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18.05.2014

09:10 Uhr

Krankengeld

Der gefährliche Sparkurs der Krankenkassen

Krankgeschriebene Arbeitnehmer bekommen zuerst weiter ihren Lohn - und dann Krankengeld. Doch regelmäßig versuchen Krankenkassen, dabei zu sparen. Das Problem könnte sich künftig noch verschärfen.

Wer lange krank ist, bekommt erst Gehalt, später dann Krankengeld. dpa

Wer lange krank ist, bekommt erst Gehalt, später dann Krankengeld.

BerlinGesetzliche Krankenkassen versuchen nach Expertenangaben immer wieder, beim Krankengeld zu sparen und krankgeschriebene Versicherte zum Arbeiten zu drängen. „Besonders häufig taucht das Thema in unserer Beratung im Kontext psychischer Erkrankungen auf“, sagte der Geschäftsführer der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD), Sebastian Schmidt-Kaehler, der Nachrichtenagentur dpa in Berlin.

Bereits im vergangenen Sommer hatte die Patientenberatung auf Tausende solcher Fälle aufmerksam gemacht. Seither sei das Problem in der Beratungspraxis der UPD nicht geringer geworden, sagte Schmidt-Kaehler. Der für Gesundheit zuständige Referatsleiter bei der Bundesdatenschutzbeauftragten, Bertram Raum, sagte der dpa: „Wir kennen entsprechende Beschwerden aus vielen Eingaben.“ Kassen versuchten Versicherte auch, zu Reha-Leistungen auf Kosten der Rentenkasse zu bewegen.

Die Versicherungen, die keiner braucht

Unsinnige Policen

Ob Brillen, Handy oder Glas - in Deutschland kann man fast alles versichern lassen. Doch von vielen dieser Verträge profitiert nur einer - die Versicherungsgesellschaft. Der Bund der Versicherten hat die überflüssigsten Policen zusammengetragen.

Die Glasbruchversicherung

Eine kaputte Scheibe ist ärgerlich, aber kein finanzielles Desaster. Deshalb mache eine Glasbruchversicherung für die meisten keinen Sinn, so der Bund der Versicherten. Die Beiträge seien für die mögliche Schadenshöhe zu hoch. Ausnahme: Sie haben einen Wintergarten oder teure Spezialglasscheiben im Haus. Oder fußballverrückte Kinder.

Die Brillenversicherung

Kaum einem Brillenträger wurde sie nicht angeboten: Die Brillenversicherung. Dabei glauben viele, dass die Brille bei Bruch oder Beschädigung vollständig ersetzt würde. Doch falsch gedacht. Geht die Brille kaputt, gibt es nur Geld für die Sparvariante zurück. Wer eine hochwertige Fassung und aufwändige Gläser haben möchte, muss auch mit Brillenversicherung zuzahlen. Neue Gläser gibt es übrigens nur bei Beschädigung und bei einer starken Veränderung der Sehstärke (ab 0,5 Dioptrien). Wer das nicht zu befürchten hat, sollte seine Brille unversichert lassen.

Die Krankenhaustagesgeldversicherung

Die Krankenhaustagesgeldversicherung verspricht eine Zuzahlung für jeden Tag, den man in einer Klinik verbringen muss. Ob sie die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, bezweifelt der BDV allerdings. Der Verein rät, für solche Fälle lieber Geld auf einem Tagesgeldkonto bereit zu halten.

Die Reisegepäckversicherung

Wer sich Geld von einer Reisegepäckversicherung verspricht, muss bestens auf seine Koffer aufpassen. Denn oft zahlen die Versicherer nur anteilig oder gar nicht, wenn sie ihren Kunden grob fahrlässiges Verhalten vorwerfen. Und was grob fahrlässig ist, ist Auslegungssache. Wertsachen wie Schmuck, Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert, bemängelt der BDV. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen das Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

Die Handyversicherung

Auch eine Handyversicherung bieten Verkäufer gerne und häufig an, meist gleich an der Kasse. Da hört sie sich auch besonders gut an - schließlich kostet ein Smartphone mehrere Hundert Euro. Es zu versichern, lohnt sich trotzdem nicht. Geht das Gerät verloren oder kaputt, ersetzt die Versicherung nur den Zeitwert des Handys und eine Selbstbeteiligung wird fällig. Wer Geld zurück möchte, für den gilt also: Das Handy zeitnah kaputt machen oder im Taxi liegen lassen.

Versicherung gegen „häusliche Notfälle”

Eine ausgefallene Heizung oder ein vergessener Schlüssel - das sind die „häuslichen Notfälle”, gegen die sich Verbraucher versichern können. Doch einmal einen Notdienst zu rufen, treibt einen nicht in den finanziellen Ruin. Eine Versicherung gegen häusliche Notfälle zieht einem dagegen unnötig Geld aus der Tasche. Auch, weil sie nur begrenzt zahlt. Wer zur Miete wohnt, muss sich ohnehin keine Sorgen machen. Mieter müssen nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben, zum Beispiel bei einem Heizungsausfall.

Die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr

Eine Police, bei der man seine eingezahlten Beiträge am Ende zurückbekommen soll - das verspricht die Unfallversicherung mit Prämienrückgewähr. Dahinter steckt aber ein Koppelprodukt, nämlich eine Versicherung mit einem schlecht verzinsten Sparvertrag. Als „Milchmädchen-Rechnung“ bezeichnet der BDV solche Policen: Den Betrag, den der Kunde zurück bekommt, hat er vorher zusätzlich eingezahlt. Und auch die Versicherungsleistungen seien oft nicht ausreichend.

Die Insassenunfallversicherung

Die Angst vor Autounfällen ist groß, deshalb schließen viele Deutsche die Insassenhaftpflichtversicherung ab. Unnötigerweise, so der BDV. Verursacht der Fahrer einen Unfall und werden die Fahrgäste verletzt, tritt seine eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Eine Insassenunfallversicherung lohnt sich nur bei Fahrerflucht oder, wenn der Unfall durch einen Fußgänger verursacht wurde, der keine private Haftpflicht besitzt. Doch auch dem kann vorgebeugt werden, etwa durch eine Forderungsausfallabdeckung in der eigenen Haftpflichtversicherung.

Die Sterbegeldversicherung

Die Sterbegeldversicherung ist eine Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließe, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen, so der BDV. Wer seine Angehörigen entlasten wolle, sollte lieber rechtzeitig Geld beiseite legen.

Die geplante Reform der Krankenkassen-Finanzen droht nach Ansicht der Grünen, restriktives Verhalten noch zu verschärfen. Die Reformpläne sind am kommenden Mittwoch im Bundestag Thema einer öffentlichen Anhörung.

Ab 2015 würden viele Kassen verstärkt fürchten, dass Mitglieder abwandern, wenn der Beitragssatz steigt, warnte die gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Maria Klein-Schmeink. Ab kommendem Jahr sollen die Kassen nach den Plänen von Schwarz-Rot vom Einkommen abhängige Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern nehmen können. Um diese möglichst klein zu halten, droht nach Ansicht von Klein-Schmeink bei den Kassen erneut verbreitetes Sparen - auch beim Krankengeld.

„Der Wettbewerb zwischen den Krankenkassen wird durch die aktuellen Gesetzespläne wieder zunehmen“, meinte auch Gesundheitsdatenschützer Raum. „Die Versicherungen werden folglich überlegen müssen, wo sie sparen.“ Klein-Schmeink nannte einen Sparkurs auf Kosten der Versicherten inakzeptabel. „Aufgabe der Krankenkassen ist es, ihre Versicherten in schwierigen Zeiten zu unterstützen.“

Raum wies auch auf unseriösen Umgang einiger Kassen mit sensiblen Patientendaten hin. So können Versicherungen Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen anstoßen, um beurteilen zu können, ob der Krankengeldbezug gerechtfertigt ist. Dazu können dann Angaben des behandelnden Arztes eingeholt werden. Doch die Kasse darf diese Angaben selbst nicht einsehen. Das passiert laut Raum aber: „Wir kennen auch Fälle, in denen Krankenkassen einen Brief des behandelnden Arztes zum Gesundheitszustand eines Versicherten öffnen, obwohl er nur vom Medizinischen Diensts geöffnet werden darf.“

Klein-Schmeink forderte Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, den Problemen nachzugehen. „Wir wollen wissen, welche Regelung beim Krankengeld auf Dauer Fehlanreize am effektivsten verhindert und die Kassen darin bestärkt, ihre Versicherten nach bestem Wissen und Gewissen zu unterstützen.“

Von

dpa

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