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16.10.2016

16:45 Uhr

Krankenversicherung

Warum sich die PKV kaum noch lohnt

VonAndreas Toller
Quelle:WirtschaftsWoche Online

In der privaten Krankenversicherung drohen Tariferhöhungen im zweistelligen Prozentbereich. Lohnt sich die PKV dann überhaupt noch? Vieles spricht dagegen.

Es stehen Tariferhöhungen an, die eine neue Abwägung erfordern. Getty Images

Im Krankenhaus

Es stehen Tariferhöhungen an, die eine neue Abwägung erfordern.

Für die Mehrheit der 8,8 Millionen privat Krankenversicherten wird es ein frustrierender Jahreswechsel: Zwei Drittel von ihnen dürften nach vorläufigen Schätzungen von einer kräftigen Beitragserhöhung im nächsten Versicherungsjahr betroffen sein. Etwa sechs Millionen Versicherte müssen mit einer Erhöhung der monatlichen Versicherungsprämie um durchschnittlich elf bis zwölf Prozent rechnen.

Die Ausgaben für den privaten Gesundheitsschutz steigen damit ungewöhnlich stark. Die Ursache dafür sieht die Branche einmal mehr in der Niedrig- und Nullzinspolitik der Notenbanken. Die Rücklagen der Versicherungsgesellschaften für die künftigen Gesundheitsausgaben ihrer Kunden werfen am Kapitalmarkt immer weniger ab. Langlaufende Rentenpapiere, die vor Jahren noch Zinserträge von sieben oder acht Prozent einbrachten, laufen aus und müssen gegen deutlich schlechter verzinste Papiere getauscht werden. Ohne Beitragserhöhungen würde der Kapitalstock der privaten Krankenversicherer mit der Zeit austrocknen.

Schock für Wechselwillige

Für die Kunden ist es eine einzige Enttäuschung. Schließlich haben viele von ihnen eine private Krankenversicherung abgeschlossen, weil sie sich davon niedrigere Beiträge und eine bessere Versorgung versprachen. Ob sich zusätzliche Leistungsmerkmale wie Chefarztbehandlung und Einbettzimmer bezahlt machen, ist sicher vom Einzelfall abhängig. Angesichts der deutlichen Erhöhung im zweistelligen Bereich, stellt sich für die freiwillig in der gesetzlichen Krankenkasse Versicherten die Frage, ob sich ein Wechsel in die PKV finanziell noch lohnt. Zweifel sind angebracht.

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Es ist so: Ein Angestellter, der mehr als in der Versicherungspflichtgrenze festgelegt verdient, darf zu einer Privaten Krankenversicherung wechseln. Beamte sind ohnehin nahezu ausnahmslos aufgrund gesetzlicher Vorgaben in der Privaten Krankenversicherung, Selbstständige haben grundsätzlich die Wahl. Das Problem: Wer sich einmal dafür entschieden hat, kann nicht so einfach in den Schutz der gesetzlichen Krankenkassen zurückkehren. Wer älter als 55 Jahre und privatversichert ist, bleibt das bis zum Tod.

Während sich die Beiträge in der GKV als Anteil vom Bruttolohn berechnen und mit den Einkommensänderungen mitschwanken, ist die PKV als kapitalgedeckter Versicherungsschutz in ihren Beiträgen einkommensunabhängig. Hier spielen bei Vertragsabschluss nur die Gesundheitsrisiken und die Tarifmerkmale die entscheidende Rolle.

Allerdings darf – und muss – auch die PKV die Beiträge anpassen. Das macht sie abhängig von ihren Ausgaben und Einnahmen. Auf der Ausgabeseite sorgen medizinischer Fortschritt und steigende Gesundheitskosten für Beitragserhöhungen, auf der Einnahmenseite die Entwicklung der Beitragseinnahmen der Versicherten sowie die Zinseinnahmen des Kapitaldeckungsstocks. Beides sorgte bereits in der Vergangenheit dafür, dass die Beiträge immer wieder kräftig stiegen.

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Schubweise höhere PKV-Beiträge

Die Beitragserhöhungen sind sogar gesetzlich vorgeschrieben: Was die Versicherer nicht am Kapitalmarkt erwirtschaften können, müssen sie zusätzlich zurücklegen. Um solch untypische Beitragserhöhungen zu vermeiden, müssen sie eine Kapitalmarktrendite von mindestens 3,5 Prozent erzielen. Im Branchendurchschnitt schafften sie dies zuletzt nur mit Ach und Krach. Die Ertragsaussichten sinken. Weil außerdem die Ausgaben für medizinische Leistungen in ähnlichem Umfang steigen wie bei den gesetzlichen Versicherern, ist eine vorsorgliche Erhöhung der Beiträge unumgänglich. Das System fördert so nur gelegentliche, aber dafür dann kräftige Beitragserhöhungen.

Allerdings betreffen die Erhöhungen nicht alle Kunden im gleichen Umfang. Im Grunde gleicht eine Versicherung die kalkulierten mit den tatsächlich erforderlichen Leistungen ab. Wo sich Abweichungen von mindestens fünf oder zehn Prozent ergeben, kommt der Tarif auf den Prüfstand. So kann es passieren, dass ein und dieselbe Versicherung den einen Tarif teurer macht, die Beiträge in anderen Tarifen jedoch stabil lässt oder sogar senkt.

Der PKV-Verband hält die bevorstehenden Beitragserhöhungen für untypisch hoch. „Ohne die Auswirkungen der Niedrigzinsen wäre die PKV-Beitragsentwicklung auch in diesem Jahr unauffällig“, sagt etwa Volker Leienbach, Vorstandsmitglied des Verbandes. Doch ohne deutliche Beitragserhöhungen ging es schon in der Vergangenheit ebenso wenig wie in der GKV.

Kommentare (10)

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Herr richard roehl

17.10.2016, 10:46 Uhr

 Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette  

Adam Smith

17.10.2016, 11:16 Uhr

Das - falsche - Argument, Ursache für die Beitragsanstiege sei "der technisch-medizinische Fortschritt und die steigende Lebenserwartung", wird so lange wiederholt, bis es zum Glaubens-Satz wird und ihn keiner mehr hinterfragt/hinterfragen darf. In jedem anderen Bereich führt technischer Forschritt zu Kosteneinsparungen, warum nicht hier? Bessere Diagnosen und zielgerichtetere Therapien sollten zu massiven Einsparungen führen können. Und das Alter? Menschen werden immer älter, aber sie werden auch immer GESUENDER älter. Teuer sind die letzten Lebenswochen, und je später diese stattfinden, desto besser für die PKV.
Über die tatsächlichen Ursachen dagegen spricht keiner: Quersubventionierung mit der GKV und fehlende/falsche Anreizstrukturen. Das Gesundheitssystem funktioniert nach dem Motto: Alle gehen Essen, und jeder zahlt den Durchschnitt. Ergebnis: Ausgabenmaximierung.

Herr Leo Löwenstein

17.10.2016, 11:39 Uhr

Was regen sich denn die PKVler auf?
Wenn es keine GKV gäbe, dann wäre die PKV noch deutlich höher, denn dann wären diese Versicherungen der reinen Gewinnmaximierung unterlegen. Dann könnten sie erst heulen. Und somit nur von der Oberschicht bezahlbar (siehe Amerika).
Denn im Gegensatz zu einer Hausratsversicherung braucht man eine Krankenversicherung ja doch deutlich öfter.

Das System gehört schon längst umgekrempelt.
Alle und damit meine ich wirklich alle zahlen in eine Gesamtversicherung ein. Daraus gibt es ein Grundpaket der Gesundheitsversorgung. Wer darüber hinaus mehr will, kann sich privat weiterversichern. So gehört das gemacht.

Jetzt nicht gleich wieder schreien, aber ich leiste viel mehr und zahle viel mehr blablabla. Jeder, aber wirklich jeder kann von heute auf morgen sine gewohnte Situation und seiner Angehörigen z.B. durch Unfall, Krankheit verlieren. Aber klar, das passiert immer nur anderen.

Nur im Solidarprinzip werden wir ein friedliches Land bleiben. Wer das nicht berücksichtigt, wird ein Land bekommen, das immer mehr verroht und zu immer mehr Gewalt tendiert.

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