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30.01.2015

07:34 Uhr

Lebensversicherung und Altersvorsorge

Schwere Vorwürfe gegen die Lebensversicherer

VonJens Hagen

Eine aktuelle Analyse zeigt, wie die Renditen der Lebenspolicen dahinschmelzen. Ein anderer Vergleich wirft der Branche vor, die Kunden nicht angemessen an den Erträgen zu beteiligen. Ein hitziger Streit ist entbrannt.

Sparer müssen sich wegen der sinkenden Zinsen mit niedrigeren Renditen begnügen. dpa

Lebensversicherung

Sparer müssen sich wegen der sinkenden Zinsen mit niedrigeren Renditen begnügen.

An schlechte Nachrichten haben sich viele Lebensversicherte mittlerweile gewöhnt. Auf der jährlichen Konferenz zu den Zinsen der deutschen Lebensversicherer konnte Reiner Will, Geschäftsführer des Analysehauses Assekurata, noch einige neue hinzufügen. Nicht nur der Garantiezins und die laufende Verzinsung sinken.

Auch die garantierten Beitragsrenditen, die darstellen was Versicherte nach Kosten mit ihrer Police mindestens erzielen, brechen ein. Ein Mustervertrag, den Assekurata jährlich berechnet, bringt nur noch 0,42 Prozent. Im Vorjahr waren es noch 0,92 Prozent. „Gemessen an der 2014 gesunkenen Inflationsrate von 0,90 Prozent können nur noch vier Lebensversicherer nach 25 Jahren auf Basis der Garantie einen realen Kapitalerhalt herstellen“, erklären die Analysten in ihrem Report.

Die größten Zinssenker bei Lebenpolicen 2015

DANV

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Ergo

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Concordia

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

DEVK-Allgemeine

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

VHV Leben

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Das bedeutet: Wenn die Inflationsrate wie im Vorjahr: 1,50 Prozent betragen würde, könnte kein Versicherter mit seinem langlaufenden Verträgen einen garantierten Gewinn machen, der über der Inflation liegt. Und das bedeutet auch: Bei Verträgen mit sehr kurzen Laufzeiten, könnte das trotz eines Garantiezinses von 1,25 Prozent bei einigen Versicherern bald zu negativen Beitragsgarantien führen, wenn es keine Überschüsse geben sollte.

Auch inklusive aller in diesem Jahr von den Versicherern deklarierten Überschüsse sinken die Renditen, bei dem Mustervertrag von Assekurata um 0,28 Prozent auf 2,87 Prozent. Das ist zwar mehr als andere konservative Sparprodukte, aber zu wenig, um Kunden einen Abschluss dieses wenig flexiblen Finanzprodukts wirklich schmackhaft zu machen.

Die Musterpolice des besten Versicherers rentiert mit 3,99 Prozent. Der schlechteste Versicherer gewährt nur 1,93 Prozent auf die Beiträge. „Der erneute Rückgang und das absolute Niveau der Beitragsrenditen stellen das klassische Neugeschäft der Lebensversicherer weiterhin vor große Herausforderungen“, sagt Will.

Und auch in der Zukunft wird es schlechter. Für die Deklarationsrunde im nächsten Jahr erwartet Assekurata keine Trendumkehr. „Eine Zinswende an den Kapitalmärkten ist nicht zu erkennen“, sagt Will. Der steigende Ergebnisdruck der Gesellschaften durch weiter wachsende Aufwendungen für die Zinszusatzreserve und die Einführung von Solvency II im Januar 2016 setze die Lebensversicherer im Hinblick auf eine stärkere Eigenmittelbildung zusätzlich unter Druck. „Es bleibt spannend“, sagt Will.

Kommentare (5)

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Herr Achim Zynn

29.01.2015, 20:45 Uhr

Gefallen tu mir die Minizinsen auch nicht. Wer aber eine Renten- oder Lebensversicherung nur wegen des Garantiezinses abschließt, denkt sowieso ein bisschen zu kurz. Denn zum Glück liegt die Gesamtverzinsung bei vielen Versicherern noch deutlich darüber. Außerdem steckt zum Beispiel hinter einer Rentenversicherung auch immer der Zusatz, gegen das "Risiko" der Langlebigkeit abgesichert zu sein. Also eine Wette auf ein langes Leben. Das hat für den gesunden MIttvierziger von heute durchaus Vorteile.

Herr Josef Hirsepp

30.01.2015, 09:53 Uhr

Ja: die Versicherungen schroepfen ueber Abschlussgebuehren, sonstige Gebuehren, Vertreter-Provisionen ebenso die Versicherten wie mit der geringen Rendite & Gewinnbeteiligung!
Denn diese Rendite landet vorab in den Taschen der Aktionaere, jaehrlich, ehrlich, transparent.

Die Magermilch, die bleibt fuer die doofen, risikoscheuen Versicherten!


Herr Arndt Hagen

30.01.2015, 12:27 Uhr

Lieber Herr Hirsepp, wenn die Versicherer Gebühren schröpfen, dann darf ich doch davon ausgehen, dass Sie für Ihre Arbeit sicher kein Geld verlangen, oder? Wenn nein, dann sparen Sie sich bitte die Polemik. Wissen Sie eigentlich, was Ihr Fahrrad-, Auto-, oder Möbelhändler so an Kosten oder Gewinn auf den Einkaufspreis schlägt? Glauben Sie ernsthaft, die genannten Branchen würden sie mit so popeligen Margen, wie bei Lebensversicherungsprodukten begnügen?

Nicht wenige Lebensversicherer bieten übrigens nach Abzug aller Kosten heute immer noch eine Verzinsung mit einer Drei vor dem Komma. Nicht schlecht im Vergleich zu anderen Anlageformen.
Ihre Behauptung zur geringen Rendite und dem Geld, das in den Taschen der bösen Aktionären landet, hat schon etwas komisches. Viele der guten Lebensversicherer haben nämlich gar keine Aktionäre, sondern sind Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit.

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