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28.04.2016

12:19 Uhr

Kritik an der Geldpolitik der EZB

Bausparkassen sehen schleichende Enteignung

VonFrank Matthias Drost

Reale Verluste für Sparer in Deutschland hat es auch früher gegeben, sagt die Europäische Zentralbank. Jetzt hat der Verband der privaten Bausparkassen nachrechnen lassen und kommt zu einem erstaunlichen Ergebnis.

Die Geldpolitik der Notenbank steht in der Kritik. Aus Sicht der privaten Bausparkassen wird die Bereitschaft der Sparer, für das Alter vorzusorgen, untergraben. dpa

Zentrale der Europäischen Zentralbank in Frankfurt

Die Geldpolitik der Notenbank steht in der Kritik. Aus Sicht der privaten Bausparkassen wird die Bereitschaft der Sparer, für das Alter vorzusorgen, untergraben.

BerlinDie Nullzinspolitik der  Europäischen Zentralbank (EZB) lässt die Deutschen am Sinn des Sparens zweifeln. Es gibt kaum mehr etwas für Spareinlagen. Von einer unfairen Bestrafung der Sparer will die EZB aber nichts wissen. Schon früher habe es Zeiten in Deutschland gegeben, in denen die Inflation höher gewesen sei als der Sparbuchzins, sagte EZB-Präsident Mario Draghi und verwies auf die Monatsberichte der Deutschen Bundesbank.

Reale Verluste seien also keine neue Erfahrung für deutsche Sparer, so die Botschaft Draghis. Mit anderen Worten: Wenn die Inflation bei vier Prozent liegt und der Sparbuchzins bei drei Prozent, erleidet der Sparer auch reale Verluste, auch wenn es sich subjektiv  anders anfühlen mag.

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Das wollte der Verband der privaten Bausparkassen aber nicht auf sich beruhen lassen und beauftragte das Ifo-Institut in München mit einer Analyse der Sparrenditen. Das Ergebnis:  „Für kurzfristig kündbare Anlagen wie das Sparbuch ist die Aussage der EZB richtig, für längerfristige Anlagen stimmt es nicht“, so Verbandspräsident  Andreas Zehnder.

Als Beispiel verweist er auf einen Sparbrief mit vierjähriger Laufzeit. Dieser brachte zwischen 1970 und 1979 eine reale Rendite von 2,2 Prozent ein. Zwischen 1980 und 1989 lag diese bei 3,8 Prozent, in den 90er-Jahren bei real 3,4 Prozent und zwischen 2000 und 2010 bei 1,7 Prozent, zwischen 2010 bis 2015 sank sie auf 0,5 Prozent.

Mit Blick auf das kurzfristig kündbare Sparbuch habe Draghi aber recht. Hier habe es nur in der 80er-Jahren reale Renditen von 0,4 Prozent gegeben. Ansonsten mussten die Sparer Verluste hinnehmen. „Der Hinweis der EZB spiegelt also nur die halbe Wahrheit wider“, so Zehnder.

Unterm Strich hält der Verband an seiner Kritik fest. Die EZB-Politik sorge für einen „schleichenden Vermögensverlust“. „Die Bereitschaft der Sparer, für das Alter vorzusorgen, wird untergraben“, unterstreicht Zehner. Sicherheitsorientierte Sparer, die ihr Geld längerfristig anlegen wollen, seien die Verlierer der Geldpolitik der EZB. Der Verband der privaten Bausparkassen steht mit seiner Kritik nicht allein. „Was soll diese Geldpolitik noch bringen?“, fragt die DZ Bank in einer aktuellen Studie und diagnostiziert, dass in Deutschland das Verständnis für die Haltung der EZB abnimmt.

Die wachsende öffentliche Kritik an der Nullzinspolitik der EZB aus Deutschland treibt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) um. Mitte April sagte er laut "FAZ.net" auf einer Veranstaltung der Stiftung Marktwirtschaft, ihm seien höhere Zinsen lieber als niedrige. Sein Augenmerk gelte den vom fehlenden Zins ausgehenden Fehlanreizen für private Vorsorge. Aus dieser Sicht gelte: „Drei Prozent Zins bei drei Prozent Inflation ist nicht dasselbe wie null Prozent Zins bei null Prozent Inflation.“

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