-Versicherung

Viele Autofahrer müssen mehr zahlen

VonKerstin Leitel

Die neue Typklassenstatistik sorgt in der Versicherungsbranche für Aufruhr. Erstmals werden Alter der Fahrer und Halter berücksichtigt. Für jeden zweiten Autofahrer hat das finanzielle Auswirkungen.

Kfz-Versicherungen

Der große Zufriedenheits-Test

Kfz-Versicherungen: Kfz-Versicherungen: Der große Zufriedenheits-Test

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Die neue Typklassenstatistik der deutschen Versicherungsbranche sorgt derzeit für Aufruhr. Denn in der aktuellen Aufstellung, die der Branchenverband GDV jedes Jahr veröffentlicht, werden rund die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge in eine neue Typklasse umgestuft - mit entsprechenden Folgen für die Kfz-Versicherungen: Zahlreiche Policen dürften teurer werden.

Dass auf einmal so viele Fahrzeuge in eine neue Kategorie kommen, liegt daran, dass erstmals auch das Alter des Versicherungsnehmers und des jüngsten Nutzers des Fahrzeugs bei der Einteilung berücksichtigt werden, wie der GDV mitteilte. Rund 55 Prozent der umgestuften Fahrzeuge werden in der Kfz-Haftpflichtversicherung nun eine Klasse höher, 36 Prozent eine Klasse niedriger eingestuft.

Autoversicherung: Was die neuen Typklassen bedeuten

Umstufungen

Rund die Hälfte der in Deutschland zugelassenen Fahrzeuge wird in eine neue Typklasse umgestuft. Der Grund: Erstmals werden das Alter des Versicherungsnehmers und das Alter des jüngsten Nutzers des Fahrzeugs bei der Einteilung der Typklasse berücksichtigt.

Quelle: GDV

Grund

Die Typklassen spiegeln die Schaden- und Unfallbilanzen eines jeden in Deutschland zugelassenen Automodells wider. Wurden mit einem Autotyp weniger Schäden gegenüber den Vorjahren gemeldet und entschädigt, wird das Modell in eine niedrigere Typklasse eingestuft. Um die Typklasse eines Autos exakt zu bestimmen, analysiert der GDV jedes Jahr die Schadenbilanzen der Fahrzeugtypen – das sind rund 22.000 verschiedene Automodelle.

Prinzip

Je höher die Einstufung ist, desto teurer ist die Autoversicherung.

Haftpflicht

In der Kfz-Haftpflichtversicherung ändert sich die Typklasse bei über 90 Prozent der Umstufungen nur um eine Klasse. Rund 55 Prozent der umgestuften Fahrzeuge werden eine Klasse höher und rund 36 Prozent eine Klasse niedriger eingestuft. Die Typklasse in der Kfz-Haftpflichtversicherung wird in erster Linie von der Fahrzeugart und der Fahrweise der Nutzer beeinflusst. In der Kfz-Haftpflichtversicherung gibt es 16 Typklassen (10-25).

Beispiele

In der Haftpflicht steigt die Typklasse für den „BMW 335l (390 L), 225 kW“ um drei Stufen von Klasse 16 auf Klasse 19. Der Citroen „C$ 1.6 HDI (N), 82 kW“ steigt von Klasse 15 auf 18. Der „Mazda 3 FLH 2.0 (BL) 110 kW“ steigt ebenfalls von Klasse 15 auf 18.

Vollkasko

In der Vollkaskoversicherung sind insgesamt knapp 45 Prozent der Fahrzeuge von Umstufungen betroffen: Für rund 32 Prozent der betroffenen Fahrzeuge geht es eine Klasse rauf und für rund 59 Prozent geht es eine Klasse runter. In der Vollkaskoversicherung gibt es 25 Typklassen (10-34)

Beispiele

In der Vollkaskoversicherung steigt die Typklasse für den den Opel „Astra-J Sportstourer 1.4 T, (P-J/SW) 103 kW“ um acht Stufen von 14 auf 22.

Beim Ford „Grand C-Max / C-Max 1.6, (DXA), 77 kW“ sind es vier Klassen: Die Einstufung steigt von 18 auf 22.

Teilkasko

In der Teilkaskoversicherung werden etwas mehr als die Hälfte der Fahrzeuge umgestuft: rund 21 Prozent davon um eine Klasse höher und knapp 75 Prozent davon eine Klasse niedriger. In der Teilkasko gibt es 24 Typklassen (10-33). In der Kaskoversicherung werden neben Verkehrsunfällen auch Autodiebstähle, Fahrzeugbrände oder Glasschäden bei der Einstufung in die Typklasse berücksichtigt.

Beispiele

In der Teilkasko steigt die Einstufung des VW „Polo V 1.2, (6R), 51 kW“ um drei Klassen von 14 auf 17.

Der Honda „CR-V 2.0, (RE5), 110 kW“ geht um vier Stufen hoch von Klasse 22 auf 26.

Internet

Autofahrer erfahren die Typklasse ihres Fahrzeugs unter www.typklasse.de.

„Es wird also auch für mich teurer, nur weil mein Automodell populär ist bei Fahrern, die als riskant gelten“, erklärt Thorsten Rudnik vom Bund der Versicherten. „Ich habe quasi Pech, wenn mein Fahrzeugtyp auch bei jungen - oder auch älteren - Fahrern beliebt ist.“

Ein 18-jähriger Azubi muss durch die Änderung für seinen Opel Corsa bei sonst identischen Versicherungsmerkmalen knapp 70 Euro mehr im Jahr zahlen, wie die Huk-Coburg in einer Modellrechnung für das Handelsblatt aufzeigt. Ein 45-jähriger Angestellter sollte für seinen VW Touran einen Aufschlag von weniger als zehn Euro erwarten.

KFZ-Versicherungen: Die Profiteure der neuen Autotarife

KFZ-Versicherungen

exklusivDie Profiteure der neuen Autotarife

Die Prämien in der Autoversicherung steigen. Im Einzelfall erhöhen sich die Preise um bis zu 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es gibt aber Ausnahmen. Welche Autofahrer profitieren und wer mehr zahlen muss.

Je nach Modell kann der Auf- oder Abschlag aber auch deutlich größer ausfallen. Und das trifft nicht nur die Versicherten der Huk-Coburg, schließlich richtet sich die ganze Branche nach den Typklassen. Diese spiegeln die Schaden- und Unfallbilanzen der in Deutschland zugelassenen Automodelle wider.

Wurden für einen Autotyp weniger Schäden als in den Vorjahren gemeldet, wird das Modell in eine niedrigere Typklasse eingestuft. Die Typklasse in der Kfz-Haftpflicht wird in erster Linie von der Fahrzeugart und der Fahrweise der Nutzer beeinflusst. Je höher die Einstufung, desto teurer die Versicherung.

Autoversicherung: So stark steigt der Beitrag

Exklusiv

Der Versicherer Huk-Coburg berechnete für das Handelsblatt, wie stark die Prämie im Einzelfall steigt.

Beispiel 1

Annahmen: Erstzulassung am 2.1.10 zugelassen auf VN,

Azubi, 18 Jahre, SF-Klasse 1, private Nutzung, parkt an der Straße,

20.000km Fahrleistung, Münster (PLZ 48147)

Prämie bisher

Opel Corsa D 1.4 (HSN 0035, TSN AWH):

1.080,88 €

davon:

Classic Kasko SELECT Beiträge

KH (100 Mio. p.)

576,07 €

TKL Alt - KH 14/ VK 16

VK 300 /TK 150 € SB

504,81 €

Prämie neu

Opel Corsa D 1.4 (HSN 0035, TSN AWH)

Gesamtprämie: 1.149,73 €

davon:

Classic Kasko SELECT Beiträge

KH (100 Mio. p.)

597,17 €

TKL Neu - KH 15/ VK 17

VK 300 /TK 150 € SB

552,56 €

Beispiel 2

Annahmen: Erstzulassung am 2.1.09 zugelassen auf VN

Angestellter, 45 Jahre, SF-Klasse 25, Ehefrau nutzt mit, private Nutzung,

12.000 km Fahrleistung, Garage, Haus, Frankfurt/Main (PLZ 60438)

 

Prämie bisher

VW Touran 1.2 TSI (HSN 0603, TSN ADJ)
Gesamtprämie: 295,27 €

davon:

Classic Kasko SELECT Beiträge

KH (100 Mio. p.)

150,26 €

TKL Alt - KH 14/ VK 16

VK 300 /TK 150 € SB

145,01 €

Prämie neu

VW Touran 1.2 TSI (HSN 0603, TSN ADJ)

Gesamtprämie: 302,11 €

davon:

Classic Kasko SELECT Beiträge

KH (100 Mio. p.)

157,10 €

TKL Neu - KH 15/ VK 16

VK 300 /TK 150 € SB

145,01 €

Kommentare (10)

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Schwarzfahrer

13.09.2012, 15:05 Uhr

Da die Versicherer jetzt nicht mehr mit Erfolg an den Kapitalmärkten das Geld ihrer Lebensversicherungskunden zum Zocken einsetzen können, muss natürlich ein anderer Weg gefunden werden, um die Kohle abzugreifen.

Warum in die Typklasse das Alter von Halter und Versicherungsnehmer einfließen muss, erschließt sich mir nicht. Dies wird doch bereits separat beim Abschluss berücksichtigt.

Aber die Selbstbedienung braucht ja einen Namen...

hermnn.12

13.09.2012, 15:37 Uhr

Ich finde die neuen Merkmale für die einstufung höchst fragwürdig. das konterkariert den Versicherungsgedanken!
Da risikoerhöhende Merkmale doppelt und dreifach berücksichtigung finden (Im Alter, in der individuellen Schadenhäufigkeit, bei der Typklasse) werden die Schäden immer stärker zu Lasten der Risikogruppen fianziert und zwar überproportinal. Dabei ist Versicherung eben der gedanke Risikogruppen durch das Kollektiv zu entlasten. zumindest so lange, wie man überhaupt risiken eigehen will.

Die Risikovermeidung hat mittlerweile ein so hohes und extrem teures Gewicht in diesem Staate, das man sich über die allmähliche Zweiteilung der Gesellschaft nicht wundern braucht. Nur noch mit sehr hohen Erträgen sind Risken lukrativ, für alle anderen nur teuer. Das dünnt eben auch die Mitte aus.

H.

black

13.09.2012, 17:08 Uhr

warum noch nicht unterschieden wird ob man mehr Tag oder eher Nachts fährt; ist mir schleierhaft.
Ebenso empfehle ich die Pannenstatistik des ADAC zur Einstufung heranzuziehen; quasi nach dem Buchungssatz: wenn das Modell reparaturanfälliger ist als andere, kann es ja auch nur weniger Unfälle verursachen. Also günstiger werden...

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