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05.02.2015

16:32 Uhr

Lebensversicherung

Garantien in Gefahr?

VonSara Zinnecker, Jens Hagen

Die niedrigen Zinsen der Europäischen Zentralbank bringt die Lebensversicherer in die Bredoullie. Bislang wanken nur die Überschüsse. Bald könnte es aber auch bei den Garantien knapp werden. Die Branche ist beunruhigt.

Geraten die Garantien ins Wanken?

Lebensversicherung

Geraten die Garantien ins Wanken?

Düsseldorf91,8 Millionen Verträge auf knapp 81 Millionen Bundesbürger – im Schnitt besitzt jeder deutsche mehr als eine Lebensversicherung. Für viele ist der Kontrakt die finanzielle Absicherung im Alter, auf die man sich verlassen hat. Doch erst jetzt wird deutlich, dass der Liebling der Deutschen tiefer im Schlamassel steckt als gedacht.

Bekannt ist bereits, dass Versicherer im Niedrigzinsumfeld zuletzt die laufende Verzinsung weiter abgesenkt haben – auf noch durchschnittlich 3,19 Prozent, wie das Analysehaus Morgen & Morgen bereits im Januar für das Handelsblatt ausgewertet hat. In der vergangenen Woche hatte die Ratingagentur Assekurata neben sinkenden Überschussbeteiligungen auch stark sinkende Beitragsrenditen festgestellt. Ein Mustervertrag mit einer Laufzeit von 25 Jahren bringt im Branchenschnitt nur noch eine garantierte Rendite von 0,42 Prozent.

Neu ist allerdings jetzt die Befürchtung einiger Branchenkenner, dass es den Versicherern wegen der aktuellen Niedrigzinsphase schon bald nicht mehr gelingen könnte, wichtige Reserven aufzubauen. Erste Experten sorgen sich gar, dass es Kunden an das Herzstück ihrer Altersvorsorge gehen könnte – an die Garantien.

Solche Gedankenspiele und Beispielrechnungen bieten ein beträchtliches Eskalationspotenzial. Sollten die ersten Versicherer in einigen Jahren tatsächlich nicht mehr in der Lage sein, den Garantiezins wie vertraglich vereinbart zu entrichten, wäre der Ruf der Lebensversicherung als sicheres Instrument für die private Altersvorsorge endgültig dahin. Wie funktionieren die Garantien der Versicherer? Und warum sind sie bedroht?

Die größten Zinssenker bei Lebenpolicen 2015

DANV

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Ergo

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Concordia

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

DEVK-Allgemeine

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

VHV Leben

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Seit 2011 verpflichtet der Gesetzgeber die Lebensversicherer, Teile ihrer Überschüsse in einen separaten Topf stecken – in die sogenannte Zinszusatzreserve. Diesen Puffer sollen Versicherer dann anzapfen, wenn ihre Kapitalerträge nicht mehr ausreichen, um die Garantien für gut verzinste Altverträge aufzubringen. Die Reserve dient also dazu, diese Zinsversprechen abzusichern. Doch schon bald, das glauben Branchenbeobachter, könnten erste Versicherer nicht mehr in der Lage sein, diese Zinsreserve zu bedienen. Zwei Beobachtungen nähren die Furcht.

Zum einen haben die Versicherer in den vergangenen drei Jahren schon beträchtliche Summen für den Reservetopf aufbringen müssen. 20 Milliarden Euro waren es laut Assekurata von 2011 bis 2014 – das entspricht dem Anderthalbfache der Eigenkapitalbasis der Gesellschaften. 2015 sollen weitere neun Milliarden Euro hinzukommen. Die Mittel müssen die Versicherer aus den laufenden Zinsüberschüssen zusätzlich abzweigen – oder aber sie verkaufen gut rentierliche Wertpapiere aus dem Bestand, was wiederum den Effekt sinkender Zinserträge weiter verstärkt und künftigen Spielraum nimmt.

Zum anderen wird sich die Abgabenlast aber, allen Analysen nach, künftig nicht etwa entspannen, sondern – im Gegenteil – noch verstärken. Schuld ist der über zehn Jahre gemittelte Marktzins, der als Referenzzins für die Höhe der Reservebildung maßgeblich ist. Wie Assekurata jüngst ausgerechnet hat, würde dieser Zins weiter absinken, bis 2017 um einen guten halben Prozentpunkt auf rund 2,5 Prozent.

Je weiter sich der Referenzwert aber von den Garantien der Altverträge von drei Prozent und mehr entfernt, umso mehr müssen Versicherer ihre Reserven aufstocken. „Angesichts der pessimistischen Zinsperspektive bleibt der Nachreservierungsbedarf in Summe über alle betroffenen Tarifgenerationen […] hoch“, zieht Assekurata ein Fazit. Dabei ist das Analysehaus nicht der einzige Beobachter, der sich zu den heranrollenden Probleme äußert.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

05.02.2015, 17:23 Uhr

Wie sagte dieser Tage Prof. Otte wortwörtlich: Tagesgeld und Lebensversicherungen, so ein Quatsch! Ich würde das noch mindestens mit Riester u. Bausparen ergänzen.

Herr Thomas Weis

05.02.2015, 18:54 Uhr

Etwas verstehe ich nicht, der Dax hat einen Rekord nach dem anderen und auch die großen Versicherer tummeln sich auf dem Parkett und kassieren auf hohem Niveau.

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