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28.02.2013

16:45 Uhr

Lebensversicherung

Der letzte Kampf

VonThomas Schmitt

Der Streit um die Geldtöpfe der Lebensversicherer liegt politisch auf Eis – bis nach der Wahl. Die Branche hat nun ein Jahr Zeit, sich neu zu erfinden. Was die Krise des Verkaufsschlagers für Kunden bedeutet.

Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender Allianz Deutschland AG. obs

Markus Rieß, Vorstandsvorsitzender Allianz Deutschland AG.

DüsseldorfDer Denkfehler der Versicherungswirtschaft: Die Branchenvertreter schauen nur auf das Problem der Bewertungsreserven. Hier haben sie – isoliert betrachtet - eine nachvollziehbare Argumentation. Sie wollen Gerechtigkeit zwischen den verschiedenen Versicherungsgenerationen herstellen. Dafür sollen theoretische Gewinne, die wegen niedriger Zinsen nur vorübergehend anfallen, nicht mehr an Kunden ausgeschüttet werden, deren Verträge aktuell auslaufen.

Deshalb sagt etwa die Chefin der Finanzaufsicht Bafin, Elke König: „Bei der Vermittlung der Neuregelung in der Öffentlichkeit ist einiges furchtbar schiefgelaufen. Ich nehme ja niemandem einen Geldbetrag weg, mit dem er bei Abschluss des Vertrages fest rechnen konnte.“ Und: „Wir brauchen eine Lösung, die den Interessen aller dient und nicht nur den gerade Ausscheidenden.“ Beide Aussagen zitiert der Branchenverband GDV auf seiner Internetseite – zusammen mit ähnlich lautenden Einschätzungen von anderen Branchenexperten.

Gegenrede: Drei Irrtümer über die Lebensversicherung

Allianz-Chef widerspricht

Der Deutschland-Chef der Allianz, Markus Rieß, sieht die Berichterstattung über Lebensversicherungen kritisch. Es werde viel Irreführendes berichtet. Auf die drei größten Irrtümer ging er auf der Bilanzpressekonferenz in München ein.
Quelle: Bilanzpressekonferenz der Allianz Deutschland am 28. Februar 2013

Irrtum Nr. 1

„Die Lebensversicherung lohnt sich wegen niedriger Zinsen nicht mehr.“

Gegenargumente: 1. Anlageerfahrung

„Eine Lebensversicherung deckt als einziges Vorsorgeprodukt das Langlebigkeitsrisiko – was bei stetig steigender Lebenserwartung von elementarer Bedeutung ist. Gleichzeitig bietet die Lebensversicherung der Allianz hohe Sicherheit und ist mit einer gesamten Verzinsung einschließlich Überschussbeteiligung von mindestens 4,2 Prozent nach wie vor sehr attraktiv. Das hängt wesentlich mit den erfolgreichen Kapitalanlage-Experten der Allianz zusammen, deren Erfahrungen wir nutzen.“

2. Nachteil für Kleine

„Für Privatsparer bieten sich meist nur begrenzte Möglichkeiten einer Diversifikation der Kapitalanlage – der Marktüberblick und die Expertise sind naturgemäß eingeschränkt, die Mindestanlagesummen sind oftmals zu hoch und der Zeitaufwand für eine enge Steuerung ist immens.

3. Vorteil der Größe

„Für große Volumina, die den Anlagen von Millionen von Haushalten entsprechen, lohnt sich dieser Aufwand aber sehr wohl. So legt die Allianz vermehrt in Infrastrukturprojekte wie Solar- und Windparks oder Energienetze sowie in Anleihen der internationalen Wachstumsmärkte an, wo langfristig stabile und auskömmliche Renditen gezahlt werden. Auch wenn sich die Rendite einer Lebensversicherung nicht auf Dauer vom Kapitalmarkt abkoppeln kann, lohnt sich eine Police also sehr wohl. Auch heute.“

Irrtum Nr. 2

„Die Garantien können bei aktueller Kapitalmarktlage bald nicht mehr gedeckt werden.“

Gegenargumente

„Aufgrund unserer Bestandsverzinsung, unserer erfolgreichen Neuanlage sowie unserer herausragenden Kapitalausstattung können wir auch bei einem dauerhaft niedrigen Zinsniveau von deutlich unter 1,5 Prozent die eingegangenen Garantieverpflichtungen jederzeit finanzieren. Die Kapitalanlage der Allianz ist weltweit ausgerichtet, langfristig orientiert, breit diversifiziert und kann die Vorteile großer Volumina nutzen. So erreichen wir auch heute noch in der Neuanlage eine Verzinsung, die deutlich höher ist als die Garantien – von der Bestandsverzinsung ganz zu schweigen.

Irrtum Nr. 3

„Die Kostenbelastung von Lebensversicherungen ist hoch und undurchsichtig.“

Gegenargumente: 1. Transparenz

„Die Allianz geht offen mit dem Thema Kosten um: Seit Anfang 2011 wird die Gesamtkostenquote eines Altersvorsorgevertrags im Produktinformationsblatt ausgewiesen, das unsere Kunden in der Beratung und beim Abschluss erhalten. Damit wird transparent, wie sich alle Kosten des Vertrags auf die Rendite auswirken, und die Kosten verschiedener Anlageformen können leichter miteinander verglichen werden. Gegenüber dem schon seit 2008 umgesetzten gesetzlichen Kostenausweis ist dies noch einmal eine deutliche Verbesserung.

2. Renditeminderung

"Bei der Allianz liegen die Kosten für einen klassischen Vertrag mit 30 Jahren Laufzeit bei rund einem Prozent Renditeminderung pro Jahr. Das gilt für die Riester- und Rürup-Rente sowie für die private Rentenversicherung. In diesem Betrag ist alles enthalten: Abschluss- und Vertriebskosten sowie die laufenden Kosten eines Vertrags. Dieser Wert kann sich auch im Vergleich mit anderen Ansparprodukten sehen lassen."

Fazit

„Für uns bleibt die Lebensversicherung ein ideales Altersvorsorgeprodukt, denn sie bietet eine einmalige Kombination aus Sicherheit und Rendite.“ So lautet das Fazit der Gegenrede des Allianz-Deutschland-Chef Markus Rieß.

Geholfen hat das nicht. Denn: Diese nachvollziehbare Argumentationskette der Branche durchbrechen die Kritiker, indem sie die ganze Debatte auf eine andere Ebene ziehen. Eine Speerspitze ist politisch Gerhard Schick von den Grünen. Seine Kernthese: „Man muss aufpassen, dass nicht die Krise genutzt wird, um Milliarden in die falsche Richtung zu schieben.“

Genug verdient habe die Branche schließlich: „Während die Banken sich derzeit mit 6,5 Prozent Eigenkapitalrendite nach Steuern begnügen, erwirtschaftete die Lebensversicherungsindustrie 2011 stolze 14,2 Prozent, der höchste Wert der letzten 10 Jahre.“ Interessant in diesem Zusammenhang: Die Gewinnzahlen der Allianz Lebensversicherung dürften Schick bestätigen.

Kleinleins Klartext: Eine kleine Geschichte der Bewertungsreserven

Kleinleins Klartext

Eine kleine Geschichte der Bewertungsreserven

Eine kleine Geschichte, in der es darum geht was Bewertungsreserven sind, wie das Bundesverfassungsgericht etwas Gutes tut, die Ziele des Gerichts aber ausgehebelt werden sollten und ein Parteitag Rettung verspricht …

Die Branchenkritiker pochen darauf, dass Kunden mit auslaufenden Verträgen etwas weggenommen werde. Anderseits halte sich die Branche dagegen auf Kosten der Kunden schadlos. So spricht der Vorstandsvorsitzende des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, in einem Beitrag für Handelsblatt Online nicht von Generationengerechtigkeit, sondern von Geldtöpfen, die den Kunden entzogen werden, den Versicherern aber bei ihren Kapitalproblemen helfen.

Kommentare (14)

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BLSS

28.02.2013, 17:25 Uhr

Die Politik sollte bei dieser Anlageform endlich den Stecker ziehen und die Steuervorteile streichen, die ohnehin nur als Alibiverkaufsargument genutzt werden. Bei den Anlegern kommt unter dem Strich sowieso nichts an. Diese Form der Geldanlage ist nicht Förderwürdig! Wir brauchen das Geld für Kitas und Anderes.

Account gelöscht!

28.02.2013, 17:36 Uhr

„Was die Krise des Verkaufsschlagers für Kunden bedeutet.“

Falscher Untertitel. Ich habe alles gelesen – außer ein paar Ratschlägen für die VERSICHERER ist nichts an Tipps o.ä. für KUNDEN enthalten.
Der letzte Absatz – eine reine Alibifunktion. DAS wussten die Leser schon vorher, dass sie künftig mehr aufpassen müssen.
Schwach.

DEUFRA2011

28.02.2013, 18:12 Uhr

Warum hält der Staat sich nicht vollkommen raus? Warum werden manche Anlageformen steuerlich mit Vorteilen ausgestattet? Das geht doch voll in den Vergleich der Rentabilität ein und die Differenz streichen die Banken, die Versicherer und die Finanzberater ein. Das ist wie bei der Eigenheimförderung. Sobald die eingeführt wurde stiegen die Preise um eben diese Förderung.
Nochmal: der Staat soll sich raushalten und es mir alleine überlassen wo ich mein Geld investiere. Die gesparten Subventionen soll er in das System der gesetzlichen Rentenversicherung stecken in das alle mit einem deutschen Pass einzahlen müssen.

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