Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.07.2015

07:44 Uhr

Kreditexperte Frank-Christian Pauli

„Die Zinsen müssen endlich runter“

VonJens Hagen

Frank-Christian Pauli, Kreditexperte der Verbraucherzentrale erklärt im Interview, warum die Regierung mit dem Dispo-Gesetz seiner Meinung nach Chancen vertan hat.

Pauli ist Experte beim Verbraucherzentrale-Bundesverband. VZBV Pressebild

Frank-Christian Pauli

Pauli ist Experte beim Verbraucherzentrale-Bundesverband.

Herr Pauli, können Dispokredit-Kunden jetzt aufatmen?
Nein. Aus Sicht der Kunden ist der Gesetzentwurf enttäuschend. Weder das Problem der viel zu hohen Zinsen noch das Problem einer Überschuldung werden damit gelöst.

Die Banken müssen klammen Kunden eine Beratung anbieten. Das ist doch ein Fortschritt.
Leider aber kein großer. Wir sind skeptisch, dass diese Beratung für die betroffenen Verbraucher ein gutes Ergebnis erwarten lässt. Wenn eine Überschuldung droht, sind unabhängige Budget- oder Schuldnerberater bessere Ansprechpartner. Wer die Tilgung nur verträumt, sollte sich bei einem Marktvergleich nach einer kostengünstigen Alternative umsehen.

Das soll einfacher werden, die Zinsen werden transparenter.
Noch nicht mit diesem Gesetz, aber das soll kommen. Banken veröffentlichen ihre Sätze auf der Internetseite. Im 21. Jahrhundert sollte das längst Standard sein. Beim Dispo bleibt aber fraglich, ob das für einen Marktdruck sorgen wird.

Überzogene Girokonten: Wenn der Dispo zum Desaster wird

Überzogene Girokonten

Premium Wenn der Dispo zum Desaster wird

Etwa zwei Millionen Girokonten in Deutschland sind regelmäßig überzogen. Doch wie viel Zinsen die Banken verlangen, ist ein großes Geheimnis. Der Bund will das ändern – auch weil viele Kunden in der Schuldenfalle landen.

Was würde Kunden helfen?
Die Zinsen müssen endlich runter. Im Schnitt verlangen Banken immer noch Sätze von mehr als 9,5 Prozent. Die Referenzzins liegt nahe null. Wir brauchen Obergrenzen, weil Verbraucher bei der Wahl des Kontos eher auf ganz andere Kosten als den Dispo schauen müssen.

Was hatten Sie sich noch von der Regierung erhofft?
Die Verbraucherminister hatten sich auf eine einheitliche Berechnungsgrundlage bei Vorfälligkeitsentschädigungen bei Baugeld geeinigt. Es sollte Obergrenzen geben. Davon findet sich im Entwurf noch gar nichts.

Erklären Sie uns das genauer?
Die Banken rechnen unterschiedlich und oftmals viel zu hoch ab. Außerdem führen starke Zinsabschwünge zu Entschädigungsforderungen, die Verbraucher überbelasten.

Was vermissen Sie sonst noch?
Nehmen Sie das Problem von überteuerten Restschuldversicherungen bei Ratenkrediten. Es wäre ein Leichtes gewesen, ein zweites Effektivzinssatz-Preisschild für Darlehen – mit und ohne Police – vorzusehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×