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11.03.2014

11:44 Uhr

Lebensversicherung

Versicherte werden noch einmal zur Kasse gebeten

Verbraucherschützer und Opposition lehnen das Reformvorhaben der Bundesregierung für Lebensversicherer als ungerecht ab. Der Bund der Versicherten spricht von einem Schlag in das Gesicht der Verbraucher.

Die Niedrigzinsphase tauge als Begründung für die Lebensversicherung-Gesetzgebung nicht, so der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick. dpa

Die Niedrigzinsphase tauge als Begründung für die Lebensversicherung-Gesetzgebung nicht, so der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick.

BerlinDas geplante Reformpaket der Bundesregierung für Lebensversicherer steht in der Kritik. Das Vorhaben sei ein Schlag in das Gesicht der Verbraucher, sagte der Vorstandssprecher des Bundes der Versicherten, Axel Kleinlein, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

„Nicht den Versicherern geht es schlecht, sondern den Kunden“, sagte Kleinlein. Besonders ungerecht sei, dass die Hilfen für die Branche offenbar noch am Tag der Beschlussfassung im Kabinett in Kraft treten sollten. Die Versicherten hätten dann keine Chance mehr, die bisher geltende hälftige Beteiligung an den Bewertungsreserven durch eine vorzeitige Kündigung zu retten. Für eine Regierung, die sich den Verbraucherschutz auf die Fahne geschrieben habe, sei ein solches Vorgehen „ein Unding“.

Der Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick sagte der „Rheinischen Post“, die Niedrigzinsphase tauge als Begründung für die Gesetzgebung nicht, wenn viele Unternehmen gut dastünden und nur wenige wegen zu hoher Zinsversprechen Probleme hätten. Wenn überhaupt, könne es Kürzungen für Kunden bei den stillen Reserven nur geben, wenn sichergestellt sei, dass deren Einbehalten wirklich dem Versichertenkollektiv zugutekomme und nicht dem Unternehmen zur Ankurbelung des Neugeschäfts diene.

Die Grünen warnten die Bundesregierung zudem, "mit ein paar Tricks" die Kunden der Lebensversicherungs-Branche "faktisch um Milliardenbeträge zu bringen". Renate Künast, Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Recht und Verbraucherschutz, sagte der "Leipziger Volkszeitung": "Dieses Paket hat nicht das Ziel, den versicherten Verbrauchern zu helfen, sondern hier wird eine Branche finanziell bedient."

Die Regierung verteidigte dagegen ihre Pläne. "Das Bundesfinanzministerium strebt eine langfristige und umfassende Stabilisierung der Lebensversicherungen an", sagte Staatssekretär Michael Meister (CDU). Damit solle ein "fairer Ausgleich" zwischen den Versicherten erreicht werden. Dazu könnten Insidern zufolge auch der Garantiezins gekappt und die Provisionen für die Vermittler gedeckelt werden. Eine Sprecherin des Ministeriums sagte, es gebe noch keinen Zeitplan für eine Gesetzesvorlage. In Koalitionskreisen hieß es, der Entwurf werde möglicherweise nicht mehr im März kommen.

Wie entstehen Bewertungsreserven?

Anlage

Die Kapitalanlagen der Lebensversicherer sind im Wesentlichen in festverzinsliche Wertpapiere investiert, weitere Anlageklassen sind Immobilien, Aktien und Beteiligungen. Für den Großteil dieser Wertpapiere wird an jedem Handelstag an der Börse ein Kurs ermittelt.

Quelle: GDV

Stille Reserven

Bewertungsreserven entstehen, wenn der Zeitwert oberhalb des Buchwertes liegt; liegt der Zeitwert unterhalb des Buchwertes, entstehen wiederum stille Lasten.

Veröffentlichung

Es ist gesetzlich festgelegt, dass die Unternehmen einmal im Jahr die Höhe der gesamten Bewertungsreserven ermitteln und veröffentlichen müssen.

Berechnung

Ausgehend von diesem Gesamtwert wird der Anteil, mit welchem jeder einzelne Vertrag an den Bewertungsreserven beteiligt wird, ermittelt. Versicherungsverträge enden in der Regel zum Monats- oder Quartalsende. Deshalb ist es durchaus gängige Praxis, diese Werte monatlich zu berechnen.

Mitteilung

Die Versicherten können der Jahresmitteilung den aktuellen Stand entnehmen, wie sie an den Bewertungsreserven beteiligt sind. Die konkrete Aufschlüsselung der (prognostizierten) Auszahlung hängt vom Unternehmen ab.

Vom Wert zum Gewinn

Die Höhe der Bewertungsreserven kann sich täglich verändern. Die Reserven werden erst bei einem Verkauf der Wertpapiere realisiert. Erst dann werden aus Buchgewinnen Erträge. 

Der größte deutsche Lebensversicherer, die Allianz, sieht das Paket positiv. "Ich hoffe sehr, dass wir die Änderung bekommen", sagte Allianz-Leben-Chef Markus Faulhaber am Dienstag in Unterföhring bei München. "Das Produkt würde langfristig geschädigt werden, wenn wir die Überschüsse so wie heute nicht gerecht zwischen den verschiedenen Versicherungsnehmer-Gruppen verteilen würden", sagte Faulhaber.

Kommentare (20)

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11.03.2014, 09:19 Uhr

Finger weg von den Bewertungsreserven bei Altverträgen (Vertrauensschutz); es muß seitens der Politik strikt unterbunden werden, dass Lebensversicherungen sich auf Kosten der Altkunden bereichern !!

Account gelöscht!

11.03.2014, 09:40 Uhr

"Das Geld kommt also nur jenen Kunden zu Gute, deren Verträge jetzt auslaufen oder die kündigen."

Genau diesen Satz sollte man genaustens lesen, bevor man von "Ungerechtigkeit" spricht.

Account gelöscht!

11.03.2014, 09:44 Uhr

Liebe Bürger, IHR habt Mehr EU gewählt,
also wird dafür nun auch geblutet.....
was dachtet ihr den ?

goggelt mal "Lastenausgleich"......

ist ja nicht so als wenn man den D noch nie das Fell über die Ohren gezogen hätte......

und so wie die Politische lage ist wird es in D am wenigsten Geschnatter geben wenn man die Gans Rupft,,,^^

sind ja keine Franzosen die direkt Paris stilllegen..^^

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