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06.02.2012

13:32 Uhr

Kolumne Nachgerechnet

Wenn die Altersvorsorge die Vertreter absichert

VonGertrud Hussla

Versicherungsvermittler empfehlen am liebsten Rentenversicherungen. Kein Wunder, kassieren sie dafür doch üppige Provisionen. Eine Friseurin hat das teuer bezahlt. Wie sich der Vertreter an der Kundin mästete.

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Total beraten - Nachgerechnet

Überversichert: Total beraten - Nachgerechnet

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DüsseldorfDer Finanzberater ließ sich von der alleinerziehenden Friseurin die Haare schneiden und fädelte gleich ein Gespräch über ihre Vorsorge ein. Es kam zum Beratungstermin. Die heute 42-Jährige kündigte danach erneut ein paar private Rentenversicherungen und schloss andere ab. Für sich und ihre kleine Tochter.

Isabella Soto (Name geändert) ist Italienerin und kennt sich bei Finanzprodukten kaum aus. Sie hat von 2000 bis 2010 insgesamt 38 Bausparverträge und Versicherungsverträge unterzeichnet. Dass sie nur 900 Euro netto verdient, hat ihre Vermittler nicht gestört. Nun kämpft sich ein unabhängiger Experte durch den Dschungel. Er schätzt, dass die Versicherungsvertriebe über die Jahre an der Friseurin gut 14.000 Euro Provision und Abschlusskosten verdient haben. Zuletzt, 2011 hatte sie 17 Versicherungsverträge gleichzeitig laufen.

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38 Verträge. Ein krasser Einzelfall? Ihr Honorarberater Frank Kontz aus Lahnau meint, ähnliche Geschichten erlebe er immer wieder: „Je ahnungsloser der Kunde, umso leichter wird er über den Tisch gezogen.“

Zurück ins Jahr 2000. Die damals frisch verheiratete Soto und ihr Mann, der bei der Straßenwacht arbeitete, wollten bauen. Debeka machte es möglich: Vier Bausparverträge über insgesamt 255.000 Euro. Gesamtbeitrag monatlich: 662 Euro, Abschlussgebühr: 2.551 Euro.

Dann kam die Scheidung. Die Debeka nutzte den Kontakt und offerierte der nun alleinerziehenden Soto zwei Rentenversicherungen, eine für die damals zweijährige Tochter, die auch auf deren Namen lief. Verträge für Kleinkinder haben eine besonders lange Laufzeit, die Abschlussgebühren sind entsprechend höher. Einen weiteren Bausparvertrag der Debeka, stufenweise auf 100.000 Euro hochgesetzt, konnte Soto nach einiger Zeit nicht mehr bedienen. Er wurde aufgelöst. Ihre Einzahlungen sind komplett für die Abschlusskosten draufgegangen.

Kommentare (18)

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06.02.2012, 13:44 Uhr

...naja, vielleicht sollte Frau Soto (Name war ja geändert...) ihre noch bestehenden Versicherungen der Deutschen Bank oder sonst einem angelsächsischen Institut andienen, bevor sie sie kündigt oder kündigen muß... ...ist ihr Vertreter denn nicht auf diese glorreiche Idee gekommen, um noch mehr abzuräumen??? Ich denke, er sollte mal richtig frisiert werden...

GSV

06.02.2012, 14:26 Uhr

Die spannende Frage dürfte sein, welche Intention der "Honorarberater" bei seiner "Beratung" hatte - wenn man sich ansieht, wie viele dieser selbsternannten Kunden-Retter ihren Kunden neue - angebliche - Netto-Produkte verkaufen, bei denen die Provision oh pardon das Honorar dann per separater Vereinbarung auch im Storno-Fall fällig wird, kommen einem als informierten Verbraucher doch gewisse Zweifel an der mildtätigen Ader dieser Leute.

cuibono

06.02.2012, 15:54 Uhr

Das ist dem Versicherungsprodukt immanent.
Bei der Betrieblichen Direktversicherung der Allianz holt man sich auch mehr Provision, als vereinbart.
Altersvorsoge mit Vrsicherungen ist blinder Aktionismus.

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