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05.12.2012

12:43 Uhr

Lebensversicherung

Allianz verabschiedet sich von vier Prozent

VonThomas Schmitt

Der Marktführer zieht die Reißleine und senkt die Zinsen für Millionen Kunden deutlich. Die Marke von vier Prozent bei der Überschussbeteiligung fällt. Zuvor sind bereits andere Versicherer bei den Zinsen eingeknickt.

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DüsseldorfDie Allianz Lebensversicherungs-AG (Allianz Leben) senkt ihre Überschussbeteiligung ebenfalls deutlich. Damit schließt sich der Branchenprimus den beiden Vorreitern der aktuellen Senkungswelle an, der Alten Leipziger und der Ergo. Während die beiden Konkurrenten jedoch mit ihren Zinsgutschriften sogar bereits recht nah an die Marke von drei Prozent heranrückten, ist die Allianz noch ein Stück davon entfernt.

Die Überschussbeteiligung in den Allianz-Lebensversicherungen sinkt für 2013 von 4,0 auf 3,6 Prozent. Damit ist klar: Die Allianz verabschiedet sich bei der wichtigen laufenden Verzinsung von der Vier-Prozent-Marke.  

Wie gefährdet sind Lebensversicherungen? Die Antworten der Regierung

Lage

Die Kapitalmärkte beeinflussen entscheidend, ob Lebensversicherer auf mittlere die Risiken tragen können, urteilen Experten aus Politik und Finanzministerium in einer gemeinsamen Sitzung.

Quelle: Protokoll vom 26. Oktober 2012

Risiko (1)

eine lang Phase mit niedrigen Zinsen, das wären sogenannte japanische Verhältnisse.

Problem

Die Kapitalanlagen der Branchen sind vorwiegend Zinstitel und laufen in der Regel nicht so lang wie die abgeschlossenen Verträge. Damit sinkt die Rendite der Kapitalanlagen schneller als die durchschnittlichen Zinsverpflichtungen gegenüber den Kunden. Gelder aus auslaufenden Schuldverschreibungen können nur zu einem geringeren Zinssatz wieder angelegt werden.

Garantiezins

Der Garantiezins in der deutschen Lebensversicherung ist deutlich gesunken:

1994: 3,5 %

1995-6 bis 2000: 4 %

7/2000 bis 2003: 3,25 %

2004-2006: 2,75 %

2007-2011: 2,25 %

Ab 2012: 1,75 %

 

Prognose

Eine anhaltende Niedrigzinsphase alleine bringt bis 2018 keinen deutschen Lebensversicherer in Schwierigkeiten. Die Unternehmen könnten bis zum Jahr 2025 eine Nettoverzinsung oberhalb des mittleren Rechnungszinses erzielen. Allerdings müssten sie bis zum Jahr 2020 zusätzliche Mehraufwendungen von insgesamt 61 Milliarden Euro für den Aufbau der Zinszusatzreserve leisten.

Gefahr

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass einzelne Unternehmen künftig in Schwierigkeiten geraten können.

Risiko (2)

Die Inflationsraten gehen hoch und damit auch die Zinsen. Experten sprechen vom Inflationsszenario.

Problem

In solch einem Umfeld können die Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung nicht schnell erhöhen. Daher könnte es für Kunden attraktiver sein, ihre Lebensversicherung zu kündigen, also zu stornieren. Wenn viele das tun, entsteht ein „Run“.  

Teufelskreis

Da bei hohen Storno-Raten Kapitalanlagen veräußert werden müssen, um die garantierten Rückkaufswerte zu bezahlen, müssen manche Versicherer stille Lasten realisieren. Im Extremfall fehlen dann auch Mittel, um die Verpflichtungen aus den im Bestand verbleibenden Versicherungsverträgen zu erfüllen.

Auch in einem anderen Punkt setzt sich der Marktführer leicht von Ergo und Alte Leipziger ab: Die Gutschrift fällt „nur“ um 0,4 Prozentpunkt, während die beiden Konkurrenten um 0,6 und 0,5 Prozentpunkt absenkten. Verglichen mit den Bewegungen der Vorjahre ist dies gleichwohl ein deutlicher Schritt nach unten.

Von der Aktion der Allianz sind Millionen Kunden betroffen, denn der Marktführer verwaltet mehr als 10 Millionen der rund 90 Millionen Lebensversicherungen in Deutschland. Neben Ergo sind die Versicherer des Generali-Konzern, die genossenschaftliche R+V sowie Zurich und Debeka die wichtigsten Konkurrenten.

Ergo: Der nächste Schlag für die Lebensversicherung

Ergo

Der nächste Schlag für die Lebensversicherung

Einer der größten Versicherer, die Ergo, zahlt Millionen Kunden deutlich weniger für Lebensversicherungen. Die laufende Verzinsung fällt auf bis zu drei Prozent. Was das erneute Alarmsignal aus der Branche bedeutet.

Die Allianz vermarktet ihre Senkung mit dem Hinweis, dass die Kunden für ihre Verträge auch weiterhin eine attraktive Verzinsung erhielten. Denn die gesamte Verzinsung liege 2013 bei mindestens 4,2 Prozent. Auch hier ist jedoch ein Rückgang von 0,3 Prozentpunkt gegenüber den 4,5 Prozent aus dem Vorjahr zu verzeichnen. Zudem ist wichtig zu beachten, dass die Gesamtverzinsung sich im Prinzip auf Verträge bezieht, die im nächsten Jahr ausgezahlt werden.

Im Ergebnis müssen Kunden daher beachten: Die Gesamtverzinsung setzt sich bei der Allianz zusammen aus der laufenden Verzinsung von 3,6 Prozent sowie dem Schlussüberschuss und einem Sockelbetrag für die Beteiligung an den Bewertungsreserven von zusammen 0,6 Prozent.

Ranking der Lebensversicherer nach der Beitragsrendite

Rang 1

Bei Europa beträgt die Beitragsrendite 5 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,35 Prozent.

(Quellen: Morgen & Morgen, BVI, Map-Report, Allianz)

Rang 2

Bei Cosmos Direkt beträgt die Beitragsrendite 4,50 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,05 Prozent.

Rang 3

Bei Targo beträgt die Beitragsrendite 4,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 4,60 Prozent.

Rang 4

Bei Huk beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 5

Bei der Öffentlichen Braunschweig beträgt die Beitragsrendite 4,30 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,80 Prozent.

Rang 17

Bei der Allianz beträgt die Beitragsrendite 3,80 Prozent und die Überschussbeteiligung 4 Prozent.

Rang 59

Bei Rheinland beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,60 Prozent.

Rang 60

Bei Universa beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,50 Prozent.

Rang 61

Bei der Öffentlichen Berlin beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,30 Prozent.

Rang 62

Bei der VPV Lebensversicherungs AG beträgt die Beitragsrendite 2,70 Prozent und die Überschussbeteiligung 3,25 Prozent.

Rang 63

Beim Münchener Verein beträgt die Beitragsrendite 2,40 Prozent und die Überschussbeteiligung 3 Prozent.

Den Zusammenhang erklärt die Allianz so: Die beiden Zusatz-Komponenten würden während der Vertragslaufzeit anfinanziert und bei Vertragsablauf ausgezahlt. Sie würden die Spielräume für eine chancenorientierte Kapitalanlage – zu Gunsten der Kunden.

Kommentare (5)

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Michael

05.12.2012, 14:13 Uhr

Was die Allianz verschweigt, wenn die die EZB für die niedrigen Leitzinsen verantwortlich macht:

Jedweder Zins muss erarbeitet werden, da er woanders Fremdkapitalkosten darstellt, oder er entsteht als Folge einer hohen Kreditvergabe, weil diese dann über hohe Leitzinsen gebunden werden muss, will man ein Inflationsziel von 2% erreichen.

Denn andernfalls würde dieses "mehr Geld" via Löhne auch "mehr Inflation" bedeuten und Inflation ist speziell für untere Einkommen sehr schädlich.

Die Allianz meckert also darüber, dass die EZB ihren Job macht.

KarlNapf

05.12.2012, 14:28 Uhr

So ein Schmarrn.
Was die Allianz anspricht ist die stattfindende financial repression, also Bezahlung der Schulden durch künstliches Niedrigzinsumfeld welches die Realrenditen unter Null Prozent drückt. Dies geht zu Lasten sämtlicher Sparer, welche durch dieses Niederzinsumfeld quasi enteignet werden zu Gunsten der Schuldner.
Unterm Strich werden Staaten durch das QE der Notenbank entschuldet (Plan). Federn lassen müssen die, die für ihr Erspartes morgen weniger als heute kaufen können. Somit auch die Sparer einer Lebensversicherung.

Account gelöscht!

05.12.2012, 15:43 Uhr

Mann kann das gejammere der Versicherungen schon nicht mehr hören.Für das ihnen anvertraute Geld kann angeblich kein versprochener Zins gezahlt werden.Gleichzeitig aber ist genügend Geld für die extravagante Reise einer ausgesuchten Mitarbeiter Gruppe da.Für eine Reise nach Tansania mit Besteigung des Kilimandscharo sowie Besichtigung eines Nationalparks ist immer Geld da. Wie geschmacklos gegenüber den Kunden.

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