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26.01.2014

14:13 Uhr

Lebensversicherung

Der lästige Garantiezins

VonThomas Schmitt

Die Lebensversicherer wollen riskantere Produkte verkaufen. Das ergab - im Vorfeld der Branchenstudie von Assekurata - eine Umfrage unter Managern und Analysten. Dafür muss der Garantiezins sinken. Ob Berlin da mitmacht?

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Lohnt sich die Lebensversicherung noch?

Anlageformen: Lohnt sich die Lebensversicherung noch?

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DüsseldorfDer Garantiezins in der Lebensversicherung ist ein Leuchtturm in der Altersvorsorge. Damit haben die Versicherer jahrzehntelang beim Kunden gepunktet. Auch deshalb, weil immer viel mehr drin war als die Garantie. Doch die goldenen Zeiten sind vorbei. Von einstmals vier Prozent auf inzwischen 1,75 Prozent ist er gesunken.

Über die Jahre ist der Garantiezins immer mehr zu einer Last geworden. Denn Garantien kosten Geld, weil die Versicherer – für alle Fälle – Kapital reservieren müssen. Und sie werden künftig noch mehr Geld kosten, wenn die Aufsichtsregeln für Versicherer in Europa verschärft werden. Kein Wunder also, dass viele Manager den Garantiezins gerne los wären. Nur wie?

Eins ist klar: Sagen darf man derlei nicht allzu laut. Im Gegenteil: Wer etwas auf sich hält, verteidigt den Garantiezins, so wie der Branchenverband GDV neulich: „Den Garantiezins bereits zum 1. Januar 2015 um 0,5 Prozentpunkte zu reduzieren, wäre übereilt.“  Diese Erklärung überrascht. Denn der Rat, den Garantiezins auf 1,25 Prozent zu senken, kommt ja aus der Mitte der Branche.

Der Garantiezins in der Lebensversicherung

Begriff

Die Garantiezins für die Lebensversicherungen in Deutschland wird mit Hilfe zehnjähriger Staatsanleihen im Euro-Raum ermittelt. Der Rechnungszins darf höchstens 60 Prozent der durchschnittlichen Rendite dieser zehnjährigen Staatsanleihen betragen.

Bedeutung

Den Garantiezins müssen die Lebensversicherer auf jeden Fall zahlen. Er wird berechnet auf den Sparanteil der Prämie. Vom Beitrag werden also die Kosten des Versicherers abgezogen.

Schwankungen

Nach dem Krieg schwankte er zwischen 1,75 und vier Prozent. In den Veränderungen spiegeln sich die Änderungen der Zinslandschaft in Deutschland. In Zeiten mit hohen Garantiezinsen waren auch die Kapitalmarktzinsen sehr hoch – und umgekehrt.

Bis 1986

Bis Juni 1986: 3 Prozent

Bis 1994

Juli 1986 bis Juni 1994: 3,50 Prozent

Bis 2000

Juli 1994 bis Juni 2000: 4 Prozent

Bis 2003

Juli 2000 bis Ende 2003: 3,25 Prozent

Bis 2006

2004 bis 2006: 2,75 Prozent

Bis 2011

2007 bis 2011: 2,25 Prozent

Aktuell

Seit 2012: 1,75 Prozent, beschlossen ist nun eine Senkung auf 1,25 Prozent ab 1.1.2015

 

Und dazu gehören so bekannte Manager wie Norbert Heinen, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung AG, wie Nachfragen von Handelsblatt Online im Vorfeld der großen Branchenstudie der Ratingagentur Assekurata ergaben. Heinen ist einer, der gleichzeitig auch Vorsitzender des Ausschusses Lebensversicherung in der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) ist, also dem Zusammenschluss genau jener hoch angesehenen Mathematiker, die für einen niedrigeren Garantiezins sind.

Noch überraschender als der Rat dieser Superhirne sind die Reaktionen darauf. Ausgerechnet einer der größten Kritiker der Branche, der Verbraucherschützer Axel Kleinlein, hat sich zum Verteidiger des Garantiezinses aufgeschwungen. Ihm zur Seite gesprungen ist ein weiterer Experte, der sich mit Zahlen gut auskennt: Manfred Poweleit, Herausgeber des „Map-Report“.

Der schwarze Peter liegt nun – wie so häufig – in Berlin. Im Finanzministerium muss über den Garantiezins ab 2015 entschieden werden. Letztlich geht es hier um diese Fragen: Will die Politik die Lebensversicherung mit Garantie für den Kunden erhalten? Oder öffnet sie die Schleusen, damit die Branche nun richtig und sehr offensiv alle möglichen Alternativen verkaufen kann?

 

Kommentare (7)

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HelmutJosefWeber

27.01.2014, 08:41 Uhr

Alle Menschen die in eine Rentenkasse oder Lebensversicherung einzahlen, machen einen Fehler: Sie vertrauen dem Staat.
Es ist schon schlimm genug, dass es diese Zwangsabgaben in die Rentenkassen gibt, mit der man sich eine Rente erarbeitet, die später nicht zum Leben ausreicht.
Aber wer dann noch zusätzlich in Kassen einzahlt, bei denen der Staat eingreifen kann, der kann den Knall nicht gehört haben.
In Deutschland hat der Gesetzgeber den Lebensversicherungen erlaubt Leistungen zu stoppen, wenn sie in finanzielle Schieflage geraten; natürlich bei voller Beitragszahlung des Versicherten.
In 4 europäischen Staaten sind die kapitalgedeckten Renten schon vom Staat beschlagnahmt worden; zuletzt auch in Polen
Jetzt geht es an die Betriebsrenten.
Ich kann nur jedem raten für seine private Altersversorgung eine Variante zu finden, bei der:
1. Keine Provisionen abgezogen werden, wie bei Allianz,
Riester u. Co.
2. Die Gewinne legal nicht versteuert werden müssen.
3. Der Staat keine Kenntnisse von hat.
4. Nicht besteuert wird, wenn die Vorsorge im Alter
verbraucht wird.
5. Keine Krankenkassenbeiträge von bezahlt werden
müssen; daher auch keine Zuzahlungen für
Medikamente usw. usw.
6. Alles sofort und augenblicklich in einen anderen
Staat gebracht werden kann.
7. Auf der ganzen Welt als Zahlungsmittel anerkannt
wird.
8. Seit Jahrtausenden seinen Wert erhalten hat.
9. Nicht durch Inflation oder Währungsreform wertlos
werden kann.
10. Beim Ableben des Inhabers der Altersversorgung,
den Hinterbliebenen die Werte bleiben.
11. Nicht bei der Berechnung von Wohngeld (bis 60.000
Euro Vermögen)angerechnet wird.
Natürlich kann man Gold nicht essen, aber wertlos gewordene Papiere auch nicht.

Viele Grüße
H. J. Weber

Mazi

27.01.2014, 11:50 Uhr

Versicherer legen das Geld ihrer Kunden im Aktien-, Renten- oder Immobilienmakrt an. Alle drei Märkte boomen. Dennoch erklären die Versicherer ihren Kunden, dass schwere Zeiten da wären. Gleichzeitig werden Spitzengehälter an ihre Vorstände ausgezahlt.

Die BaFin ist für die Aufsicht der Versicherer zuständig und bläst in das gleiche Horn der Versicherer.

Was beabsichtigt die Branche den Kunden mitzuteilen, wenn Aktien-, Renten- und Immobilienmarkt einmal nicht mehr boomen?

Verbraucherminister Maas ist gefordert. Er möge sich einschalten und Klartext reden.

DerMakler

28.01.2014, 11:15 Uhr

Was einen selbst als Fachwissender ( und mittlerweile auch jeden der vor Jahr(zehnten)en eine LV bzw.RV abgeschlossen hat ) mehr als wütend macht ,sind die "neutralisierten" Kritiker der VZ..hier in Gestalt von Edda Costello ..Als Blödsinn , überflüssig ,nie eine richtiger Rat gewesen fegt die gute Dame ( die dies bestimmt auch auf fachfundierte Grundlage stützen kann..? ) alle Menschen als Trottel vom Tisch ,die je eine kapitalbildene Form zur Altersvorsorge , Todesfall, Hinterbliebenden und Sicherung der Immobilie abgeschlossen hat! Mittlerweile ist jeden klar das eine KLV seit Jahren weniger sinnig ist als eine RV und Gott sei Dank für jeden ,der Vermittler ,Makler antraff die Risiko von Sparen ganz klar für den Kunden getrennt haben..!

Aber selbst eine RV (das schließt BAV Durchführungswege mit ein..)ob nun klassisch oder fondgebunden ist "ein undurchdachtes mageres Produkt" ..Das in solchen Produkten fünf wertvolle Sicherungen beinhaltet sind, führt Fr. Costello natürlich nicht auf ..warum auch ?

Was wesentlich beschämender ist, das Menschen wie Herr Kleinlein ,Herr Nauhaus und auch Fr. Costello kritisieren bis das es schmerzt ,aber weder sinnvolle Alternativen benennen können oder wollen , noch in ihrem eigen "VZ-Verbraucherstandorten" die Menschen so fachunkundig beraten ,diese meist aus Angst etwas Falsches getan zu haben vielfach sehr gute Absicherungen aufgekündigt haben !

Der Fall einer älteren Dame die eine als "Nonsens" hochstillisierte Sterbegeld ,die nachgewiesermaßen schon Jahre lief ,auflöste, weil man Ihr ein Sparbuch mit 25,-€ jeden Monat empfohl als Vorsorge zu betreiben und Ihr mit dem Rückkaufswert "viel Spaß" wünschte, kurze Zeit darauf verstarb und die Familie auf sämtliche Kosten sitzen blieb und die VZ nun auf Falschberatung verklagen , ist nur ein trauiger Fall von vielen !

Gott sei Dank gehen Bafin ,Berufsverbände von Vermmittlern gegen diese Kritik Defamierungwelle vor und klären selber auf ..ohne Kritik an der VZ !HG DerMakler

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