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26.03.2014

10:33 Uhr

Kredit vom Pfandhaus

Das letzte Hemd

VonJulia Rotenberger

Pfandhäuser gelten als schmuddelig. Für viele Menschen sind sie dennoch der letzte Ausweg aus der Kreditklemme. Ein Online-Pfandhaus möchte den Kunden die Scham nehmen. Was alternative Kredite ohne Schufa-Prüfung kosten.

Reale Sicherheiten: Achim Illner, Geschäftsführer des Online Leihauses Ipfand präsentiert verpfändete Uhren. PR

Reale Sicherheiten: Achim Illner, Geschäftsführer des Online Leihauses Ipfand präsentiert verpfändete Uhren.

Achim Illner war in seinem Leben schon vieles: Unternehmer, Schachmeister, Gedächtniskönig bei „Wetten dass“, Doktor der Wirtschaftswissenschaften. Vor allem aber verdient er sein Geld im Internet: Während der Neue Markt boomte, war er Mitbegründer des PC-Spiels „Moorhuhnjagd“.

Später gründete er das Musik-Startup „djtunes.com“. Auch die neuste Geschäftsidee des 43-Jährigen ist ein Kind des Internet-Zeitalters: Im Juni vergangenen Jahres eröffnete Illner mit dem Portal „ipfand.de“ ein Online-Pfandhaus – das erste hierzulande.

So funktioniert der Pfandkredit

Wer kann einen Pfandkredit beantragen?

Einen Pfandkredit kann jeder bekommen, der über 18 Jahre alt ist und einen amtlich geprüften Identitätsnachweis besitzt. Das kann der Personalausweis und Reisepass sein. Auch ein Führerschein genügt. Eine Schufa-Prüfung braucht man nicht.

Wie hoch sind die Zinsen?

Pfandhäuser verdienen an den Zinsen, die der Kunde bezahlt, während der Gegenstand im Haus verbleibt. Ihre Höhe ist in der Pfandleihverordnung geregelt: Für die Gewährung des Darlehens darf das Leihhaus ein Prozent Zins im Monat verlangen. Hinzu kommen die Gebühren für den Geschäftsbetrieb. Das sind bei einem Pfandkredit bis zu 300 Euro höchstens 6,50 Euro.

Rechenbeispiel

Wer einen Pfandkredit über 300 Euro für drei Monate aufnimmt, zahlt rund 7,5 Prozent Zinsen. Zum Vergleich: Die Dispozinsen bei den Banken liegen bei bis zu 14 Prozent. Doch Vorsicht: Kosten für den Geschäftsbetrieb für Kredite, die über 300 Euro hinausgehen, sind Sache der der Vereinbarung zwischen Kreditnehmer und Leihhaus und können somit auch höher sein.

Wie viel Geld gibt es gegen Pfand?

In der Regel bekommt der Kreditnehmer weniger Geld, als sein Gegenstand eigentlich wert ist. Etwa 50 bis 60 Prozent des Wertes seien üblich, schätzt Achim Illner. Grundsätzlich haben Pfandhäuser aber wenig Interesse daran, die Gegenstände ihrer Kunden runterzuhandeln. Sie verdienen lediglich an den Zinsen, nicht etwa am Weiterverkauf der Gegenstände.

Welche Gegenstände können verpfändet werden?

Meistens landen Schmuck und Uhren auf der Pfandhaus-Theke. Doch der Fantasie der Kunden und Pfandleiher sind kaum Grenzen gesetzt. So gibt es Leihhäuser, die sich auf Autos spezialisieren. Auch Kleidungsstücke und Sammelgegenstände können zum Pfand werden. Als Gegenstände gelten übrigens auch Tiere.

Was passiert, wenn der Kredit nicht zurückgezahlt wird?

In diesem Fall bleibt das Pfandhaus auf dem Gegenstand sitzen. Einen Monat nachdem der Kredit fällig wurde (die Mindestfrist beträgt drei Monate), darf der Pfandleiher den Gegenstand zur öffentlichen Versteigerung freigeben. Die Erlöse, die aus einer möglichen Versteigerung entstehen und die den Kreditwert übersteigen, fließen entweder zum Kunden oder in die Kasse der Stadt, in der das Pfandhaus sitzt.

Mit der Hornbrille und langen Haaren sieht Illner noch immer eher nach New Economy als nach Pfandhändler aus. Die Idee des Online-Pfandhauses holte sich der Geschäftsmann aus Großbritannien. Auf der Insel liegen Internet-Pfandkredite derzeit im Trend: Beim führenden Anbieter „borro.com“ können die Briten schon seit 2008 ihre Erbstücke verpfänden.

2012 expandierte die Firma in die USA. Im Januar dieses Jahres verkündete Borro, Pfandkredite im Wert von hundert Millionen Dollar vergeben zu haben. Über die Hälfte davon entfällt auf Schmuck und Kunst im Luxussegment. Durchschnittlicher Kreditwert: 7000 britische Pfund (8380 Euro).

Was in England läuft, werde auch in Deutschland funktionieren, hofft Illner. Dafür spricht, dass auch in Deutschland immer mehr Menschen Wertgegenstände verpfänden. Die Branche verzeichnet hohe Wachstumsraten. Während der Schuldenkrise 2011 wuchs das Kreditvolumen um 11 Prozent, zeigen die Zahlen des Zentralverbandes des Deutschen Pfandkreditgewerbes.

Die Pfandleiher profitierten damals von der Inflationsangst und den hohen Goldpreisen. Und auch davon, dass bei konventionellen Bankkrediten mehr Vorschriften zu beachten sind und nicht jeder Geld geliehen bekommt. Für 2013 rechnet der Verband mit einem Umsatz von insgesamt rund 500 Millionen Euro bei 2,1 Millionen Kreditverträgen.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.03.2014, 11:40 Uhr

Dass dieses Geschäftsmodell zunehmend attraktiv wird, zeigt wie es um die Gesellschaft, insb. den Mittelstand bestellt ist. Es ist der praktische Beweis, dass wir sehr, sehr schlecht regiert werden! Das ollte den Lesern hier mal zu denken geben!

Man kann es dem Betreiber eines Pfandleihhauses nicht vorwerfen, aber solchen Leuten wie Merkel, Schäuble & Co, die den Wohlstand der breiten Bevölkerungsmasse kontinuierlich herunterwirtschaften ... denkt mal drüber nach!

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