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15.01.2015

15:28 Uhr

Lebensversicherung

Was Ihr Versicherer noch zahlt

VonJens Hagen

Das Jahr 2015 markiert einen neuen Tiefpunkt in der privaten Altersvorsorge. Der Garantiezins sinkt, die Überschussbeteiligungen meistens ebenfalls. Eine Analyse aller Gesellschaften zeigt, wo es noch faire Zinsen gibt.

Blick ihn die Geldbörse: Die Zinsen für Lebenpolicen sinken. Getty Images

Blick ihn die Geldbörse: Die Zinsen für Lebenpolicen sinken.

DüsseldorfKnapp zwei Wochen ist die letzte Senkung des Garantiezinses her, da steht die Höhe des garantierten Mindestzinses, der für neue Lebensversicherungsverträge gilt, schon wieder zur Disposition. In den nächsten Wochen berät das Gremium der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV), ob die aktuell 1,25 Prozent auch noch im Jahr 2016 Bestand haben soll. Ende des Monats gibt der Verein mit Sitz in Köln eine Empfehlung für die Bundesregierung.

Die Branche wehrte sich schon gegen die letzte Senkung des Garantiezinses um 0,5 Prozentpunkte. Jetzt hoffen die Versicherer, dass es in den nächsten Jahren nicht noch weiter runtergeht. „Der Branche ist daran gelegen, dass die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge am Ende der Vertragslaufzeit erreicht wird“, sagt Stephan Kalb, Teamleiter der deutschen Versicherungsanalyse bei der Ratingagentur Fitch. „Bei einem Rechnungszins unter 1,0 Prozent wird das sehr schwierig.“ Abzüglich Kosten könnten die garantierten Gesamtrenditen bei Policen mit kurzer Laufzeit dann schnell unter Null liegen.

Eine Änderung des Garantiezinses vor 2017 hält der Versicherungsexperte für unwahrscheinlich, in der Vergangenheit sei der Zins maximal alle drei Jahre angepasst worden. Der Aufwand für die Umstellung der IT bei den Versicherern ist hoch.

2015 könnte eine Zeitenwende für die Lebensversicherer einleiten. Denn nicht nur der Garantiezins sinkt in diesem Jahr auf 1,25 Prozent. Die Mehrzahl der Versicherer kappen auch ihre Überschussbeteiligungen. Nach einer Studie des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online lassen nur 12 von 70 untersuchten Gesellschaften ihre Zinsen konstant. Keine Gesellschaft erhöht ihre laufende Verzinsung.

Die größten Zinssenker bei Lebenpolicen 2015

DANV

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Ergo

Überschussbeteiligung 2015: 2,70 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,20 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Concordia

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

DEVK-Allgemeine

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

VHV Leben

Überschussbeteiligung 2015: 3,00 Prozent
Überschussbeteiligung 2014: 3,50 Prozent
Differenz: 0,50 Prozent

Experten schlagen Alarm. „Neben weiteren Überschüssen etwa am Ende der Vertragslaufzeit und den Kosten für Abschluss und Verwaltung sind vor allem die Höhe der jährlichen Überschussbeteiligungen entscheidend für die Rendite einer Police“, erklärt Joachim Geiberger, Geschäftsführer von Morgen & Morgen. Die Leser können die Überschussbeteiligungen für ihre Lebensversicherer in einer großen Tabelle am Ende des Artikels finden.

Der Blick auf die Ergebnisse zeigt, wie hart das Zinstief einige Gesellschaften und ihre Kunden trifft. Bei elf Versicherern sank die laufende Verzinsung auf weniger als drei Prozent. Der Versicherer HDI – mit Bruttobeiträgen von 2,2 Milliarden Euro im Jahr 2013 einer der großen der Branche - senkte die Überschussbeteiligung um 0,5 Prozentpunkte auf jetzt nur noch 2,5 Prozent. Die noch größere Ergo senkte ebenfalls um einen halben Prozentpunkt auf 2,7 Prozent. Bei dem Sparkassenversicherer SV Leben ging es um 0,3 Prozentpunkte runter auf 2,75 Prozent.

Kommentare (8)

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Herr Manfred Zimmer

15.01.2015, 15:42 Uhr

"Das Jahr 2015 markiert einen neuen Tiefpunkt in der privaten Altersvorsorge. Der Garantiezins sinkt, die Überschussbeteiligungen meistens ebenfalls."

Das ist nicht der Tiefpunkt. Tiefpunkt war die Enteignung der Lebensversicherten nach dem Lebensversicherungsreformgesetz, in dem auf Betreiben der Präsidentin der BAFin, Frau König, auf "legale" Weise ihrer Bewertungsreserven beraubt wurden.

Rechtssicherheit in Deutschland, wie Frau Merkel und Herr Gauck sie vom Ausland gerne einfordern, in Deutschland, weit gefehlt.

80 Mrd. € seien es gewesen, für die die das Thema nicht verfolgt haben.

Herr Achim Hülsbruch

16.01.2015, 11:21 Uhr

Sehr geehrter Herr Zimmer ! Haben Sie sich einmal mit der Farge beschäftigt, was sich hinter dem Begriff "Bewertungsreserven" tatsächlich verbirgt ? Wahrscheinlich nicht, denn dann würden Sie verstehen, dass man Kunden nicht an etwas beteiligen kann, was an Gewinnen gar nicht realisiert worden ist. Kursgewinne die nicht durch Verkauf realisiert werden, stehen auf dem Papier. Sonst nichts. Was würden Sie sagen wenn Sie ein Wertpapier, welches Sie halten, im Kurs steigt und der Fiskus würde Sie auffordern, diesen Kursgewinn (!!!) - den Sie aber nicht realisiert haben - versteuern sollen. Fänden Sie das gerecht und zielführend ? Die Beteiligung an den Bewertungsreserven war von Anfang an Unfug.

Herr Manfred Zimmer

16.01.2015, 13:59 Uhr

Sehr geehrter Herr Hülsbruch!
Vielleicht habe ich in diesem Thema mehr Erfahrung als Sie sich in Ihrem restlichen Leben noch aneignen können.

Wenn ich Sie korrekt einschätze, dann sind Sie nicht unerfahren in der Versicherungsbranche tätig. Die dortigen Bewertungsmethoden, wenn man sie als solche bezeichnen will, sind Ihnen nicht fremd.

Ihre Argumentation entspricht der Denke zum HGB aus dem Jahr 1933. Ein damals gebräuchlicher Ansatz, dem ich für die damalige Zeit Respekt zolle.

Kernpunkt der Überlegung war damals eine Bewertung, speziell einer steuerrechtlichen Bewertung, zu finden, unter der Prämisse der Unternehmensfortführung. Diese Annahme ist aber bezogen auf dieses Problem, der in diesem Prozess ausscheidender Mitglieder, nicht sachgerecht. Damit ergibt sich die Notwendigkeit der/einer gerechten Vermögensaufteilung.

Die Enteignund der Lebensversicherten zum Fälligkeitszeitpunkt um ihre anteiligen Bewertungsreserven entspricht eher sozialistischer als sozialer marktwirtschaftlichen Denke. Sie erfüllt m.E. sogar den Tatbestand der Untreue.

Um diesem Vorwurf zu entgegnen wurde eigens ein Gesetz, das Lebensversicherungsreformgesetz, geschaffen. Es war m.E. dringend notwendig, um künftige Klagen im Kern abzuwehren. Was vom Gesetz legalisiert wurde, kann von Richtern nicht mehr sanktioniert werden. Ein alt bekannter Trick. Selbst das Bundesverfassungsgericht kann nicht mehr über diese Hürde springen.

Genial, wenn man auf der anderen Seite sitzt.

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