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23.09.2015

12:41 Uhr

Konditionen im Vergleich

Auch Versicherer bieten Tagesgeld

VonJens Hagen

Bei Lebensversicherungen ist nicht mehr viel zu holen. Die Gesellschaften bieten aber nicht nur Policen an. Schneiden Sie bei Zinskonten besser ab? Ein Vergleich zeigt, was die Versicherer bei Tagesgeldern anbieten.

Die Tagesgelder der Versicherer bieten nur selten üppige Zinsen. dpa

Sparschwein

Die Tagesgelder der Versicherer bieten nur selten üppige Zinsen.

FrankfurtWer aktuell Rendite möchte, dem haben die deutschen Lebensversicherer derzeit wenig zu bieten. Der Garantiezins ist zu Anfang des Jahres auf nur noch 1,25 Prozent gesunken – und das nicht auf den gesamten Beitrag, sondern nur für den Teil der auch wirklich verzinst angelegt wird. Auch die Überschussbeteiligungen sinken. Für 2015 meldeten die Gesellschaften nach einer Auswertung des Analysehauses Morgen und Morgen im Schnitt 3,15 Prozent Zinsertrag. In Zukunft zeigt der Zinstrend auch hier weiter nach unten.

Einige Gesellschaften bieten bereits gar keine Policen nach dem klassischen Modell mehr an. Zuletzt stieg der Versicherer Ergo – ehemals Hamburg-Mannheimer und Victoria – aus dem klassischen Modell aus. Ergo-Vertreter sollen künftig nur noch Lebensversicherungen verkaufen, die sich stärker an der Entwicklung der Kapitalmärkte orientieren. Mit dem Komplettausstieg folgt Ergo dem Beispiel von Konkurrenten wie Zurich, Generali und Talanx.

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Das Zinstief in der Lebensversicherung trifft Kunden hart. Denn ob die neuen Policen das halten, was sich die Versicherten erhoffen steht in den Sternen. Erfahrungswerte fehlen bei diesen neuen Finanzprodukten ebenso wie eine Vergleichbarkeit unter den Anbietern.

Und nicht nur im Kerngeschäft schwächeln die Versicherer bei den Zinsen. Eine Auswertung der FMH-Finanzberatung zeigt: Auch bei Tages- und Festgeldern ist nicht mehr viel zu holen. „Da viele Versicherer ihre Konditionen nicht übermittelt haben, ist die Auswertung der Offerten von den Internetseiten zwar nicht repräsentativ“, sagt Max Herbst, Inhaber der FMH Finanzberatung. „Die Offerten, die wir gefunden haben können aber mit den Angeboten der auf Tagesgelder spezialisierten Banken derzeit oft nicht mithalten.“

Positiv überraschte das Angebote von Cosmos mit einem Zins von 1,05 Prozent, der seit einigen Monaten und noch bis Monatsende garantiert ist. Die Cosmos garantiert den Zinssatz immer nur bis zum Monatsende und verlängert dann erfahrungsgemäß einige Mal das Angebot. Im Schnitt gibt es beim Tagesgeld derzeit gut 0,4 Prozent. Die besten Banken offerieren aber bis zu 1,25 Prozent. Die Württembergische bietet über Wüstenrot immerhin 0,9 Prozent (siehe Tabelle am Ende der zweiten Seite).

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