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24.10.2011

13:07 Uhr

Kolumne Nachgerechnet

Lebensversicherung gekündigt, Tausende Euro Provisionschulden

VonGertrud Hussla

Bei den Nettopolicen von Atlanticlux und Prisma Life unterschreiben Lebensversicherte nur den Versicherungsvertrag. Die Provision steht auf einem gesonderten Blatt. Wollen Kunden kündigen, sitzen sie in der Kostenfalle.

Vorsicht Nettopolicen

Video: Vorsicht Nettopolicen

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DüsseldorfStellen Sie sich vor, Sie wollen Ihre Lebensversicherung nach ein oder zwei Jahren kündigen, weil sie Ihnen doch zu teuer wird. Und plötzlich flattern Ihnen Mahnungen über Tausende von Euro ins Haus. Genau das kann passieren, wenn Sie eine „Nettopolice“ unterschreiben. Nettopolice heißt, die Vermittlungsgebühren bezahlen Sie extra. Extra und immer in voller Höhe, gleich ob sie den Vertrag durchhalten oder vorzeitig aussteigen.

So halten es zumindest die beiden bekanntesten Anbieter solcher Nettopolicen in Deutschland, die Luxemburger Atlanticlux und die Liechtensteiner Prisma Life. Bei Atlanticlux schließt der Kunden den separaten Provisionsvertrag mit dem Vermittler ab, bei Prisma Life legt ihn die Versicherung vor. Die Höhe der Provision bezieht sich dabei stets auf die volle Prämiensumme eines zu Ende geführten Vertrags.

Entsprechend hoch fällt die Rechnung aus. Ich kenne mehrere Leute, die aus allen Wolken gefallen sind, als sie nach der Kündigung Mahnungen über 3.500 Euro oder gar 8.000 Euro Provisionsschulden bekamen. Kein Wunder: Das Modell ist in Deutschland unüblich und Sparern ist oft nicht bewusst, was sie da unterschrieben haben.
Bei  Prisma Life dürfte besonders verwirren, dass der separate Provisionsvertrag „Kostenausgleichsvereinbarung“ heißt – ein Begriff, den wohl kein Mensch auf Anhieb versteht. Bei der Atlanticlux steht immerhin

„Vergütungsvereinbarung" drüber. Doch Rechtsanwalt Jürgen Melchior aus Wismar, der Dutzende Atlanticlux-Versicherte vertritt, sagt, das Fatale sei, dass der Provisionsvertrag meist an den Versicherungsvertrag angeheftet sei und viele Kunden gar nicht mehr genau draufschauten, wenn sie diesen Anhang zusätzlich unterschrieben.

Wie weit diese separaten Provisionsvereinbarungen gesetzeskonform sind, ist nicht ganz geklärt. Der BGH hat zwar in mehreren Urteilen zugunsten von Atlanticlux entschieden, dass deren Konstruktion zulässig ist (siehe etwa III ZR 287/04). Aber Voraussetzung sei auch, dass der Makler kundenorientiert und umfassend beraten hat (III ZR 269/06). Bietet der Vertreter nur eine einzige Police an, dürfte das ein bisschen wenig sein.

Kommentare (13)

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MxM

24.10.2011, 14:01 Uhr

Der Beitrag an sich ist in der Sache sicherlich richtig. Der Grundgedanke solcher Produkte ist sicherlich auch ein anderer: Wenn ausdrücklich auf diese Vereinbarung und ihre Konsequenzen hingewiesen wird, dass haben die Anbieter mit Ihrem Hinweis auf die Transparenz vollkommen recht. Für gewöhnlich sind diese Kosten lediglich im Vertrag versteckt.
Der Videobeitrag dagegen ist unfassbar oberflächlich, undifferenziert und damit absolut unnütz!
Kein Beitrag. Verwirrt und verunsichert nur.

mono

24.10.2011, 14:02 Uhr

Wer unterschreibt denn heute noch bei einer Lebensversicherung? Analphabeten, ferngesteuerte Schwachmaten und sonstige Verwirrte.
Lebenversicherungen und Rentenzahlungen sind nach 2008 doch überhaupt nicht mehr rational darstellbar.

Klaus4711

24.10.2011, 14:13 Uhr

Was mich nur etwas wundert ist, wenn man bei einem 36 Jahresvertrag nach zwei Jahren kündigt, dass man für 34 Jahre Verwaltungsgebühren / Verwaltungskosten die man nicht nutzen kann dennoch bezahlen muss.

Es ist schon sehr interessant wie man von Versicherungen über den Tisch gezogen wird. Egal ob man die volle Laufzeit "durchhält" oder nicht. rd. 8000,- EUR Gebühren dafür dass das Geld "nur" liegt... Der größte Gewinner ist immer "die Bank" ;-).

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