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22.05.2014

19:13 Uhr

Kontovergleich

Früh übt sich der Nachwuchssparer

VonJens Hagen, Katharina Schneider

Wenn es um die Kunden von morgen geht, lassen sich viele Banken nicht lumpen. Mit üppigen Zinsen werben sie bei Kindern und Jugendlichen für ihre Giro- und Zinskonten. Wo Mama und Papa neidisch werden.

Kinder sollten schon früh den Umgang mit Geld lernen. Getty Images

Kinder sollten schon früh den Umgang mit Geld lernen.

DüsseldorfGeldanlage ist nur etwas für Erwachsene? Ganz falsch! Mit Jugendkonten, Mäusekonten und Startkonten überbieten sich die Banken regelrecht bei ihren Angeboten für Kinder und Jugendliche. Die Mainzer Volksbank hat für junge Kunden sogar eigens eine Jugendfiliale eingerichtet. „‚Beratung auf Augenhöhe‘ heißt unser Konzept“, sagt Filialleiterin Simone Frölich. Die Besonderheit: Hier werden Auszubildende in die Kundengespräche eingebunden. „Sie sprechen die Sprache der Kinder und Jugendlichen und können manche komplizierten Bankbegriffe einfacher erklären“, so Frölich.

Dass Sparen schon in den ersten Kindertagen ein großer Spaß sein kann, zeigt auch der Blick auf die Zinsen. „Viele Banken bieten für den Nachwuchs deutlich bessere Konditionen, als sie Erwachsene selbst bei Top-Anbietern ergattern können“, sagt Max Herbst von der FMH-Finanzberatung. Für Handelsblatt Online hat sein Team Giro- und Zinskonten für Kinder untersucht.

Was Kunden, Banker und Regierung tun sollten

Handlungsempfehlung für Kunden

Was müssen Privatkunden beachten, damit sie sich für das richtige das richtige Finanzprodukt abschliessen? Elf Vorschläge von Julius Reiter, Professor für Banking & Finance an der FOM-Hochschule für Oekonomie und Management und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht in der Kanzlei Baum Reiter & Collegen in Düsseldorf.

Verbesserung des Finanzproduktverständnisses

Kunden müssen alle Konsequenzen im Rahmen eines Finanzgeschäfts beurteilen können. Ist dies nicht gegeben, sollten sie auf den Vertragsabschluss verzichten.

Überprüfung der Vertragsdetails

Kunden profitieren bei der Auswahl des geeigneten Finanzprodukts von einer kritischen Prüfung des Vertragswerks. Kunden gewinnen langfristig, wenn sie neben den Chancen und Risiken auch die Gebührenstruktur eines Finanzprodukts kritisch beim Erwerb hinterfragen.

Umgang mit persönlichen Daten

Kunden sollten kritisch hinterfragen, welche Informationen sie dem Finanzberater preisgeben. Weiterhin sollten sie den Umgang mit ihren persönlichen Daten, insbesondere im Internet, restriktiv handhaben. Öffentlich zugängliche personenbezogene Daten können von der Finanzbranche strategisch und in der Beratung verkaufspsychologisch genutzt werden.

Handlungsempfehlung für Banken

Banken sollten für eine erfolgreiches wirtschaften folgende Ratschläge beachten.

Suchmaschinenoptimierung

Suchmaschinen sind im Kaufentscheidungsprozess für Bankkunden eine wichtige Informationsquelle. Eine Suchmaschinenoptimierung erscheint erforderlich, um Kunden entsprechende Informationen zur Verfügung stellen zu können.

Abstimmung des Filial- und Internetangebots

Banken profitieren von einem auf das Kundenbedürfnis ausgerichteten Angebot im Internet. Die Optimierung des Vertriebsweges Internet bei gleichzeitiger Abstimmung mit lokalen Angeboten erscheint sinnvoll.

Optimierung der Vergütungsstruktur

Die Gruppe der Selbstentscheider und der Online-Käufer wächst. 25% der Kunden lassen sich in Banken und bei Finanzdienstleistern beraten, kaufen aber die Finanzprodukte im Anschluss online. Dies steht im Zusammenhang mit gestörtem Vertrauen in die Unabhängigkeit und Kompetenz der Finanzberatung. Entlohnungssysteme im Rahmen der Beratung sollten überprüft und die Qualität der Beratung gegenüber den Kunden deutlicher herausgestellt werden.

Handlungsempfehlung für Gesetzgeber

Juristen sollten die sich nachfolgenden Tipps zu Herzen nehmen.

Reduzierung Vertragskomplexität bei Finanzprodukten

Die Transparenz bei Finanzprodukten ist nicht gegeben. Die Komplexität sollte reduziert und die Transparenz, insbesondere in Bezug auf Kosten und Provisionen, muss erhöht werden. Bei gesetzlicher Verpflichtung der Anbieter zur Offenlegung aller Kosten einer Kapitalanlage in Euro und Cent könnte der Anleger unter Berücksichtigung dieser Kosten von sich aus prüfen, welcher absolute Betrag seiner Anlagesumme überhaupt in die Substanz des Produktes fließt und wie viel „weiche Kosten“ keinem Gegenwert entsprechen.

Unabhängige Beratung fördern

Der Trend zum Selbstentscheider und Online-Kauf bei Finanzprodukten nimmt zu. Dies steht im Zusammenhang mit dem Vertrauensverlust in die Finanzberatung. Ein Fünftel der Befragten kann sich unter Honorarberatung, also unabhängiger Beratung ohne Provisionsvergütung, nichts vorstellen. Es sollte durch den Gesetzgeber ein Berufsbild des Honorarberaters mit qualifizierter Berater-Ausbildung und verbindlichen Qualifikationsanforderungen etabliert werden. Die Verpflichtung für Anbieter, Finanzprodukte als Alternativangebot mit provisionsfreien Nettotarifen anzubieten, könnte den Markt für unabhängige Beratung fördern.

Finanzbildung

Die Finanzbildung sollte als fester Bestandteil in die Schulausbildung integriert werden.

Besonders Regionalanbieter sind einen Blick wert. Die Berliner und Hamburger Sparkasse sowie die PSD Bank Köln und PSD Nord verzinsen Guthaben mit drei Prozent. Bei drei weiteren Instituten gibt es zwischen zwei und 2,5 Prozent. Zwar gelten solche Offerten oft nur für Beträge im unteren vierstelligen Euro-Bereich. Erwachsene suchen solchen Sätze aber vergebens. Selbst die größten Preisbrecher der Produkte für Erwachsene bieten nicht mehr als 1,30 Prozent.

Die Strategie der Banken ist klar: Wer die Kinder schon frühzeitig anlockt, dem bleiben sie vielleicht ein Leben lang treu. Viele Kunden scheuen immer noch den Wechsel des Girokontos, weil das Ummelden von Daueraufträgen, Kontonummern oder Rechnungszielen ziemlich aufwendig ist.


Und so verlangt keine der 17 Banken, die Girokonten bereits vor dem zwölften Lebensjahr anbieten, Kontogebühren für die Giros. Mindestens fünf Banken bieten sogar Kinderkonten ab der Geburt an. So können Eltern, Tanten oder Großeltern schon vor dem ersten Taschengeld gut verzinst überweisen.


Kommentare (2)

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Account gelöscht!

22.05.2014, 19:21 Uhr

Üppige Zinsen welche noch nicht einmal die Inflation ausgleichen.
Demnächst noch weniger, wenn der Leitzins noch mehr abgesenkt wird und vielleicht sogar negativ wird.
Aber egal - der "Deutsch" Michel schluckt alles was er vorgesetzt kriegt, hauptsache er kann seinen naiven und trägen Schlaf weiter schlafen....
Es ist einfach unglaublich was sie hier auf der Welt abspielt, nicht nur in der BRD Nichtregierungsorganisation....

Account gelöscht!

23.05.2014, 13:11 Uhr

@UWE99
.
Was schlagen Sie als Koriphäe uns nun konstruktiv vor -
oder haben Sie einfach nur keinen Plan?
.

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