Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

15.06.2011

16:00 Uhr

Krankenversicherung

Privatversicherte müssen deutlich mehr zahlen

VonJens Hagen

Die privaten Krankenversicherer erhöhen ihre Beiträge in diesem Jahr drastisch. Vor allem Männer sind betroffen, sie zahlen bis zu 13 Prozent mehr. Was Versicherte tun können und welche Tarife günstig bleiben.

Die Kosten für den privaten Versicherungsschutz steigen. In den vergangenen zehn Jahren verteuerten sich die Beiträge im Schnitt um 200 Euro. Quelle: ZB

Die Kosten für den privaten Versicherungsschutz steigen. In den vergangenen zehn Jahren verteuerten sich die Beiträge im Schnitt um 200 Euro.

DüsseldorfWer eine private Krankenversicherung abschließen möchte, muss in diesem Jahr deutlich mehr zahlen. Im Schnitt steigen die Beiträge gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen von 3500 PKV-Tarifen.

Die steigenden Beiträge sind für Versicherte fatal. Im Schnitt verteuerten sich die Prämien in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent per anno. Vor allem steigende Kosten für Behandlungen und Medikamente sorgen für inflationäre Beiträge. „Auch in Zukunft dürften die Beiträge steigen“, sagt Martin Zsohar, Aktuar und Geschäftsführer bei Morgen & Morgen.

Die für die Branche vorteilhafte Öffnung der PKV für Versicherte mit niedrigeren Einkommen bringt bislang noch keine Entlastung. Die Versicherungspflichtgrenze sinkt 2011 auf 49.500 Euro. Das Bruttoeinkommen der Versicherten muss nur noch in einem statt in drei Jahren oberhalb dieser Versicherungspflichtgrenze liegen. Vor allem junge Versicherte können daher leichter wechseln. Diese Zielgruppe ist wegen der niedrigeren Krankheitskosten bei den Gesellschaften begehrt.

Vor allem Männer müssen mehr zahlen

Von den Preissteigerungen sind männliche Versicherten besonders betroffen. Die Beiträge für einen Mann stiegen in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt um 5,67 Prozent pro Jahr. Bei Frauen liegt der Anstieg nur bei 4,29 Prozent. „In Zukunft dürften die Beiträge für Männer aufgrund der Einführung von Unisex-Tarifen überproportional steigen“, sagt Zsohar.

Bislang zahlen vor allem junge Männer im Schnitt weniger, weil sie geringere Krankheitskosten verursachen. Ab 2013 müssen Versicherer unabhängig vom Geschlecht Unisex-Tarife anbieten. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg entschieden (Rechtssache C-236/09). Die bislang übliche Berücksichtigung des Geschlechts als "Risikofaktor" für Versicherungsbeiträge sei diskriminierend und deswegen ungültig.

Checkliste private Krankenversicherung

Wer kann in die Private Krankenversicherung (PKV) wechseln

Jedes Jahr ändern sich die Voraussetzungen für den Wechsel in die PKV. Arbeitnehmer müssen im Jahr 2015 mit ihrem Einkommen mindestens ein Jahr lang die so genannte Jahresarbeitsentgelt-Grenze in Höhe von 54.900 Euro überschreiten.

Gesundheitsprüfung

Die Höhe der Beiträge richtet sich neben dem Alter vor allem nach den Vorerkrankungen. Wer sich privat versichern möchte, sollte daher nicht zu lange warten. Laut Verbraucherzentrale NRW ist der Wechsel für Männer ab 46 Jahren und für Frauen jenseits der 37 meist nicht mehr ratsam. Versicherte sollten in jedem Falle alle im Antrag abgefragten Erkrankungen angeben. Verschwiegene Vorerkrankungen können zu einem Rücktritt im Leistungsfall führen.

Steigende Beiträge

Bei der Gesetzlichen Krankenversicherung ist der Beitrag vom Bruttoeinkommen abhängig. Wer mehr verdient, zahlt auch mehr. Anders in der PKV: Der zu Beginn günstige Beitrag kann unabhängig von den Einkünften steigen. Im Schnitt verteuerten sich die Beiträge in den vergangenen zehn Jahren um rund fünf Prozent pro Jahr.

Für wen lohnt die PKV

Das lässt sich nur individuell ermitteln. Tendenziell sind Alleinstehende, kinderlose Eheleute, die beide berufstätig sind, und Beamte Kandidaten für einen Wechsel.

Fallen meiden

Lockvogeltarife mit schwachen Leistungen zu Dumpingpreisen sollten Interessenten meiden. Dort drohen hohe Beitragssteigerungen und Deckungslücken.

Der passende Tarif

Die beste Police für alle gibt es nicht, auch nicht den besten Versicherer. Die passende Police lässt sich nur individuell ermitteln. Ebenso, ob der private oder gesetzliche Schutz die bessere Wahl ist. Verbraucherzentralen und Versicherungsberater helfen bei der Auswahl. Ratings wie beispielsweise das Beitragsstabilitätsrating von Morgen & Morgen bieten zusätzlich eine Entscheidungshilfe.

Rückkehr in die GKV

Der Wechsel zu einem privatem Anbieter will gut überlegt sein. Eine Rückkehr zur gesetzlichen Kasse ist nur dann möglich, wenn die Versicherungspflicht neu entsteht. Das ist der Fall, wenn Kunden versicherungspflichtig werden, etwa mit einem Gehalt unterhalb der Jahresarbeitsentgeltgrenze von 54.900 Euro für das Jahr 2015. Wer älter als 55 Jahren alt ist und in den vergangenen fünf Jahren privat versichert war, kann in der Regel nicht mehr zurück. Bezieher von Arbeitslosengeld II wechseln automatisch zur GKV, auch wenn sie älter als 55 Jahre sind.

Kinder

Der Nachwuchs ist beim privaten Schutz im Gegensatz zur GKV nicht gratis mitversichert. Kinder brauchen eigene, beitragspflichtige Verträge. Das macht die GKV für Eltern tendenziell interessanter.

Kommentare (8)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

123456789

15.06.2011, 17:07 Uhr

Was bedeutet: "Wer eine private Krankenversicherung abschließen möchte, muss in diesem Jahr deutlich mehr zahlen. Im Schnitt steigen die Beiträge gegenüber dem Vorjahr um 4,9 Prozent." Zahlen also nur Neuverträge 4,9 % mehr? Wieviel zahlen Bestandsverträge mehr?

Kandis78

15.06.2011, 22:52 Uhr

Der ganze Kram funktioniert doch nur für die 10% weil die anderen 90 % nicht die Möglichkeit des Wechsels in die Privaten haben. Die Kranken und Alten bleiben schön in den Gesetzlichen. Spitze Zungen könnten das System und die Nutzer auch als asozial bezeichnen.

Realo

15.06.2011, 23:39 Uhr

Der Glaube, dass die private KK nur Gesunde hat, beruht auf Nichtwissen, wofür zahlen die denn sonst? Dass nur Alte in der Gesetzlichen sind, ist genauso daneben gegriffen, ich gehörre zu den Alten. Aber ich habe in bitterer Erfahrung meiner gesetzlich versicherten Mutter dafür GEARBEITET, einmal soviel zu verdienen, um in die Private zu kommen und gelernt, um meine Gesundheit besorgt zu sein (Nichtraucher, Nichttrinker). Das Geld nicht für billige Heftpflaster, Nasentropfen, und läppische Kopfwehtabletten zu vergeuden, sondern dann die Kasse zu nutzen, wenn ich KRANK war! Dazu kommt, dass durch die Vorauszahlung der Kleinrechnungen der KK enorme Kosten im Adminbereich eingespart bleiben. Das könnte die gesetzliche genauso handhaben, zumindest einen Teil über die Steuererklärung verrechnen lassen! Es ist das Bewusstsein, was die Privatversicherten an den Tag legen und nicht das "Rausholprinzip" der Nichtwisser, die in der gesetzlichen KK landen und Abmagerungskuren oder Gymnastikkurse brauchen statt normalen Sport zu betreiben. Jede Gemeinde hat heute einen Turnverein, das kostet Peanuts spart aber viel Geld bei der KK.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×