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13.01.2012

15:55 Uhr

Krankenkassen

Das Ende des Zusatzbeitrags

VonThomas Schmitt

Die Deutsche BKK verlangt ab Oktober keinen Zusatzbeitrag mehr. Damit fällt der ungeliebte Beitrag dieses Jahr für mehr als neun Millionen gesetzlich Versicherte weg. Nun wollen die Kassen mehr Beitragsautonomie.

Versicherte der Krankenkassen zahlen drauf: Nicht nur durch Praxisgebühr und bei Medikamenten, sondern bei einigen Kassen auch durch Zusatzbeiträge. Die meisten schaffen diese Einnahmeform jedoch wieder ab. dpa

Versicherte der Krankenkassen zahlen drauf: Nicht nur durch Praxisgebühr und bei Medikamenten, sondern bei einigen Kassen auch durch Zusatzbeiträge. Die meisten schaffen diese Einnahmeform jedoch wieder ab.

Der Verwaltungsrat der Deutschen BKK hat heute beschlossen, den Zusatzbeitrag zum 30. September 2012 abzuschaffen. Die gute Konjunkturlage, neue Rabattverträge sowie weitere Einsparungen bei Arzneimitteln zahlten sich jetzt aus, erklärte die Krankenkasse, die 800.000 Versicherte betreut und die Nummer 19 unter den knapp 150 deutschen Instituten ist. 

Damit hat auch die letzte große Krankenkasse mit Zusatzbeitrag diese ungeliebte Einnahmeform wieder abgeschafft. In diesem Jahr werden damit nach und nach mehr als neun Millionen Versicherte davon nicht mehr betroffen sein. 

An die Spitze der Bewegung hatte sich im vergangenen Jahr überraschend die DAK gesetzt. Die drittgrößte Krankenkasse schließt sich in diesem Jahr mit der BKK Gesundheit zusammen. Nahezu zeitgleich mit der Fusionsmeldung kündigte die DAK auch die Abschaffung ihres Zusatzbeitrages von acht Euro im Monat an – für das fusionierte größere Institut. 

Zusatzbeitrag

Bedeutung

Der Zusatzbeitrag wird erhoben, wenn eine Kasse finanziell schlecht dasteht. Die Einnahmeform hat einen Umbruch im System der gesetzlichen Krankenversicherung herbeigeführt. Meist mussten die Kassenmitglieder acht Euro im Monat direkt an ihr Institut zahlen, teilweise war es auch mehr. Durch diese direkten und spürbaren Zahlungen kam wieder Wettbewerb in den Markt. Viele Versicherten wechselten zu einer Krankenkasse ohne Zusatzbeitrag.

Kritik

Durch Kündigungen verschlechterte sich die finanzielle Lage von Krankenkassen mit Zusatzbeitrag häufig noch. Viele Kassen verwendeten daher sehr viel Energie darauf, einen Zusatzbeitrag zu vermeiden, etwa durch Einsparungen. Das ging zulasten von Investitionen, die sich erst in einigen Jahren auszahlen.

Wer ihn noch erhebt

Ein Überblick findet sich im Internet. Erhoben wird er noch von einigen kleineren Instituten:

BKK Hoesch

BKK Phoenix

BKK Publik

Wer ihn abschafft

Alle großen Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen verzichten in diesem Jahr darauf. Schon durch die Ankündigung verhinderten die Kassen damit weitere Abwanderungen von Kunden. Viele Mitglieder reagierten verärgert, weil die Zusatzbeiträge keine Leistungssteigerungen mit sich brachten. Zudem wurden die Zusatzbeiträge als sozial ungerecht empfunden.

DAK

Die drittgrößte deutsche Krankenkasse schafft den Zusatzbeitrag am 1. April für 5,6 Millionen Versicherte ab

BKK Gesundheit

Die bisherige Nummer 16 unter den Krankenkassen verzichtet ebenfalls ab 1. April für 0,9 Millionen Versicherte auf den Zusatzbeitrag. Das geschieht zusammen mit dem Fusionspartner DAK. Das neue Unternehmen heißt DAK-Gesundheit.

KKH-Allianz

Ab 1. März fällt der Zusatzbeitrag für 1,8 Millionen Versicherte weg

Deutsche BKK

Ab Oktober verzichtet die Nummer 19 unter den Krankenkassen für 0,8 Millionen Versicherte auf den Zusatzbeitrag. Die letzte große Krankenkasse schafft die Einnahmeform damit ab.

DAK-Chef Herbert Rebscher hatte bereits vergangenes Jahr „das Ende der Zusatzbeiträge“ öffentlich ausgerufen. Das Konzept habe noch nie richtig überzeugt. In seiner konkreten gesetzlichen Ausprägung sei es so oder so zum Scheitern verurteilt gewesen. „Deshalb ist sein gegenwärtiges Schicksal, was sich mit „sanft entschlafen“ am besten beschreiben lässt, wohl das Beste, was passieren konnte“, erklärte Rebscher. 

Der DAK-Chef war einer der ersten Kassenmanager, der 2010 den Zusatzbeitrag einführte. Er hatte damit gerechnet, dass viele andere Krankenkassen ihm schnell folgen würden. Doch dem war nicht so. Viele Konkurrenten taten im Gegenteil alles, um den Zusatzbeitrag so lange wie möglich zu vermeiden – sei es durch Fusionen oder durch Einsparungen. Auf diese Weise profitierten sie von starken Wanderungsbewegungen, die als Folge der Zusatzbeiträge zwischen den Krankenkassen einsetzten. 

Die zehn größten Krankenkassen

Platz 2

Krankenkasse: Barmer GEK

Versichertenzahl: rund 9,4 Millionen

Platz 1

Krankenkasse: Techniker

Versichertenzahl: rund 9,8 Millionen

Platz 3

Krankenkasse: DAK-Gesundheit

Versichertenzahl: rund 5,8 Millionen

Platz 4

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 4,4 Millionen

Platz 5

Krankenkasse: AOK Baden-Württemberg

Versichertenzahl: rund 4,2 Millionen

Platz 6

Krankenkasse: IKK Classic

Versichertenzahl: rund 3,3 Millionen

Platz 8

Krankenkasse: AOK Rheinland/Hamburg

Versichertenzahl: rund 3,0 Millionen

Platz 9

Krankenkasse: AOK Nordwest

Versichertenzahl: rund 2,8 Millionen

Platz 7

Krankenkasse: AOK Plus

Versichertenzahl: rund 3,1 Millionen

Platz 10

Krankenkasse: AOK Niedersachsen

Versichertenzahl: rund 2,5 Millionen

Quelle: Bundesministerium für Gesundheit; dfg-Dienst für Gesellschaftspolitik; eigene Recherche

Da die Zusatzbeiträge von zumeist acht Euro im Monat direkt beim Kassenmitglied erhoben werden, sind sie deutlich spürbarer als der allgemeine Beitrag, der über den Arbeitgeber eingezogen wird. Die Folge: Krankenkassen mit Zusatzbeiträgen mussten Mitgliederverluste zwischen 10 und 50 Prozent verkraften. Das brachte einige in Existenznot. Bei City BKK und BKK Heilberufe führte dies sogar zur Schließung. Andere suchten ihr Heil in Fusionen, oft bevor die Erhebung eines Zusatzbeitrages notwendig wurde.

Kommentare (1)

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oldendorp

13.01.2012, 17:13 Uhr

..
HKK - BREMEN/OLDENBURG
......................
die handelskrankenkasse bremen oldenburg hat ebenfalls
keinen sonderbeitrag erhoben - sondern 2009 und 2010 je
mitglied € 60,oo jährlich erstattet..
......................................................
die erstattung für 2011 wird im märz 2012 erfolgen..
..

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