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28.06.2012

12:10 Uhr

Krankenversicherung

Wie Privatpatienten im Alter viel Geld sparen

VonThomas Schmitt

ExklusivViele Privatversicherte fürchten hohe Prämien im Ruhestand - und wollen zurück zur Krankenkasse. Was kaum jemand weiß: Ähnliche Sparmöglichkeiten bietet auch die PKV. Das bringt viel, birgt jedoch auch Risiken.

dapd

Unzufriedene Privatversicherte mit hohen Beiträgen sollten nicht vorschnell zu den Krankenkassen wechseln. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der KVpro.de GmbH aus Freiburg. Das Analysehaus hat bei zwanzig Versicherern Altersbeiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) abgefragt. Bei allen untersuchten Gruppen zeige sich, dass aus Beitragsgründen ein Wechsel von der privaten in die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) nicht erforderlich sei, heißt es in der Studie, die Handelsblatt Online vorliegt.

Systemwechsel: Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

Systemwechsel

Der steinige Weg zurück in die Krankenkasse

Die Angst vor hohen Beiträgen im Alter treibt viele Menschen zurück in die gesetzliche Krankenversicherung. Eine Rückkehr ist zwar nicht leicht. Unter bestimmten Bedingungen gibt es aber einen Weg.

Im Gegenteil, warnen die Verfasser: In vielen Fällen würde sich der Versicherte bei den Krankenkassen schlechter stellen, als wenn er innerhalb des privaten Systems wechsele. „Die PKV ist im Rentenalter bezahlbar“, lautet das Fazit. „Kein Bürger muss, wenn er nicht will, 1.000 Euro oder mehr für seine PKV bezahlen.“ Die geltenden Gesetze böten ausreichend Möglichkeiten, sie müssten nur genutzt werden. 

Bei starken Beitragssteigerungen halten die Autoren der Studie den sogenannten Standardtarif für die bessere Alternative in der PKV. Dieser kaum bekannte Tarif entspricht dem Krankenkassen-Niveau. Bis auf wenige Ausnahmen sind hier nur noch die Leistungen versichert, die auch die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten anbieten.  

Dieser Tarif ist also gewissermaßen die GKV in der PKV, wird aber genau deshalb auch bisher selten genutzt. Das könnte sich künftig jedoch ändern, vor allem wenn Privatpatienten ihre Prämie im Alter senken wollen, dies aber nur in der PKV geht. So ist älteren PKV-Kunden der Weg zurück in die Krankenkasse in der Regel verbaut, wenn sie älter sind als 55 Jahre.

In den Standardtarif kann wechseln, wer bereits vor dem 01.01.2009 in der PKV versichert war. Das ist also die Masse der neun Millionen Privatpatienten. Seit Anfang 2009 ist die Zahl der PKV-Kunden um knapp 200.000 Personen gestiegen. Für diese junge Kundengruppe gibt es ebenfalls eine Alternative auf Krankenkassenniveau, den Basistarif.

Auch Verbraucherschützer halten den Standardtarif in der PKV für eine Alternative im Alter. Er biete sich an, wenn jemand sehr viel Beitrag zahle. Allerdings sei ein solcher Wechsel nur dann sinnvoll, wenn der behandelnde Arzt den Versicherten auch als Privatpatient zum Satz der gesetzlichen Krankenkassen behandele, warnt Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz vor einer möglichen Falle. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass der jeweilige Kunde einen großen Anteil seiner ärztlichen Behandlungskosten selbst zu tragen habe.

So viel sparen Rentner im PKV-Standardtarif

Studie

Die Studie zeigt die Krankenversicherungsbeiträge von echten Bestandskunden der privaten Krankenversicherung, die 65 Jahre oder älter sind und eine ununterbrochene PKV-Tarifhistorie von 16, 26 oder 36 Jahren aufweisen.

Quelle: KVpro.de GmbH

Standardtarif

Wer bereits vor dem 01.01.2009 privat krankenversichert war, kann bei zu hohen Beitragszahlungen in den sogenannten "Standardtarif" wechseln. Das bedeutet, dass künftig bis auf wenige Ausnahmen nur noch die Leistungen versichert sind, die auch die gesetzlichen Krankenkassen ihren Versicherten anbieten.

Manchmal lohnt der Wechsel nicht

Die Ergebnisse zeigen die Bandbreite, unter denen ein PKV-Kunde seinen Versicherungsschutz inhaltlich wählen und gestalten kann. Je nach Tarif und Historie kann daher ein Wechsel in den Standardtarif auch teurer werden.

Mindestens 10 Jahre in der PKV

Eintritt in

die PKV

im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter

des

Kunden

Monatlicher

Beitrag

in einem

PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel

in Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

51

14

65

289

361

-72

49

16

65

338

336

2

49

16

65

172

223

-51

Mindestens 20 Jahre in der PKV

Eintritt

in die PKV

im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter

des Kunden

Monatlicher

Beitrag in

einem PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

45

20

65

304

279

25

39

26

65

339

352

-13

39

26

65

373

371

2

Häufig sparen Versicherte viel

Mindestens 10 Jahre in der PKV

Eintritt in die

PKV im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter des

Kunden

Monatlicher

Beitrag in

einem PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

55

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65

556

361

195

55

10

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385

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58

12

70

530

323

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Mindestens 20 Jahre in der PKV

Eintritt

in die PKV

im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter des

Kunden

Monatlicher

Beitrag in

einem

PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

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Mindestens 30 Jahre in der PKV

Eintritt in

die PKV

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PKV-Kunde

seit x Jahren* 

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Alter des

Kunden

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einem

PKV-Tarif

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Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

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419

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35

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Vom Topschutz auf GKV-Niveau

Mindestens 10 Jahre in der PKV

Eintritt

in die PKV

im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter des

Kunden

Beitrag

in einem

PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

49

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304

49

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49

16

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Mindestens 20 Jahre in der PKV

Eintritt

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im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit x Jahren* 

Aktuelles

Alter des

Kunden

Beitrag

in einem

PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

45

20

65

603

189

414

39

26

65

639

170

469

39

26

65

528

162

366

Mindestens 30 Jahre in der PKV

Eintritt

in die PKV

im Alter

von x Jahren

PKV-Kunde

seit

x Jahren* 

Aktuelles

Alter des

Kunden

Beitrag

in einem

PKV-Tarif

Beitrag bei

Wechsel in

Standardtarif

(die GKV der PKV)

Ersparnis

29

36

65

424

86

338

29

37

65

534

155

379

24

41

65

559

179

380

 

Kommentare (13)

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Ralf

28.06.2012, 12:31 Uhr

Der Standart Tarif ist absoluter Blödsinn. Kein Arzt möchte jemanden behandeln wenn er mit diesem Tarif ankommt. Zudem ist der Standart tarif noch schlechter wie die GKV. Es wird Zeit dass bei der Gesundheitsversorgung eine richtige Reform stattfindet. Vorallem sollten auch die Beamten mit Ihrer Beihilfe endlich mehr zur Kasse gebeten werden. Von denen ist keiner auf den Standart Tarif angewiesen, massive Beitragserhöhungen wie für die noraml PKV versicherten kennen Sie auch nicht, siehe www.krankenversicherung-beamte-beamtenanwaerter.de
Lange wird das nicht mehr gutgehen mit PKV,GKV.

Hermann.12

28.06.2012, 16:11 Uhr

Das ständige Eeindreschen auf die Beamten ist eine reine Neiddebatte.
Tatsächlich stehen sich Beamte nur deshalb besser, weil der Staat mit seiner Beihilfe günstiger ist als ein entsprechend höherer Bruttolohn mit anschließendem gesetzlichen KV Beitrag. Der Bruttolohn der Beamten wurde nämlich extra deswegen niedriger angesetzt.
D.h. die Bruttolöhne müßten um den Arbeitgeberanteil erhöht werden, wenn die Beamten gesetzlich versichert würden, jednefalls wenn es ehrlich zuginge.
Es macht einfach keinen Sinn darauf zu dringen, dass eine Gruppe mit einem besseren System gezwungen wird ein schlechteres zu übernehmen, nur damit es ihnen genauso schlecht geht wie anderen.
Das ist einfach nur armselig.
Nur um Missverständnissen vorzubeugen, ich bin kein Beamter!
Das Hauptproblem in diesen Diskussioen ist mangelnde Sachkenntnis, die zu dem ideologisch auf schäbige Weise ausgenutzt wird. Genau deshalb haben wir Probleme inder krankenvericheung, weil oberflächlichen Parolen das konsistente System zerstört wurde, zugunsten kurzfristiger Finanzierungsvorteile.
gesetzlich Versicherte un Private werden gezielt gegeneinander aufgehetzt nach dem Motto "Teile und Herrsche".
Denn die einigen Nutznießer aus den diversen Refomen wären die Politiker, die ihre Misswirtschaft damit verschleiern können ohne sie beenden zu müssen.

H.

H.

Horst69

28.06.2012, 16:58 Uhr

Der Arzt erhält durch den Standardtarif eine höhere Vergütung als durch die GKV. Er unterliegt auch nicht dem System der Budgetierung. Ich selber bin seit 5 Jahren in diesem Tarif versichert und habe seither lediglich mit 2 Ärzten Diskussionen gehabt.

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