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19.12.2014

12:01 Uhr

Lebensversicherung in 2015

Die große Altersvorsorge-Diät

VonJens Hagen

ExklusivIm kommenden Jahr müssen sich viele Lebensversicherte mit niedrigeren Renditen begnügen. Eine Auswertung zeigt: Die meisten Gesellschaften senken ihre Überschussbeteiligungen. Einige Marktführer preschen vorneweg.

Magere Zeiten fürs Sparschwein: Die Lebensversicherer senken 2015 ihre Zinsen.

Magere Zeiten fürs Sparschwein: Die Lebensversicherer senken 2015 ihre Zinsen.

Viel Gutes hatten die Versicherer ihren Kunden in den vergangenen Tagen nicht zu berichten. „Wir passen die Überschussbeteiligung den weiter fallenden Kapitalmarktzinsen an“, erklärt etwa die HanseMerkur. Der Versicherer senkt seine Überschussbeteiligung im nächsten Jahr um 0,25 Prozentpunkte. Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Leben, die ihre Überschussbeteiligung um 0,2 Punkte senkt, sieht vor allem das Positive: „Wir setzen ein Zeichen. Eine Rentenversicherung der Allianz lohnt sich.“

Zinssenkungen liegen bei den Lebensversicherern derzeit im Trend. Nach einer Untersuchung des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online dürften auch im nächsten Jahr die Zinsen bei einem großen Teil der Versicherten sinken. 39 von 43 Versicherern, die bis jetzt ihre Überschussbeteiligung für 2015 veröffentlicht haben, senken ihre Zinsen. Vier Versicherer lassen die Sätze konstant.

Kein Versicherer erhöht die Zinsen für das nächste Jahr. „Diese erste Indikation erlaubt Rückschlüsse auf die Zinssaison 2015 der Versicherer“, sagt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. „Der Zinstrend geht nach unten.“

Die Studie deckt – nach Bruttobeiträgen gerechnet – 75 Prozent des Marktes ab. „Im Schnitt liegt die Überschussbeteiligung der Gesellschaften, die bislang gemeldet haben bei 3,19 Prozent, das Minus beträgt 0,18 Punkte“, sagt Geiberger.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Damit setzt sich ein langjähriger Trend sinkender Zinsen fort. Im vergangenen Jahr lag die laufende Verzinsung im Schnitt bei 3,37 Prozent, 2013 noch bei 3,58 Prozent. Vor zehn Jahren konnten sich Versicherte noch über 4,3 Prozent freuen (siehe Tabelle am Ende des Artikels). „Angesichts der Lage an den Finanzmärkten schlagen sich viele Gesellschaften aber noch recht wacker“, sagt Geiberger.

Die Lebensversicherer investieren vor allem in konservative Zinspapiere wie Anleihen oder Pfandbriefen. Die Renditen dieser Finanzprodukte waren in den vergangenen Jahren stark rückläufig. Die Zinsen für zehnjährige Bundesanleihen liegen aktuell bei 0,6 Prozent per annum. Viele Anleihen, die in der Hochzinsphase vor einigen Jahren abgeschlossen wurden, laufen in der Zukunft aus.

In den Beständen der Gesellschaften befinden sich noch zahlreiche Verträge aus der Hochzinsphase, die mit Garantiezinsen von bis zu vier Prozent ausgestattet sind. Viele Versicherer dürften deshalb schon jetzt ihre Reserven angreifen. „Der Trend der niedrigen Zinsen wird sich fortsetzen“, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Die Lebensversicherer werden sich sukzessive mit langlaufenden Niedrigzinsanleihen vollpumpen“.

Verbraucherschützer sehen Lebenspolicen auch wegen der sinkenden Renditen kritisch. „Kapitallebensversicherungen empfehlen wir seit Jahren praktisch überhaupt nicht mehr“, sagt Michael Wortberg, Referent Versicherungen bei der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. „Vom Abschluss einer Kapitallebensversicherung raten wir vor allem vor dem Hintergrund des niedrigen Garantiezinses und mangels Steuervorteile ab“, sagt Rita Reichard, Versicherungsexpertin der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. „Eine Kapitallebensversicherung kann je nach Lebenssituation allenfalls im Rahmen einer betrieblichen Altersversorgung, zum Beispiel als Direktversicherung, sinnvoll sein“.

Kommentare (8)

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Herr M. M.

19.12.2014, 12:11 Uhr

Wie schön für die ALLIANZ,dass sie Marktführer ist,da kann man es sich anscheinend leisten die Überschußbeteiligung zu senken und gleichzeitig die Dividende zu erhöhen.
Bestraft werden immer die Kunden,die schon einen Vertrag haben.Also Augen auf!

Herr Rainer P.

19.12.2014, 12:45 Uhr

Oder zusätzlich zur Versicherung die Aktien der Allianz kaufen? Oder nur die Aktien kaufen....????

Herr Helmut Paulsen

19.12.2014, 12:56 Uhr

Austreten aus der Ev. Kirche, denn die ist unterwandert mit Gutmenschen, die nur unser Geld wollen um uns Deutsche weiter abzuschaffen.

Legt das Geld unters Kopfkissen als "Renten-Ergänzung", korrupte Entwicklungsgelder gibt es auch so genug die Deutschland in der Welt verteilt.

Geistlich ist die Kirche in Deutschland schon lange nicht mehr - nur ein "Toleranz-Lernverein" bis zu unserem Untergang.

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