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11.08.2011

11:21 Uhr

Konditionen-Vergleich

Der große Bluff mit den Gratiskonten

VonJens Hagen

ExklusivMehr als 50 Banken werben mit Gratiskonten. Eine Untersuchung zeigt aber, dass kein einziges Produkt bei allen Geschäftsvorgängen kostenfrei ist. Wo Gebühren lauern - und mit welchen Konten die Kunden wirklich sparen.

Kontoauszug: Trotz anderslautender Werbung gibt es keine Konten, die in jedem Falle gratis sind. Nicht nur bei den Dispozinsen greifen die Banken zu. Quelle: gms

Kontoauszug: Trotz anderslautender Werbung gibt es keine Konten, die in jedem Falle gratis sind. Nicht nur bei den Dispozinsen greifen die Banken zu.

DüsseldorfWenn es um ihre Gratiskonten geht, übertreffen sich die Banken mit Eigenlob. Die Postbank etwa wirbt für ihr Giro-Plus-Konto mit dem Slogan "Null Kosten, volle Leistung". Die Norisbank hält mit ihrem "wirklich kostenfreien Top-Girokonto" dagegen.

Ob in der Stadt oder auf dem Land: Überall gehen die Banker mit ihren vermeintlich günstigen Konditionen auf Kundenfang. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse bewirbt ihr eXtra-Fair-Konto vollmundig mit dem Satz "kostenlos ohne wenn und aber".

Gratisgirokonten gehören bei den Banken längst zum guten Ton. Und immer mehr Institute bieten solche Produkte an, schließlich lassen sich derartige Schnäppchenofferten gut vermarkten. Nach einer Analyse der FMH-Finanzberatung für das Handelsblatt locken aktuell mehr als 50 Institute mit Girokonten ohne Kontoführungsgebühren.

Die Untersuchung weckt aber auch Zweifel an der Ernsthaftigkeit der Angebote. Und siehe da: Wirklich gratis ist keines der untersuchten Produkte. "Auch wenn es die Werbeversprechen suggerieren, es gibt in Deutschland kein einziges Konto, das für alle Fälle kostenfrei ist", sagt FMH-Inhaber Max Herbst.

In den Preis-Leistungs-Verzeichnissen der Banken finden sich zahllose Gebühren, Entgelte und Bedingungen, die für die vermeintlichen Gratiskonten gelten. 17 Banken, die unter die Lupe genommen wurden, verlangen etwa Gebühren für die Einreichung eines Schecks. Die Mittelbrandenburgische Sparkasse ("Kostenlos ohne wenn und aber") verlangt dafür laut FMH beispielsweise 2,50 Euro.

Die versteckten Kosten der Girokonten

Kontoführungsgebühr

Mehr als 50 Banken verzichten aktuell auf dien Kontoführungsgebühr, wie eine Studie der FMH Finanzberatung fürs Handelsblatt ergab. Große Filialbanken langen auch weiterhin zu. Die Deutsche Bank erhöhte ihre Sätze für das Aktiv-Konto etwa im vergangenen Jahr von 4,49 Euro auf 4,99 Euro pro Monat.

Untergrenzen beim Gehalt

Viele Gratiskonten gibt es nur, wenn der Kontoinhaber gewisse monatliche Gehalts- oder andere Geldeingänge vorweisen können. Die Spanne liegt zwischen 600 und 1500 Euro. Wenn Kunden diese Latte nach einigen Monaten oder Jahren reißen, werden die vollen Kontogebühren fällig.

Kreditkarte I

Plastikgeld ist bei vielen Gratiskonten nicht kostenfrei. Bis zu 30 Euro Gebühr pro Jahr kann die Kreditkarte kosten.

Kreditkarte II

Noch teurer wir es am Automaten. Wer in Deutschland Geld zieht, muss bis zu drei Prozent des Betrages abführen, als Mindestgebühr werden fünf Euro fällig.

Kreditkarte III

Außerhalb des Euroraums müssen viele Kunden mit Auslandseinsatzentgelten und Wechselkosten rechnen.

EC-Karte I

Auch für die Maestro-Karte müssen Kunden bei einigen Banken zahlen. Bis zu sieben Euro werden für die EC-Karte fällig. Kunden müssen eine solche Karte haben, damit sie am Automaten Geld abheben können.

EC-Karte II

Wer am fremden Automaten Geld zieht muss vielfach mit Kosten rechnen. Fünf Euro Mindestgebühren sind immer noch vielfach üblich. Die Belastung wird am fremden Automaten angezeigt.

Überweisungen

Überweisungen am Schalter sind bei vielen Instituten nicht kostenfrei. Kunden von einigen Internetbanken müssen auch am fremden Automaten zahlen. Bei Filialbanken sollten Kunden immer den Automaten nutzen.

Schecks

Auch bei der Einreichung von Schecks greifen die Banken zu. Bei 17 von 50 Gratiskonten werden laut FMH Gebühren von bis zu 2,50 Euro fällig.

Kontoauszüge

Gute Nachricht für Bankkunden: Noch vor einigen Monaten war es üblich, dass Banken Kontoauszüge ungefragt verschickt haben, wenn der Kunde den Stand nicht regelmäßig selber abgerufen hat. Ein höchstrichterliches Urteil untersagte der Deutschen Bank aber diese Praxis.

Kommentare (15)

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mannidry

11.08.2011, 12:08 Uhr

.... wieder eine Super-Info !!!!!!!!!
.....mit der man wirklich etwas anfangen kann !!!!!!!

CanaryWharf

11.08.2011, 12:20 Uhr

Für jede Dienstleisung muss gezahlt werden, warum sollte das bei Finanzdienstleistungen nicht gelten? Wo leben wir denn?

Nix ist umsonst!!

Volksbankkunde

11.08.2011, 12:25 Uhr

ich zahle lieber bei einer Regionalbank ein paar Kontoführungsgebühren und nutze den top Service und einen Ansprechpartner vor Ort, als bei einer Direktbank zu sein, die kaum Automaten vorhält und wo man bei Fragen in einem Callcenter landet!!! Außerdem bleibt bei regionalen Instituten das Geld in der Region und die Steuern der Unternehmen kommen meiner Gemeinde wieder zu gute, da profitiere ich viel mehr von!
Ich habe bei meiner Genossenschaft noch ein paar Anteile gezeichnet, sodass ich sogar über die Dividende meine Gebühren zum größten Teil zurück bekomme ;-)

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