Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.10.2013

17:07 Uhr

Kreditkarten

Finanzriesen entdecken exotische Märkte

Mit der Plastikarte zu bezahlen gehört weltweit zum Lebensalltag der Menschen. Bis auf wenige Ausnahmen. Wenn sich ein Land wie Myanmar öffnet, wollen sich Finanzinstitute einen Stück des Kuchens sichern.

Die Schönheit von Myanmar zieht viele Touristen an. Mittlerweile können sie in dem asiatischen Land immer häufiger mit der Kreditkarte bezahlen. ap

Die Schönheit von Myanmar zieht viele Touristen an. Mittlerweile können sie in dem asiatischen Land immer häufiger mit der Kreditkarte bezahlen.

Vor einem Jahr gab es in Myanmar keinen einzigen Geldautomaten. Kein Restaurant oder Hotel akzeptierte Kreditkarten. Reisende mussten Dollar in großen Mengen mitbringen, um die Ausgaben für ihren Urlaub begleichen zu können. Doch das Land öffnet sich für die Symbole des Kapitalismus: Inzwischen gibt es in Myanmar 450 Geldautomaten – und 2500 Lesegeräte wurden installiert.

Der Wandel kommt nicht von ungefähr: Thein Sein, seit zwei Jahren Präsident von Myanmar, hat die politischen Freiheiten im Land ausgebaut und wirtschaftliche Freiheiten zugelassen. Die USA und die Europäische Union begannen vergangenes Jahr, Sanktionen gegen Myanmar zurückzuschrauben.

Für Touristen wird das Reisen in dem Land einfacher: „Die Notwendigkeit, Taschen voller Bargeld mit sich rumzutragen, nimmt ab”, sagt Matt Davies von der Mission des Internationalen Währungsfonds (IWF) in dem Land. Er reiste im November vergangenen Jahres das erste Mal nach Myanmar, als es noch eine Geldautomaten-Wüste war. Und selbst heute könne er sich nicht ganz auf Plastik verlassen. „Es dauert eine Zeit, bevor Gewohnheiten sich ändern.”

Wann die EC-und Kreditkarten im Ausland nicht funktionieren

EC-Karte

Mit Maestro-Karten, die das Girokonto sofort belasten, können Bankkunden normalerweise weltweit zahlen oder Geld abheben. Besonders viele Vertragspartner und Geldautomaten stehen in Europa. Trotzdem funktionieren die Karten häufig nicht. Das kann mehrere Gründe haben. Vor Reiseantritt notieren sich Urlauber für alle Fälle Karten- und Kontonummer.

Auffällige Konto-Bewegungen

Bei jeder von einer EC-Karte ausgelösten Buchung läuft im Rechenzentrum der Banken eine Sicherheitssoftware mit, die Betrug frühzeitig erkennen und durch Kartensperren verhindern soll. Dabei kann es auch zu ungewollten Sperren kommen. Für Kunden ist es schwierig, sich darauf einzustellen. So zog ein Institut in Barcelona die Karte eines Studenten wegen auffälliger Bewegungen ein. Er hatte in kurzer Zeit zweimal hintereinander am selben Automaten Geld abgehoben.

Dispo-Auslandssperre

Postbank, Deutsche Bank sowie einige Volks- und Raiffeisenbanken haben die Möglichkeit zur Überziehung bei den EC-Karten fürs außereuropäische Ausland gesperrt. De facto gilt hier ein Null-Limit. Kunden können es auf Anfrage vor einer Reise heraufsetzen lassen. Wer das nicht tut, steht womöglich mit leeren Händen da. Nötig ist dazu ein Anruf in der Filiale.

Minus auf dem Konto

Ist das Konto im Minus, bewegt sich aber innerhalb des Verfügungsrahmens können Kunden im Inland problemlos Geld mit ihrer Karte ziehen. Im Ausland steht dieser Verfügungsrahmen bei manchen Banken plötzlich nicht mehr zur Verfügung. Vor allem Länder außerhalb der Eurozone sind von dieser Regelung oft betroffen.

Technische Pannen

Neben Defekten an Chips oder Magnetstreifen ist ein weiterer Grund für das Nichtfunktionieren der Karten die Umstellung der Institute auf ein neues Bezahlsystem. So wird bei EC-Karten in Deutschland seit einigen Jahren mit dem Maestro-System bezahlt. Das ist ein Abbuchungsdienst vom Kreditkarten-Unternehmen MasterCard, das mittels Magnetstreifen funktioniert. Da Chipkarten als sicherer gelten, führen manche Institute so genanntes V-Pay ein, das Konkurrenz-Produkt von Visa. Vor allem die Postbank rüstet hier um. Wermutstropfen: Einkaufen mit der neuen Karte Glückssache. Denn längst nicht alle Händler haben umgerüstet. Und in beliebten Urlaubsländern wie den USA oder Ägypten funktioniert die Technik generell nicht.

Kreditkarten

Mit ihnen kann man grundsätzlich weltweit zahlen, solange Vertragspartner und Bankautomaten die jeweiligen Karten annehmen. Zum Geldabheben sind Kreditkarten allerdings meist teurer als EC-Karten. Zudem wird selten beim Bezahlen im Inland der PIN verlangt. Viele Kreditkartenbesitzer sollten sich ihre Geheimnummer daher vor dem Urlaub gut einprägen und sich vor Reiseantritt die Kartennummer notieren. Zudem sollten sie sicherstellen, dass die letzte Abrechnung bezahlt ist.

Auffällige Kontobewegungen

Auch bei Kreditkarten sind auffällige Kontenbewegungen und die Auslieferung von defekten Karten ein Thema. Bei auffälligen Käufen oder Abhebungen können Sicherheitsbeamte ohne Nachfrage die Bezahlfunktion abstellen.

Geldreservierungen

Manche Reiseveranstalter, Airlines und Hotels lassen bei einer Reservierung die entsprechende Summe oft im Voraus blocken. Dann ist der Rahmen schneller ausgereizt als gedacht.

Alternative I: Reiseschecks

Sie können vor Antritt der Reise gegen Gebühr in der entsprechenden Landeswährung gekauft werden. Zahlreiche Geldinstitute nehmen sie weltweit an. Vorteil: Die Schecks sind versichert und werden bei Verlust vor Ort binnen 24 Stunden ersetzt, sofern sich der Kunde als Käufer ausweisen kann.

Alterbnative II: Bargeld

Auch wenn es verpönt ist, Cash gehört in jede Urlaubskasse. In einigen Ländern gelten allerdings Obergrenze für die Einführung von Devisen.

Alternative III: Blitzüberweisung

Wenn alle Stricke reißen, das Portemonnaie futsch ist und Urlauber ohne Geld dastehen, besteht die Möglichkeit einer Blitzüberweisung. Der Finanzdienstleister Western Union bietet sie in Zusammenarbeit mit der Postbank und der Reisebank an. Auch MoneyGram ist hier in Kooperation mit den Sparkassen tätig. Damit kann binnen weniger Minuten Geld von einer Postfiliale an eine Auszahlstelle im Urlaubsland überwiesen werden. Wer nicht selbst Online-Kunde bei der Postbank ist, braucht eine Vertrauensperson, die während des Urlaubs in Deutschland ist und sich in eine Postfiliale begeben kann. Nach dem Ausfüllen eines Formulars informiert sie den Urlauber über die Auftragsnummer und teilt mit, wo er sich sein Geld auszahlen lassen kann. Der Empfänger sucht die Agentur auf und erhält mit der Auftragsnummer und der persönlichen Identifikation das Geld.

Für die großen Kreditkartengesellschaften wie etwa Visa oder Master ist Myanmar ein zukunftsträchtiger Markt. MasterCard begann im September 2012, Verträge mit lokalen Banken abzuschließen. Bislang wurden Lizenzen an sieben Banken vergeben. Diese haben Lesegeräte für MasterCard-Karten bei 285 Händlern installiert. Hinzu kämen 210 Automaten, bei denen Touristen mit MasterCard Geld ziehen können.

Visa hat mit acht Banken Kooperationen geschlossen: Inzwischen wird die Kreditkarte von 550 Händlern und an über 200 Geldautomaten akzeptiert. Auch chinesische Banken sind mit ihren Kreditkarten vor Ort vertreten. Die Gebühren für die Kartenzahlungen sind allerdings recht hoch. Und Kunden können nicht mehr als 225 Euro abheben.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×