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02.01.2013

15:10 Uhr

Krankenkassen werben

Hotline für Organspender

Krankenkassen sollen Mitglieder dazu bringen, Organe zu spenden. So will es das Transplantationsgesetz. Prompt läuft die Aufklärung an. Organspender-Hotlines, Mitgliedermagazine – den Kassen ist jedes Mittel recht.

Organspendeausweise dpa

Organspendeausweise

DüsseldorfNach Göttingen und München, nun also ein weiterer Organspendeskandal in Leipzig. Ärzte hatten am dortigen Universitätsklinikum Lebertransplantationen bei Patienten vorgenommen, deren Akten im Vorfeld manipuliert worden waren. Kranke waren auf dem Papier kränker – und kamen so im Zweifel schneller an das lebensrettende Organ.

Die Serie von Organspendeskandalen kommt für Deutschlands Krankenkassen und private Krankenversicherer zur Unzeit. Denn erst im November hatte der Bundestag eine Reform des bisherigen Gesetzes zur Organspende, des sogenannten Transplantationsgesetzes, verabschiedet. Fortan sollten Versicherer ihre Mitglieder mehr als bisher über die Organspende informieren.

Wer beim Wechsel in die GKV hilft

Die Helfer

Anwälte, Rentenberater oder Mitarbeiter von Krankenkassen kennen sich im Sozialrecht am besten aus, wenn Privatpatienten von der privaten Krankenversicherung (PKV) zurück in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) möchten. Auch Verbraucherschützer leisten Hilfestellung.

Anwalt.de

Die Internetseite anwalt.de bietet eine Suche nach Anwälten für Sozialrecht

Anwaltsuche

Auch die Internetseite Anwaltsuche liefert Spezialisten im Sozialrecht sowie weitere Informationen zum Thema

Anwaltsverein

Im Deutschen Anwaltsverein gibt es eine Arbeitsgemeinschaft für Sozialrecht. Auch hier wird auf eine Online-Anwaltsuche verwiesen. Einen Anwalt finden Interessenten hier auch über das Telefon 01805-181805. Die Auskunft selbst ist kostenlos, das Telefonat kostet – aus dem Festnetz – 0,15 Euro pro Minute.

Anwalt-Suchservice

Ein weiterer Dienst im Internet, um einen geeigneten Anwalt zu finden, ist der Anwalt-Suchservice

Ombudsmann

Der Ombudsmann für Versicherungen ist eine unabhängige und für Verbraucher kostenfrei arbeitende Schlichtungsstelle, welche bei Meinungsverschiedenheit mit Versicherungsunternehmen die Entscheidungen der Versicherer neutral überprüft.

Bund der Versicherten

Die Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten setzt sich für die Rechte der Verbraucher im Versicherungswesen ein.

Krankenkassen

Für die Techniker Krankenkasse, die 7,8 Millionen gesetzlich Versicherte betreut, sind Beratungen für Wechselinteressenten inzwischen Routine. Für PKV-Kunden ist die Kasse in den letzten Jahren ein attraktives Ziel gewesen. Allein 2011 kam 68.000 Personen aus der PKV.

Verbraucherzentralen

In den Verbraucherberatungsstellen tauche die Frage nach einer möglichen Rückkehr in die GKV zwar immer wieder auf, stellte Ilona Köster-Steinebach vom Bundesverband der Verbraucherzentralen jüngst fest. Gerade nach deutlichen Prämienerhöhungen wachse das Interesse an den gesetzlichen Kassen. Zu ihnen gebe es für Privatversicherte aber nur sehr begrenzten Zugang. Der Beratungsschwerpunkt liegt eher auf der Tarifwechselberatung innerhalb der PKV

 

Drei Viertel der Deutschen seien prinzipiell bereit, nach dem Tod Organe zu spenden, doch nur ein Viertel habe dies auch schriftlich festgehalten. Diese Lücke möchte der Gesetzgeber in Teilen schließen, und so die Überlebenschance für die etwa 12.000 Menschen in Deutschland erhöhen, die auf ein geeignetes Spenderorgan warten.

Deutsche müssen einen Organspendeausweis besitzen, wenn sie als entsprechende Spender zur Verfügung stehen wollen. In anderen Ländern, etwa in Spanien, ist es umgekehrt: Wer sich nicht zu dem Thema äußert, wird automatisch als Organspender in Betracht gezogen. Hierzulande argumentieren Politiker, jeder Bürger müsse zumindest selbst die Entscheidung treffen. Ein Jahr lang, jetzt noch bis Ende Oktober 2013, haben Barmer, AOK und Co. Zeit, sich über den Internetauftritt hinaus schriftlich an die Versicherten zu wenden, um für die Organspende zu werben – und gegen die Verunsicherung anzukämpfen.

Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung

Bedingungen des Gesetzgebers

Ob es älteren Semestern gelingt, zurück in das gesetzliche System zu kommen, hängt von den persönlichen Lebensumständen ab, unter anderem Berufsstatus, Einkommen und Alter. Der Gesetzgeber hat etliche Bedingungen formuliert, um generelle und schnelle Wechsel zu verhindern.

Angestellte

Das Einkommen muss für mindestens ein Jahr unter die Versicherungspflichtgrenze sinken. 2015 liegt diese Einkommensgrenze bei einem jährlichen Bruttogehalt von 54.900 Euro. Ein gutverdienender Angestellter könnte sein Einkommen zum Beispiel dadurch unter diese Grenze drücken, wenn er nicht mehr voll arbeitet, sondern nur noch einen Teilzeitvertrag hat.

Falle für Angestellte

Arbeitnehmer, die sich auf Antrag in der Vergangenheit von der Versicherungspflicht befreien ließen, können den Weg über einen Teilzeitvertrag nicht gehen. Die Befreiung von der Versicherungspflicht wird auf Antrag ausgesprochen, wenn das Einkommen unter die Versicherungspflichtgrenze gesunken ist und der Arbeitnehmer aber privat versichert bleiben möchte. 

Selbstständige

Wer bisher frei arbeitet, kann in ein Angestellten-Verhältnis wechseln. Sein Gehalt müsste dann aber unter der Versicherungspflichtgrenze liegen. Er könnte seine Selbstständigkeit auch vollkommen aufgeben und in die Familienversicherung seines Partners wechseln. 

Berufsanfänger

Auch wenn ihr Gehalt von Anfang über der Versicherungspflichtgrenze liegt, können sie sofort in die GKV. Studenten, die während des Studiums privat versichert waren, kommen so zurück in die GKV.    

Arbeitslose

Wer arbeitslos wird, den versichern die Arbeitsämter meist automatisch in der GKV. 

Über 55-Jährige

Eine wichtige Grenze in den Regeln ist das Alter. Eine Rückkehr in die GKV geht für Angestellte und Selbstständige nur, wenn sie das 55. Lebensjahr noch nicht überschritten haben. Wer älter ist, hat nur unter speziellen Voraussetzungen noch eine Chance zum Systemwechsel. „Diese Informationen sind im Gesetzestext gut versteckt, da bei diesen Personen die Rückkehr in die GKV verhindert bzw. möglichst schwer gemacht werden soll“, heißt es auf der Internetseite PKV-Selbstvergleich.de. „Außerdem ist die Rückkehr nicht bei jedem möglich, sondern an bestimmte Bedingungen geknüpft.“ In diesem Fall empfiehlt sich also die Beratung durch einen Spezialisten, etwa einen Anwalt, der die Regeln des Sozialgesetzbuches sehr gut kennt. 

Ähnliche PKV-Angebote

PKV-Experten weisen darauf hin, dass eine Rückkehr in die GKV gar nicht mehr nötig sei, weil auch die privaten Krankenversicherer inzwischen Tarife anbieten müssen, die denen der GKV ähneln. Dies ist der sogenannte Basistarif. Daneben gibt es noch einen Standardtarif.

Nachteile für Wechsler

Die Altersrückstellungen in der privaten Krankenversicherung gehen verloren, wenn man zurück in die GKV wechselt. Diese Vorsorge dient dazu, die PKV-Beiträge im Alter zu dämpfen.

Dabei verfolgen die Krankenkassen und privaten Krankenversicherer unterschiedliche Strategien, was den richtigen Zeitpunkt dieser „Aufklärung“ angeht. Unmittelbar nach Inkrafttreten des Gesetzes hat nur eine der großen gesetzlichen Krankenkassen, die Techniker Krankenkasse (TK), an ihre sieben Millionen Versicherten eine Sonderausgabe des Mitgliedermagazins versandt. Die Aktion sei durchaus auf Resonanz gestoßen, heißt es.

Rund 15.000 TK-Versicherte hätten auf der eigens eingerichteten Hotline oder beim Infotelefon Organspende der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung  (BZgA) angerufen und sich vor allem erkundigt, ob sie selbst als Spender in Frage kommen. Allerdings bewegten auch ethische Fragen, etwa ob Hirntod wirklich Tod bedeute, weiterhin die Menschen, sagt ein TK-Sprecher.

Die Barmer-GEK will erst Ende März in die Offensive gehen und ihre rund 8,7 Millionen Versicherten auf das Thema aufmerksam machen. Die DAK will sich im April, ebenfalls vor allem über ihre Zeitschrift, an die rund 5,7 Millionen Versicherten wenden.

Während die AOK Bayern im ersten Quartal 2013 mit entsprechenden Infoschreiben startet, hat die AOK Rheinland/Hamburg bereits zum Jahresende die ersten 125.000 Mitglieder angeschrieben. Um die Versicherten zu motivieren, sich mit dem Thema Organspende zu beschäftigen, setzt die Kasse auf eine Hotline sowie auf eine bunte Klappkarte mit Informationen und einem beigelegten Organspendeausweis. 

Die Debeka, Deutschlands größte private Krankenkasse, will noch bis zum Sommer damit warten, ihre rund 4,7 Millionen Versicherten mit dem Thema Organspende zu konfrontieren.

Von

saz

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