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27.03.2012

11:40 Uhr

Kündigung

Wie Lebensversicherer ihre Kunden überlisten

VonThomas Schmitt

Millionen Deutsche lösen ihre Lebensversicherung vorzeitig auf und zahlen dabei drauf. Kunden können ihren Schaden jedoch minimieren - durch die Wahl eines passenden Tarifs. Ein Ratgeber zu Rückkaufswerten.

Ein zweiter Blick lohnt sich: Kunden sollten bei Lebensversicherungen nicht nur auf die Ablaufleistung schauen, sondern auch auf Rückkaufswerte. dpa

Ein zweiter Blick lohnt sich: Kunden sollten bei Lebensversicherungen nicht nur auf die Ablaufleistung schauen, sondern auch auf Rückkaufswerte.

„Auch wenn es eng wird – durchhalten!“ So lautet der wichtigste Tipp für Inhaber von Lebensversicherungen. Schließlich zweigen die Versicherer beträchtliche Kosten ab und zahlen erst am Ende einen satten Bonus, der zu einer ansehnlichen Rendite führt.

Der gute Rat verhallt jedoch oft. Millionen Kunden kündigen ihre Lebens- oder Rentenversicherung vor Ablauf der vereinbarten Vertragszeit. „So wurden im Jahr 2010 Verträge im Volumen von 13,1 Milliarden Euro gekündigt“, sagt Michael Franke, Geschäftsführer des Analysehauses Franke und Bornberg in Hannover. Das sei immerhin ein Drittel der Summe, die bei Ablauf im Erlebensfall in 2010 fällig geworden sei. „Eine Tatsache, die man nicht ignorieren kann“, sagt Franke.

Was bei Rückkaufswerten zu beachten ist

Tarifverlauf

Vermittler und Kunden sollten ihr Augenmerk auch auf die Tarifverläufe und die Rückkaufswerte legen. Mit einer ganzheitlichen Beratung schützen Makler ihre Kunden vor bösen Überraschungen, wenn das Geld doch vorzeitig benötigt wird. Eine solche Beratung schützt zudem den Makler vor Regressforderungen seiner Kunden.

Quelle: Franke und Bornberg

Konflikte

Der Wunsch nach einem Top-Ablaufwert und gleichzeitig hohen Rückkaufswerten ist verständlich – aber kaum erfüllbar. Hohe Ablaufwerte gehen oft zu Lasten der Entwicklung des Rückkaufswertes. Vermittler kennen diese Zusammenhängen und sollten darüber aufklären.

Auswahl

Vermittler sollten Tarife vorschlagen, die zur Mentalität des Kunden passen. Wer unsicher ist, ob er den Vertrag bis zum Ende durchhält, sollte keinen Vertrag wählen, der erst zum Ende hin hohe Leistungen bietet.

Todesfall

Im Vertrag eine Todesfallleistung einzuschließen, ist immer sinnvoll, auch wenn keine Familienangehörige abgesichert werden müssen. Denn wenn keine Todesfallleistung eingeschlossen ist, führt dies bei vielen Tarifen zu deutlich niedrigeren Rückkaufswertverläufen.

Beitragsrückgewähr

Deutlich niedrigere Rückkaufswerte werden zwar durch eine beitragsfreie Rente zum vereinbarten Rentenbeginn kompensiert. Aber zum Kündigungszeitpunkt steht möglicherweise benötigtes Kapital eben nicht zur Verfügung. Mindestens sollte daher eine Beitragsrückgewähr im Todesfall vereinbart werden.

Viele Vermittler tun dies gleichwohl. Wenn sie eine Versicherung verkaufen, legen sie ihren Kunden selten Rückkaufwerte vor, sondern meist nur den Ablaufwert einer Lebensversicherung vorher. Das heißt: Der Kunde weiß dann zwar, wie viel Geld herauskommt, wenn er bis zum Ende durchhält. Er weiß aber nicht, wie sich seine Versicherung im Laufe mehrerer Jahrzehnte entwickelt.

Zwar gilt der Rat von Verbraucherschützern, die jeweiligen Ablaufleistungen unterschiedlicher Anbieter vor der Unterschrift zu vergleichen. Doch das ist es nicht allein. Oft stünden bei einer nur geringfügig höheren Ablaufleistung erhebliche Nachteile bei Kündigung gegenüber, stellten die Analysten von Franke und Bornberg fest. Wenig hilfreich seien daher die meisten Tests und Tarifvergleiche, in denen lediglich die Ablaufleistung der Tarife im Mittelpunkt steht.

Lebensversicherung: Bei Lebensversicherungen lohnt langer Atem

Lebensversicherung

Bei Lebensversicherungen lohnt langer Atem

Zum Standardrepertoire in der Altersvorsorge gehört die Lebensversicherung. Sicher sind die Renditen immer. Wer dann bei seinen Einzahlungen langen Atem hat, kann auch auf hohe Auszahlungen hoffen.

Dies sei etwa in der aktuellen März-Ausgabe von Öko-Test der Fall gewesen, als Altersvorsorgeprodukte für Selbstständige getestet wurden. „Bedauerlich ist, dass gerade verbrauchernahe Institute oft solche Tarife herausstellen, die bei Rückkauf eher Policenaufkäufern als dem Verbraucher selbst nutzen“, warnt Michael Franke. 

Das gilt umso mehr, wenn jemand nicht genau weiß, ob er tatsächlich das Durchhaltevermögen für eine Lebensversicherung besitzt. Schließlich kann sich im eigenen Leben bis zur Rente ja noch viel ändern. Vielleicht ist der Interessent von heute in fünf oder zehn Jahren froh, wenn er zumindest das gesparte Geld schnell zurückbekäme.

Kommentare (7)

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SoPauseAus

27.03.2012, 12:57 Uhr

Das sind Peanuts. Da haben deutsche Sozialpolitiker ihre "Kunden" noch viel mehr übers Ohr gehauen. Davon spricht keiner mehr - auch nicht das Handelsblatt.

wollos

27.03.2012, 13:53 Uhr

Das Problem mit den Rückkaufswerten ist doch seit langem bekannt und läßt sich seit 2005 bei den meisten Neuverträgen umgehen: macht einfach flexible Verträge nur mit Einmalzahlungen, die zwar nicht mit Minibeiträgen realisierbar sind, aber das Problem der hohen Anfangskostenbelastung völlig atomisieren. Bin erstaunt daß die vielen Fachbeiträge dieses Thema noch nicht aufgegriffen haben. Insbesondere bei Basisrenten für Selbständige ist das die beste Lösung. Es gibt dabei nur 3 Hürden: (a) Nicht alle Anbieter machen das. (b)Man braucht einen gewissen Startbetrag (2-3T Euro als Einmalzahlung zum Beginn) und (c) eine klare Finanzdisziplin, daß eben während der Kapitalaufbauphase gelegentlich (im Prinzip so oft wie möglich/nötig) ein gewisser Betrag zur Verfügung steht, mit dem dieses Produkt gespeist werden sollte.
Und es scheitert oft daran, daß der "mündige" Bürger eine Utopie ist und daß die Finanzfuzzis auf hohe Abschlußvergütungen aus sind und deshalb diese Konstellation nur sehr selten anbieten. Gruß von einem aktiven Finanzmakler...

G4G

27.03.2012, 14:46 Uhr

Bei mir verweigert die Debeka Lebensversicherung seit 14 Monaten die vorzeitige Kündigung zum Rückkaufswert mit immer neuen Begründungen. Es muss ein Gesetz her, dass solchen Gesellschaften Handschellen anlegt. Der Streitwert ist so hoch, dass ich mir einen Prozess nicht leisten kann. Also bin ich in der Falle der Debeka, die mich wie eine Spinne eingewickelt hat. Wer hilft ?

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