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28.11.2011

10:15 Uhr

Kolumne Nachgerechnet

Die mickrigen Renditen der Riester-Rente

VonGertrud Hussla

Nicht viel besser als ein Sparstrumpf sei die Riester-Rente, kritisieren DIW und Friedrich-Ebert-Stiftung. Hohe Gebühren und intransparente Berechnungen zehrten an der Rendite. Wird da eine schöne Sache schlechtgeredet?

Sparstrumpf contra Riester

Video: Sparstrumpf contra Riester

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DüsseldorfDie Riester-Rente steht in der Kritik. Zu Recht? Sicher ist, dass der Staat üppige Geschenke dazugibt, solange ein Sparer fleißig einzahlt - bis zum Rentenbeginn. Doch ob die angesparte Rente am Ende höher ist als beim Sparen auf eigene Faust, ist nicht ganz so sicher.

Eine Modellrechnung zur "Twinstar-Riester-Rente Invest" von Axa - ein zufällig herausgegriffenes Beispiel - kann das verdeutlichen. Zahlt ein Single dort 35 Jahre lang monatlich 103,84 Euro ein, bekommt er gleich schon mal direkt eine Zulage vom Staat in Höhe von 154 Euro im Jahr dazugeschenkt. Damit erhöht sich sein Monatsbeitrag auf knapp 117 Euro (1400 Euro im Jahr). Der Mann kann den vollen Jahresbeitrag auch noch von der Steuer absetzen, die Erstattung wird mit der Zulage verrechnet. Alles in allem bekommt er so viel Geld vom Finanzamt zurückerstattet, dass er am Ende vielleicht nur noch 77 Euro aus der eigenen Tasche bezahlt.

Vorsorge: Schlecht versorgt mit der Riester-Rente

Vorsorge

Schlecht versorgt mit der Riester-Rente

Börsenturbulenzen, wankende Banken und verschuldete Staaten bedrohen das Ersparte. Die Riester-Rente scheint da auf den ersten Blick attraktiv. Aber Vorsicht: Trotz Förderung werden oft nur auf geringe Renditen erzielt.

Entsprechend kann der Mann dann mit 65 auf eine ordentliche Rente hoffen. Denn über die Jahre, so rechnet Axa vor, würde sich bei einer Vermögensverzinsung von vier Prozent ein Guthaben von gut 87000 Euro ergeben. Und daraus bekäme er dann eine Zusatzrente von 363 Euro. Aus 77 Euro Sparbeitrag 363 Euro Rente gemacht - das lohnt sich doch, oder nicht?

Im Internet gibt es Zinseszinsrechner (z.B. www.zinsen-berechnen.de), die aufzeigen, was aus den Ersparnissen geworden wäre, wenn der junge Mann auf die Riester-Geschenke verzichten würde und bloß die 77 Euro monatlich bis Rentenbeginn anlegen würde. Da müsste er auch noch Abgeltungsteuer bezahlen. Dazugeschenkt bekäme er erst mal gar nichts. Doch - oh Wunder - sein Vermögen würde sich bei einem Zinssatz von ebenfalls vier Prozent über Jahre trotzdem stärker vermehren als mit dem Riester-Produkt. Denn die Abschlusskosten, Provisionen, Verwaltungskosten und andere Posten fressen in den ersten Jahren bei der Twinstar-Riester-Rente die Geschenke vom Staat komplett auf. Nach fünf Jahren hätte der Sparer mit seinen dürftigen 77 Euro schon 4860 Euro angehäuft. Beim RiesterProdukt wären es bloß 4074, fast 800 Euro weniger. Dabei wären dort schon 7000 Euro Beiträge geflossen.

Erst nach ungefähr zehn Jahren würde das Riester-Vermögen das Depot eines 77-Euro-Sparers überholen. Das Vermögen beim Solosparen läge allerdings später zu Rentenbeginn mit rund 63800 Euro weit abgeschlagen hinter dem Twinstar-Vermögen.

Doch nun kommt der große Haken: Der Staat will vom Riester-Rentner Geld wiedersehen. Der Twinstar-Sparer muss seine 363 Euro voll versteuern. Im Ruhestand hätte er vielleicht einen Grenzsteuersatz von 25Prozent. Und schon zurrt seine Zusatzrente auf 272 Euro zusammen. Hätte er dagegen die 77Euro selber angelegt, müsste er auch jetzt nur die Abgeltungsteuer bezahlen. Er könnte mit 283 Euro im Monat rechnen - bis er 97 Jahre alt ist. Er hätte netto mehr.

Natürlich sähe die Rechnung etwa bei einer geringverdienenden Familie mit drei Kindern anders aus - dann gäbe es mehr staatliche Zulagen. Aber in den Broschüren der Produktanbieter geht unter, dass sie die Hand mit aufhalten, solange die staatlichen Geschenke fließen. Die vollen Steuern auf die Rente jedoch muss der Sparer am Ende allein zahlen. Ich persönlich würde die Sache von einem Steuerberater prüfen lassen, bevor ich so eine Rente unterschreibe. Auf den Vertreter allein würde ich mich nicht verlassen.

Kontakt zur Autorin: hussla@handelsblatt.com

Kommentare (20)

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Soplaris

28.11.2011, 10:55 Uhr

Klar, die Kosten gehen zu Lasten der Rendite (und "zufällig" wurde eines der Produkte am Markt herausgegriffen, dass überdurchschnittlich hohe Kosten hat).
Die Empfehlung, dann doch zu prüfen, ob man auf die Zulagen verzichten sollte, scheint sinnvoll. Die aufgezeigte Alternative, nämlich gleiche Rendite, aber ganz ohne Kosten, hat bloß einen Haken: Wo bitte schön gibt es ein Produkt mit vier Prozent Rendite und Beitragsgarantie (auch auf die Zulagen, wohlgemerkt), dass keine Kosten hat?
Selbst ohne Beitragsgarantie gibt es das einfach nicht. Fazit: Schlampig gerechnet.
Als Anleger wird man zwischen schlechten Beratern und schlechten Journalisten aufgerieben. Alles muss man selber machen.

Ozymandias

28.11.2011, 11:02 Uhr

Es gibt Angebote, die kosten nur 15,40 Euro im Jahr.
Macht bei gleichbleibenden Kosten über eine Laufzeit von 40 Jahren 616 Euro.

Ein Gutverdiener hat nach einem Jahr Einzahlung, die Kosten für die gesamte Laufzeit herausgeholt. (Durch Zulage+Steuerersparnis)

Es gibt 5 Arten zu Riestern, man muss sich nicht die schlechteste Art und das schlechteste Angebot auswählen.

Mollemopp

28.11.2011, 11:51 Uhr

Alle Produkte, die später eine monatliche Rente auswerfen, sind für mich unbrauchbar. Ich würde nur eine einmalige Kapitalabfindung nehmen. Und dass hier in dem Artikel wirklich nichts Neues steht, ist kaum der Rede wert. Die die "riestern" sind ohnehin nicht die cleversten Anleger. Für die reicht so ein Wischiwaschi-Artikel vollkommen aus.

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