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28.01.2016

15:18 Uhr

Lebensversicherung

Rendite auf Talfahrt

VonKerstin Leitel

Kunden von Lebensversicherungen bekommen immer weniger Geld. Die Versicherer ächzen unter den niedrigen Zinsen und gesetzlichen Sicherheitsanforderungen. Neue Produkte sollen helfen.

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch? Getty Images

Sparschwein

Die Zinsen sind im Keller. Lohnt Sparen noch?

Schlechte Nachrichten für Lebensversicherungskunden – mal wieder: Die Versicherer teilen ihren Kunden für das laufende Jahr im Schnitt eine Verzinsung von gerade einmal 2,86 Prozent zu, ein „historischer Tiefstand“ und deutlich weniger als im Vorjahr wie die Ratingagentur Assekurata am Dienstag mitteilte.

Zum vierzehnten Mal in Folge haben die auf Versicherungen spezialisierten Experten aus Köln die Angaben von 62 deutschen Lebensversicherern ausgewertet. Das Ergebnis dieser Studie dürfte Lebensversicherungskunden, die in der Vergangenheit mit der Aussicht auf hohe Renditen geködert wurden, nicht gefallen: Die Rendite sinkt immer weiter. Und Besserung ist nicht in Sicht.

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Die Rendite einer klassischen Lebensversicherung setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Dem Garantiezins sowie – wenn man nicht kündigt – eben die laufende Verzinsung, Anteile an den Bewertungsreserven und Schlussgewinne. Allerdings ziehen die Versicherer gleichzeitig auch Geld für ihre Kosten und die Provision ab.

Im Schnitt liegt die Rendite einer Lebensversicherung – ganz gleich, wann sie abgeschlossen wurde und egal ob eine Kapitallebensversicherung, eine Riester-Rente oder eine Basis-Rente – aktuell bei 3,11 Prozent. Im Vorjahr lag dieser Durchschnitt noch bei 3,32 Prozent, wie Assekurata ausgerechnet hat.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Die höchste laufende Verzinsung für 2016 bekommen die Kunden von Ideal Leben gutgeschrieben mit 3,7 Prozent, die der myLife mit 3,35 Prozent und die der Neue Bayerische Beamten mit 3,30 Prozent. Am wenigsten erhalten die Kunden der HDI Leben mit 2,20 Prozent, der Swiss Life mit 2,25 Prozent und der Öffentlichen Leben Berlin-Brandenburg mit 2,40 Prozent.

Allerdings ist die laufende Verzinsung nur eine Momentaufnahme, warnt Assekurata vor übereilten Reaktionen auf diese Zahlen. Manch eine Gesellschaft, die im vergangenen Jahr noch die Ausschüttungen stabil hielt, musste nun umso deutlicher absenken. 55 Versicherer schreiben ihren Kunden weniger als im Vorjahr gut, nur vier Unternehmen hielten die Ausschüttungen stabil. Kein einziger Anbieter zahlte mehr aus.

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