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28.08.2013

11:09 Uhr

Krankenkassen

Alte und Kranke benachteiligt

Wer jung und gesund ist, der ist beliebt bei den Krankenkassen. Diejenigen, die auf ihre Versicherung wirklich angewiesen sind, haben oft schlechtere Karten. Wie sehr Alte und Kranke diskriminiert werden.

Hilfe im Alter: Die Krankenkassen halten sich zurück. Angeblich versuchten Mitarbeiter einer Kasse sogar, behinderte und chronisch kranke Menschen per Telefon zur Kündigung zu bewegen. dpa

Hilfe im Alter: Die Krankenkassen halten sich zurück. Angeblich versuchten Mitarbeiter einer Kasse sogar, behinderte und chronisch kranke Menschen per Telefon zur Kündigung zu bewegen.

BerlinAlte und kranke Menschen werden in der gesetzlichen Krankenversicherung immer wieder diskriminiert. Das geht aus dem jüngsten Tätigkeitsbericht des Bundesversicherungsamtes hervor, den die Aufsichtsbehörde im Internet veröffentlicht hat. Danach benachteiligen die Kassen Versicherte mit hohem Kostenrisiko oft schon bei der Anwerbung. Daneben habe es aber auch Versuche gegeben, Ältere oder Kranke aus der Kasse herauszudrängen, heißt es in dem Bericht, aus dem zuerst die „Frankfurter Rundschau“ (Mittwoch) zitiert hatte.

Nach Darstellung der Behörde hatten Mitarbeiter einer Krankenkasse kurzfristig sogar versucht, behinderte und chronisch kranke Menschen am Telefon zur Kündigung zu bewegen. „Die dargestellte Verfahrensweise verstößt gegen grundlegende Prinzipien des Sozialgesetzbuches und wird der Verantwortung der gesetzlichen Krankenkassen gerade auch bei der medizinischen Versorgung von behinderten und chronisch kranken Menschen nicht gerecht“, rügt das Bundesversicherungsamt.

Die Beitragsspirale in der GKV

Die letzten fünf Jahre: 2008 bis 2012

Schnitt über fünf Jahre: 3,27 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

2012: Beitragssteigerung: 3,03%; Höchster Beitrag: 592,88 Euro
2011: Beitragssteigerung: 2,99%; Höchster Beitrag: 575,44 Euro
2010: Beitragssteigerung: -1,91%; Höchster Beitrag: 558,75 Euro
2009: Beitragssteigerung: 6,20%; Höchster Beitrag: 569,63 Euro
2008: Beitragssteigerung: 6,03%; Höchster Beitrag: 536,4 Euro

2003 bis 2007

Schnitt über zehn Jahre: 2,7 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

2007: Beitragssteigerung: 0,00%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2006: Beitragssteigerung: 0,36%; Höchster Beitrag: 505,88 Euro
2005: Beitragssteigerung: 1,07%; Höchster Beitrag: 504,08 Euro
2004: Beitragssteigerung: 3,25%; Höchster Beitrag: 498,72 Euro
2003: Beitragssteigerung: 6,01%; Höchster Beitrag: 483 Euro

1998 bis 2002

Schnitt über 15 Jahre: 2,28 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut


2002: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 455,62 Euro
2001: Beitragssteigerung: 1,16%; Höchster Beitrag: 450,38 Euro
2000: Beitragssteigerung: 0,43%; Höchster Beitrag: 445,21 Euro
1999: Beitragssteigerung: 1,19%; Höchster Beitrag: 443,29 Euro
1998: Beitragssteigerung: 3,20%; Höchster Beitrag: 438,07 Euro

1993 bis 1997

Schnitt über 20 Jahre: 3 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1997: Beitragssteigerung: 2,50%; Höchster Beitrag: 424,5 Euro
1996: Beitragssteigerung: 4,90%; Höchster Beitrag: 414,15 Euro
1995: Beitragssteigerung: 2,63%; Höchster Beitrag: 394,82 Euro
1994: Beitragssteigerung: 3,98%; Höchster Beitrag: 384,7 Euro
1993: Beitragssteigerung: 11,72%; Höchster Beitrag: 369,97 Euro

1988 bis 1992

Schnitt über 25 Jahre: 3,18 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1992: Beitragssteigerung: 8,90%; Höchster Beitrag: 331,16 Euro
1991: Beitragssteigerung: 0,70%; Höchster Beitrag: 304,09 Euro
1990: Beitragssteigerung: 0,08%; Höchster Beitrag: 01,98 Euro
1989: Beitragssteigerung: 1,67%; Höchster Beitrag: 301,75 Euro
1988: Beitragssteigerung: 7,77%; Höchster Beitrag: 296,8 Euro

1983 bis 1987

Schnitt über 30 Jahre: 3,48 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1987: Beitragssteigerung: 5,12%; Höchster Beitrag: 275,41 Euro
1986: Beitragssteigerung: 7,22%; Höchster Beitrag: 261,99 Euro
1985: Beitragssteigerung: 7,49%; Höchster Beitrag: 244,35 Euro
1984: Beitragssteigerung: 0,47%; Höchster Beitrag: 227,32 Euro
1983: Beitragssteigerung: 4,61%; Höchster Beitrag: 226,25 Euro

1978 bis 1982

Schnitt über 35 Jahre: 4,08 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1982: Beitragssteigerung: 8,63%; Höchster Beitrag: 216,28 Euro
1981: Beitragssteigerung: 6,61%; Höchster Beitrag: 99,1 Euro
1980: Beitragssteigerung: 7,74%; Höchster Beitrag: 186,75 Euro
1979: Beitragssteigerung: 7,16%; Höchster Beitrag: 173,33 Euro
1978: Beitragssteigerung: 8,83%; Höchster Beitrag: 161,75 Euro

1973 bis 1977

Schnitt über 40 Jahre: 5,72 Prozent
GKV-Höchstbeiträge: Veränderung zum Vorjahr und absolut

1977: Beitragssteigerung: 10,65%; Höchster Beitrag: 148,63 Euro
1976: Beitragssteigerung: 19,15%; Höchster Beitrag: 134,33 Euro
1975: Beitragssteigerung: 23,78%; Höchster Beitrag: 112,74 Euro
1974: Beitragssteigerung: 12,25%; Höchster Beitrag: 91,08 Euro
1973: Beitragssteigerung: 19,96%; Höchster Beitrag: 81,14 Euro

Scharfe Kritik übt die Behörde auch an der systemischen „Risikoselektion“ bei der Anwerbung von Versicherten. So habe eine Reihe von Krankenkassen mit ihrem Vertrieb Vereinbarungen mit dem Ziel abgeschlossen, vorrangig einkommensstarke und gesunde Versicherte zu akquirieren.

„Oft zahlen die Krankenkassen ihrem Vertrieb keine Prämien für das Werben von einkommensschwachen oder kranken Versicherten oder verlangen Prämien zurück, wenn die Neumitglieder höhere Krankheitskosten verursachen als erwartet“, heißt es in dem Bericht. „Hierdurch verstoßen die Krankenkassen gegen das Diskriminierungsverbot und das in der gesetzlichen Krankenversicherung zu beachtende Solidaritätsprinzip.“

Kommentare (10)

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hermann.12

28.08.2013, 12:24 Uhr

Das Problem ist nicht die Tatsache, dass Krankenkassen in den Wettbewerbgezwungen würden. Das Problem ist eher, dass die Regeln unlauteren Wettbewerb erzwingen.
Es macht bei den Gesetzlichen keinen Sinn individuelle zusätzliche Gesundheitsrisiken für die Kassen zum Wirtschatsrisiko zu machen. Offensichtlich ist der Risikostrukturausgleich unzulänglich.

H.

Account gelöscht!

28.08.2013, 13:13 Uhr

Die Entwicklung ist kein Wunder für eine immer assozialer werdende Gesellschaft!
Dabei geht der Nächstenhass Hand in Hand mit dem immer schneller und ausgeprägter werdenden Konsumrausch der Bürger!
Bürger die an das assoziale gewöhnt sind wählen eben dies auch eine solche Regierung und finden an politisch gewollten Diskriminierungen von Sozialschwachen und Randgruppen auch nichts Schlimmes!
Unsere Gesellschaft verkommt ohne das es den meisten bewust wird und das ist vom System gewollt!

Account gelöscht!

28.08.2013, 13:51 Uhr

@ hellboy
Prinzipiell stimme ich Ihren Ausführungen zu. Der Begriff
"Nächstenhass" geht dann doch etwas daneben.
Die Personalkosten der GKV`s müssen reduziert werden und zwar mit aller Gewalt.
Ein Vorstandsvorsitzender einer GKV, der letzendlich nur
Beitrage einsammelt, und kein wirtschaftliches Endprodukt herstellt, braucht keinesfalls bis zu 300.000,00 € in Worten: DREIHUNDERTTAUSEND EURO jährlich, nur weil er Mitgliederbeiträge verteilt. Dies gilt auch für seine Mitarbeiter. Schon wäre ausreichend Geld vorhanden. Aber dies ist politisch n i c h t gewollt!!

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