Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2014

06:57 Uhr

Krankenkassen

„Schau Dir Deine Kosten an!“

VonOliver Stock, Jens Hagen

ExklusivDie Honorare der Ärzte steigen im nächsten Jahr kräftig an. Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse, fordert von den Ärzten Transparenz und von den Kassen Effizienz. Versicherte werden bald brisante Post erhalten.

Jens Baas: „Ich rate jedem Krankenkassenchef ganz dringend: Schau dir deine Kosten an!" Frank Beer für Handelsblatt

Jens Baas: „Ich rate jedem Krankenkassenchef ganz dringend: Schau dir deine Kosten an!"

Die Krankenkassen brauchen im nächsten Jahr tiefe Taschen. Gestern haben Sie sich mit den Vertretern der Ärzte überraschend schnell in der zweiten Verhandlungsrunde über die Honorare geeinigt. Die Belastung der Krankenkassen dürfte bei rund 800 Millionen Euro liegen.

„Mit Blick auf die langfristige Finanzierbarkeit der gesetzlichen Krankenversicherung ist dieses Verhandlungspaket gerade noch vertretbar“, sagt Doris Pfeiffer, Vorsitzende des Spitzenverbandes der gesetzlichen Kassen. Auch wenn die Forderungen der Ärzte mit fünf Milliarden Euro deutlich höher ausfielen, ist das längst kein Kleingeld für die Kassen, die in diesem Jahr im Schnitt wahrscheinlich keine Überschüsse erzielen werden.

„Ich begrüße es sehr, dass es keine lange Hängepartie und auch keine Kampfrhetorik gegeben hat, wie wir sie in vergangenen Jahren erlebt haben“, sagt Jens Baas, Vorsitzender des Vorstandes der Techniker Krankenkasse in einem Interview mit der digitalen Tageszeitung Handelsblatt Live.

Die Belastungen schmerzen. „Höhere Honorare bedeuten natürlich eine finanzielle Belastung für die Krankenkassen, und sie fällt in ein Jahr, in dem die Finanzsituation wieder deutlich schwieriger wird“, sagt Baas. Insgesamt sei das Verhandlungsergebnis aber „verkraftbar“.

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Die Kassen sollten effizienter arbeiten. „Ich rate jedem Kassenchef ganz dringend: Schau Dir Deine Kosten an!“, sagt Baas. Kein Kunde möchte laut Baas zu viel zahlen. „Einige Kassen arbeiten an ihren Strukturen und Verwaltungskosten, andere leider noch nicht“, sagt Baas. Bei den Verwaltungskosten läge das Sparpotenzial der gesetzlichen Kassen laut Baas bei 500 Millionen Euro. Nicht zuletzt deswegen verbiete sich jede Diskussion, ob sich bestimmt Operationen ab einem bestimmte Alter noch „lohnen“.

Der finanzielle Druck auf die Kassen steigt. Im nächsten Jahr sinkt der Beitragssatz von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent. Zur Deckung des Finanzbedarfs dürfen die Kassen aber Zusatzbeiträge erheben. Die Kassen müssen dabei eine perfide Vorgabe einhalten. Der Schätzerkreis des Bundesversicherungsamtes ermittelt Mitte Oktober den theoretisch notwendigen Zusatzbeitrag für die gesetzlichen Kassen. „Alle Kassen, die über dem Durchschnitt liegen, müssen ihre Mitglieder anschreiben und erklären, dass sie teurer sind“, sagt Baas.

Kommentare (20)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Peter Spiegel

27.08.2014, 19:20 Uhr

Ich frage mich seit Jahren, warum bekommt ein Kassenmitglied
keine Rechnung vom Arzt?
Oder ist es etwa so, daß hier jemand die Lizenz zum Geldrucken hat.

Herr Fred Meisenkaiser

28.08.2014, 07:56 Uhr

Mit einer Rechnung würden Betrügereien auffallen. Und die sind in dem System normal und von dne Machthabern auch toleriert. So wurden in Bayern im vergangenen Jahr. Zehntausend Fälle von erheblichen, nachgewiesenem Ärztebetrug NICHT verfolgt, da die Lobbyverbände dies nicht wünschten.
Recht ist in Deutschland eben käuflich wie wir wissen. Mit der zwingenden Erstellung von Rechnungen an die Patienten würde dem betrug ein Ende gesetzt, die Zusatzbeiträge absolut hinfällig. Diese sind aber gewünscht, um der PKV Patienten zuzuführen.
Aber gönnen die doch den Ärzten die 15% Gehaltserhöhung! Haben Sie denn letztes Jahr weniger bekommen. Und 150T€ Jahresgehalt ist doch auch nicht viel.
Hinzu kommen noch die Bestechungsgelder der Pharmaindustrie, die sich sicherlich nochmal bei 50T€/Jahr einpendeln - eher mehr!

Herr Jan Dexter

28.08.2014, 08:06 Uhr

Krankenversicherung und Rentenversicherung werden nur finanzierbar bleiben wenn ALLE einzahlen - wer sich dann noch privat Zusatzversicherung will kann das tun.
Um die Ärzte- und Gesundheitskosten zu senken, brauchen wir hochspezialisierte Kliniken, damit nicht jeder Hausarzt teures Equipment kaufen muss. Um Wettbewerb ins System zu bekommen, sollten Krankenkassen im großen Stil Ärzte im europäischen Ausland zulassen. Und noch zum Thema Zufiedenheit: ich bin keineswegs mit den Ärzten zufrieden: intransparenz und Inkompetenz sind an der Tagesordnung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×