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28.01.2011

13:16 Uhr

Krankenversicherung

Das falsche Spiel mit Billigpolicen

VonThomas Schmitt

Privater Krankenschutz ist ab 50 Euro im Monat zu haben. Doch die Experten raten von derartigen Billigverträgen ab. Die Leistungen seien unzureichend, zudem hätten die Tarife zahlreiche Haken.

Privaten Zusatschutz gibt es schon für wenig Geld. Experten raten jedoch von Billigtarifen ab. dpa

Privaten Zusatschutz gibt es schon für wenig Geld. Experten raten jedoch von Billigtarifen ab.

FRANKFURT. Der Mann ist 30 Jahre alt, selbstständig und sucht günstigen Krankenschutz. Weniger als 150 Euro würde er gerne bezahlen. Kein Problem, der Vermittler schaut in den Tarifrechner des Datenanbieters Morgen & Morgen und findet Offerten in Hülle und Fülle.

In seinem Fall ist Axa mit 57,74 Euro Beitrag im Monat der Spitzenreiter. Doch auch die kostengünstig arbeitende Huk-Coburg sowie die zu den Genossenschaftsbanken gehörende R+V liegen mit 76,03 Euro und 93,75 Euro noch unter der Schwelle von 100 Euro. Zwischen 100 und 150 Euro bieten Barmenia, Hanse-Merkur, Hallesche, Arag, Central und DKV - oft mit mehreren Vertragsvarianten.

Was sich so konkurrenzlos günstig anhört, hat jede Menge Haken. Viele Manager, Berater und Analysten lehnen Billigangebote als riskant ab. Die wichtigsten Gründe: Kunden erhielten Leistungen, die teilweise unter der gesetzlichen Konkurrenz lägen. Sie müssten mit saftigen Beitragssteigerungen rechnen.

"Von Billigtarifen hat der Versicherte am Ende nichts"

Zudem widersprechen diese Offerten dem Luxus-Image, das die Branche gerne pflegt: Für weniger als 150 Euro im Monat liegt ein Privatpatient nicht mehr im Einzelzimmer oder wird vom Chefarzt persönlich behandelt. "Ich halte Billigtarife in der privaten Krankenversicherung für problematisch, weil zu viele Leistungseinschränkungen bestehen. Privater Krankenversicherungsschutz sollte eine entsprechende Wertigkeit haben und die hat eben auch ihren Preis", sagt daher Reinhold Schulte, der Vorstandsvorsitzende der Signal Iduna Gruppe. Nebenbei ist Schulte auch Chef im Verband der privaten Krankenversicherer (PKV), doch in dieser Funktion verkneift er sich öffentlich solche Sätze.

Weniger Rücksichten auf empfindliche Kollegen muss Klaus Henkel nehmen. "Von Billigtarifen hat der Versicherte am Ende nichts", schießt der Vorstandschef der Süddeutschen Krankenversicherung (SDK) gegen die Konkurrenz, die solchen Krankenschutz dennoch offensiv propagiert: Die Freude darüber währe nur kurz, denn schon bald setze sich eine Risikospirale in Gang.

Wenn die Kunden im Billigtarif älter und öfter krank würden, ergäben sich Beitragssteigerungen, die wieder durch einen neuen Billigtarif aufgefangen werden müssten. Nicht alle Versicherte könnten dann jedoch in den neuen, abermals günstigeren Tarif wechseln. Die Beitragsfalle schnappt dann zu.

Kommentare (9)

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Thomas Melber, Stuttgart

28.01.2011, 17:07 Uhr

Eigentlich reicht ein beitrag von ca. EUR 160,00 im Monat je Anspruchsberechtigten aus, um kostendeckend zu sein. Weshalb sollte ein Alleinstehender Kind und Kegel eines anderen mitfinanzieren? Und weshalb gibt es über 100 Krankenkassen, die gleiche Leistungen zum gleichen Preis anbieten? Dabei aber die entsprechenden Strukturen vorhalten!

Xavi

28.01.2011, 17:21 Uhr

Diese abgespeckten Versicherungen sind nichts für den typisch Deutschen, der 20 Mal pro Jahr zum Arzt geht und auch völlig überteuerte Medikamente ersetzt bekommen möchte. Für diesen Personenkreis gibt es teure Versicherungen.
Wer jedoch auch die Krankenversicherung als echte Risikoversicherung versteht, nämlich zur Absicherung im echten Krankheitsfall, der kommt an diesen billigtarifen kaum vorbei.
ich selbst bin bestens versichert und zahle rund 60 Euro im Monat. Nicht erstattet werden Medikamente, Sehhilfen, Zahnersatz. Aber ich lebe in Spanien und dort kosten Medikamente nur ein paar Cents. Sehhilfen brauche ich nicht und meine Zähne sind gesund. im Laufe der Jahrzehnte spare ich etwa soviel Geld wie andere für ein Eigenheit aufwenden. ich habe lieber ein schuldenfreies Haus, bin privat versichert und lebe gesund.
Zum Arzt gehe ich nur, wenn mir das bein abfällt. Dass die Konkurrenz Lügen über diese Tarife verbreitet, sollte man getrost als selbstverständlich betrachten. Das gehört zum Geschäft.

Leertasche

29.01.2011, 10:16 Uhr

[1] ES iST DER VOLLKOMMEN UNKONTROLLiERTE MARKT DER GESETZLiCHEN UND PRiVATEN KRANKENKASSEN, DER SOZUSAGEN UNSER ALLER
i N N E R S T A A T L i C H E S
G R i E C H E N L A N D
ist.
Anders ist auch nicht erklärbar, wieso es Geheimvereinbarungen des bundesverbandes deutscher Krankenkassen gibt, in denen in pleite befindliche Krankenkassen von den Mitgliedsbeiträgen der anderen Krankenkassen mit gedeckt und getragen werden. Es sind Verhältnisse, die man nur in Geheimzirkeln und Logen vermuten dürfte. Gel?

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