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25.09.2013

15:59 Uhr

Lebensversicherung

Wem die Kunden weglaufen

VonThomas Schmitt

Mehrere Millionen Kunden kündigen jedes Jahr ihre Lebensversicherung. Doch nicht alle Versicherer sind gleich stark von der Welle betroffen. Mit wem die Versicherten zufrieden sind und bei wem sie sich oft verabschieden.

Mehrere Millionen Deutsche kündigen jährlich ihre Lebensversicherung. Das lohnt sich meist nicht. dpa

Mehrere Millionen Deutsche kündigen jährlich ihre Lebensversicherung. Das lohnt sich meist nicht.

DüsseldorfKleine Zahlen haben oft eine große Bedeutung. In der Lebensversicherung ist die Stornoquote ein Beispiel dafür. Sie gibt jenen der Teil der Kunden an, die ihren Vertrag gekündigt haben. 3,48 Prozent betrug sie 2012. Das sei so niedrig wie seit zwei Jahrzehnten nicht mehr, sind die Versicherer stolz. Allerdings erschließt sich die wahre Dimension der Kennziffer erst auf den zweiten Blick.

Grundsätzlich sollten Sparer Lebensversicherungen nicht kündigen, weil man dabei draufzahlt. Doch tatsächlich passiert dies öfter als gedacht. Denn der Bestand ist mit rund 90 Millionen Verträgen riesengroß – und die Lebensverhältnisse können sich schnell ändern. Selbst wenn nur drei bis vier Prozent der Verträge aufgelöst werden, sind das mehr als drei Millionen im Jahr.

Summiert man das Storno auf, so haben die Versicherten seit der Jahrtausendwende mehr als 40 Millionen Verträge bei ihren Lebensversicherern gekündigt. Ähnlich gewaltig sind die Geldsummen, um die es hier geht. Immerhin 14,4 Milliarden Euro zahlten die Versicherer im vergangenen Jahr vorzeitig zurück. Das sind knapp ein Fünftel der gesamten Auszahlungen im Jahr 2012.

Alternativen zur Kündigung der Lebensversicherung

Durchhalten

Die Kündigung ist oft die schlechteste Lösung, wenn man eine Lebensversicherung hat. Kunden, die ihren Vertrag bis zum Ende der Laufzeit durchhalten und am Ende den Schlussgewinnanteil einstreichen wollen, haben einige andere Möglichkeiten, um Geld zu sparen. Dies gilt auch für diejenigen, die kurzfristig Geld brauchen.
Quelle: Stiftung Warentest / Finanztest

Darlehen

Der Versicherer gewährt meist ein Policendarlehen bis zur Höhe des aktuellen Rückkaufswerts. Es kann jederzeit ohne Einhaltung einer Frist getilgt werden und muss spätestens bei Ablauf oder im Leistungsfall zurückgezahlt werden. Der Zins für das Darlehen ist jedoch deutlich höher als die Verzinsung der Police selbst. Es lohnt sich deshalb oft nur bei einer kurzen Laufzeit, etwa wenn noch drei bis vier Jahre bis zum Ende der Laufzeit der Lebensversicherung überbrückt werden sollen.

Beitragsfrei

Kunden, denen die Beitragslast zu schwer wird, können ihren Vertrag beitragsfrei stellen. Dann wird er auf dem erreichten Niveau eingefroren, der Kunde wird aber weiter an Überschüssen beteiligt. Das wäre ein sogenannter halber Ausstieg.

Dynamik

Bei einem dynamischen Vertrag steigen die Beiträge in regelmäßigen Abständen, meist von Jahr zu Jahr. Dies erhöht zwar den Versicherungsschutz, kostet aber Geld. Es werden jedes Jahr zusätzliche Abschlusskosten fällig.

Zahlungsweise

Schaffen Kunden es nicht mehr, ihren Jahresbeitrag in einer Summe zu zahlen, können sie ihren Vertrag auch auf monatliche Raten umstellen. Dafür müssen sie aber zusätzliche Kosten in Höhe von meist 5 Prozent des Jahresbeitrags in Kauf nehmen.

Seit 2000 haben die Lebensversicherer sogar knapp 160 Milliarden Euro vorzeitig an ihre Kunden ausgezahlt, wie Statistiken des Branchenverbandes GDV zeigen. Das waren im Schnitt gut 18 Prozent der gesamten Auszahlungen an Kunden. Diese Quote schwankte dabei in diesem langfristigen Betrachtungszeitraum recht stabil zwischen 16 und 20 Prozent.

Allerdings sind die Lebensversicherer sehr unterschiedlich von dieser Kündigungswelle betroffen. Einige wenige erreichen Stornoquoten von mehr als zehn Prozent. Viele Unternehmen liegen mittel- und langfristig auch über sechs Prozent, also deutlich über dem Branchenschnitt, wie eine Analyse des „Map-Reports“ ergab.

Für Kunden ist es wichtig, diese Unterschiede zu beachten. Denn Versicherer mit wenigen Kündigungen sind offenbar gut in der Lage, auf die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Klientel einzugehen. Gemeinhin gilt eine niedrige Stornoquote daher als indirekter Hinweis auf die Qualität des Versicherers und seiner Verkäufer.

Kommentare (14)

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someone

25.09.2013, 18:24 Uhr

Kein Wunder, die BAYERN-Versicherung (Versicherungskammer BAYERN VKB) hatte knapp EUR 30 TSD mehr versprochen, als sie in Folge halten wollte...

Kurios: Risiken können Sie kalkulieren, Ablaufleistungen nicht! Von daher kann ich den Versicherer der Spaßkassen nicht weiterempfehlen im Gegenteil!

TRAU SCHAU WEM KEINER SPAßKASSE ODER BLAUEM VERSICHERER (dort ist übrigens bald die komplette Ex-Allianz.Mannschaft zu finden... und deren Methoden). Ehemalige Vertriebs-Ltr die weg. angebl. Krankheit ausgeschieden sind, leiten heute einen Hundeverein und geben Treppenausstellungen...

Mazi

25.09.2013, 20:04 Uhr

Im normalen Geschäftsverkehr verstoßen Geschäfte gegen die guten Sitten, wenn einer Leistung keine angemessene Gegenleistung gegenüber steht.

Bei Versicherungen ist dies schon seit langem so.

Eine Bank erstellt über jede Kontobewegung eine Buchung. Versicherung haben dies noch nie getan, dem Kunden nie einen Einblick in seine Kontenbewegungen gegeben, die staatliche Aufsicht noch nie de Interessen des Versicherungsnehmers vertreten.

Es gibt viel zu tun. Lassen Sie uns das Leben genießen, lassen wir die Arbeit weiterhin liegen. Hauptsache die Diäten und Pensionen stimmen und kommen pünktlich.

icke

25.09.2013, 20:51 Uhr

Ich finde LVen gut, sie gehören in jedes Depot. Und die angeblich so schlechte Rendite ist beim näheren Hinsehen doch attraktiv - wo sonst bekomme ich diese Verzinsung bei gleichem Risiko? Meine Vorredner sollten etwas mehr Geschlechtsverkehr haben, dann ist die Stimmung auch besser.

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