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29.08.2013

12:32 Uhr

Lebensversicherungen

„Als Altersvorsorge nicht geeignet“

Ein Vergleich von Lebenspolicen zeigt: Die Verträge bieten schwache Renditen und hohe Kosten. In fast allen Fällen sollen sogar Bundesanleihen bessere Erträge bieten. Die Tester stellen die Grundsatzfrage.

Antrag für eine Lebensversicherung: Ein Vergleich zeigt schwache Renditen und hohe Kosten. dpa

Antrag für eine Lebensversicherung: Ein Vergleich zeigt schwache Renditen und hohe Kosten.

Ein kleines Magazin schafft es immer wieder, die scheinbar so wichtige Versicherungslobby bis zur Weißglut zu reizen. Das Magazin, das laut eigener Website nicht einmal 60.000 Abonnementen zählt, veröffentlicht in loser Reihe Vergleiche von Lebens- und Rentenversicherungen.

Die Ergebnisse ähneln sich: Egal ob Riester-, Renten- oder Lebenpolicen – die Produkte auf dem Markt taugen nichts. Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) gibt daraufhin regelmäßig Mitteilungen heraus, die den Testern „Objektivität und Seriösität“ absprechen.   

Auch diesmal ist das Urteil in dem Artikel der nächsten Ausgabe des Magazins, der Handelsblatt Online bereits vor dem Erscheinen am Freitag vorab vorliegt, klar und deutlich. „Zur Altersvorsorge taugen Kapitallebenversicherungen nicht. Schließen Sie daher keinen Neuvertrag ab“, lautet der Ratschlag an die Leser.

Das Magazin hat eine Stichprobe von 76 abgelaufenen Kapitallebensversicherungen und sieben Rentenversicherungen untersucht, die zwischen 1963 bis 2001 abgeschlossen worden waren. Die Verträge lieferte die Verbraucherzentrale Hamburg. Der ehemalige Geschäftsführer des Bundes der Versicherten und jetzige Handelsblatt-Online-Kolumnist Axel Kleinlein half dem Magazin bei der Berechnung der Renditen.

Was Lebensversicherte wissen sollten

Wie hoch ist der Garantiezins?

1,25 Prozent – so viel (oder wenig) Verzinsung garantieren deutsche Lebensversicherer Neukunden ab dem 1.1.2015. Zuvor lag der Garantiezins noch bei 1,75 Prozent (ab 2012) beziehungsweise 2,25 Prozent (ab 2007). Bei Abschluss zwischen 2004 und 2006 lag der Satz bei 2,75 Prozent. Versicherte, die zwischen den Juli 2000 und Ende 2003 abgeschlossen haben, können mit einem Garantiezins von 3,25 Prozent rechnen. Zwischen Juli 1994 und Juni 2000 betrug der Garantiezins noch vier Prozent.

Warum wurde der Garantiezins gesenkt?

Die Höhe des Garantiezinses wird regelmäßig  vom Bundesfinanzministerium überprüft. Der Satz darf nicht mehr als 60 Prozent des Mittelwertes des Anleihezinses der vergangenen zehn Jahre betragen. Wegen des aktuell niedrigen Zinsumfeldes war der bisherige Satz nicht mehr haltbar.

Wie wirkt die Absenkung auf die Rendite?

Der Garantiezins wird nicht für die Beiträge, sondern nur für den Sparanteil gewährt. Damit liegt die Beitragsrendite bezogen auf den Garantiezins ab 2012 je nach Kostenquote der Versicherer aber deutlich unter 1,75 Prozent. Ein Inflationsausgleich durch den Garantiezins wird gleichzeitig schwerer. Versicherte müssen daher auf eine attraktive Gewinnbeteiligung der Gesellschaften hoffen.

Was bestimmt neben dem Garantiezins die Rendite einer Police?

Neben dem Garantiezins bestimmt vor allem die Überschussbeteiligung die Rendite. Auch dieser Satz sinkt. Für die Jahre 2012, 2013, 2014 und 2015 senkten die meisten Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung. Wenn der Vertrag endet, kommen noch ein Schlussbonus und eine Beteiligung an den stillen Reserven hinzu. Aus diesen Werten ergibt sich die Gesamtverzinsung.

Welche Rolle spielen die Kosten?

Die Verzinsung bezieht sich nur auf den Sparanteil der Beiträge. Was letztlich übrig bleibt, hängt daher auch an den Kosten für Abschluss und Verwaltung. In Zukunft wird die Auswahl kostengünstiger Versicherer noch wichtiger.

 

Welche Auswirkungen hat die Garantiezinssenkung für Bestandskunden?

Keine. Die höheren Garantiezinsen aus alten Verträgen gelten weiter.

Was hält die Branche von der Senkung?

Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) erklärt zur Absenkung des Garantiezinses auf 1,25 Prozent: „Sie sollten ihre Entscheidung, ob sie in Form einer Kapitallebensversicherung, einer privaten Rentenversicherung oder einer Riester-Rente die immer wichtiger werdende ergänzende Altersversorgung betreiben, nicht von der Höhe des „Garantiezinses“ abhängig machen. Vielmehr bleibt die Lebensversicherung auch nach einer möglichen Absenkung des „Garantiezinses“ attraktiv. Sie kombiniert neben Sicherheit und Rendite auch Risikoschutz und die Möglichkeit einer lebenslangen Rente, egal wie alt man wird.“

Droht in Zukunft eine weitere Senkung?

Das steht erst einmal nicht zur Debatte, kann aber langfristig angesichts des niedrigen Zinsniveaus nicht ausgeschlossen werden.

Ist der Abschluss einer Lebensversicherung noch attraktiv?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten. Für risikoscheue Sparer kann der Abschluss trotz niedriger Renditen weiterhin attraktiv bleiben. Die Kosten müssen allerdings niedrig sein, die Verzinsung hoch und die bilanzielle Situation der Gesellschaft stabil. Die grundsätzlichen Nachteile bleiben aber. Bei einer vorzeitigen Kündigung verschenken Kunden in der Regel viel Geld. Die Produkte bleiben im Vertrieb häufig intransparent, das gilt auch für die Kosten.

Auch für die Anlagepolitik der Gesellschaften können wegen der Finanzkrise ungeahnte Risiken entstehen, etwa bei einer Ausfallwelle am Anleihemarkt. Eine steigende Inflation ist wegen der niedrigen Verzinsung und der mangelnden Flexibilität ebenfalls Gift für die Versicherten. 

Auch wenn es sich nicht um eine repräsentative Untersuchung handelt, ist das Ergebnis für die Sparer bitter. Die Renditen der Policen fallen in fast allen Fällen niedriger aus als bei einer Anlage des Geldes in Sparplänen mit Bundesanleihen. Im Vergleich hätten Verbraucher demnach auf 1,23 bis 2,35 Prozent Rendite verzichtet.

Kommentare (42)

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Mazi

28.08.2013, 17:24 Uhr

"Lebensversicherungen: „Als Altersvorsorge nicht geeignet“"

Was ist der Grund?
"Die Renditen von Lebensversicherungen seien einer Untersuchung des Magazins zufolge in den vergangenen Jahrzehnten in den meisten Fällen niedriger ausgefallen als bei einer Anlage des Geldes in Sparplänen mit Bundesanleihen."

Wenn auch der nachfolgende Vergleich vordergründig hinken mag, so muss man feststellen, dass die Bundesrepublik ihre Schulden ebenso wie Griechenland nie zurückzahlen kann. Bezieht man den Schuldenschnitt der griechischen Staatsanleihen in die Betrachtung ein, sieht die Vergleichsrechnung (wiederum vordergründig) ganz anders aus.

Vordergründig deshalb, weil auch die Versicherer in nicht unerheblichem Maße solche Schrottanleihen im Bestand hatten und teilweise noch haben. Sie können deshalb nicht besser sein "als das Original".

Lebensversicherungen können sehr wohl zur Altersvorsorge dienen, wenn Versicherer als Kapitalsammelstelle das Kapital der Versicherten als Darlehen an die heimische Wirtschaft wieder ausleihen. Kapital, das dem Produktionsprozess wieder zugeführt wird. Kapital dem Staat anzudienen, erfüllt diesen Zweck nicht. Er wirkt wie eine Droge, macht den Staat abhängig und begehrlich.

Wenn die Versicherer das gesammelte Kapital zu nahe Null-Prozent in Staatsanleihen anlegen und davon wiederum Verwaltungskosten und Zechtouren der Versicherungsvertreter bezahlen, dann können sich Lebensversicherungen zur Altersvorsorge nicht eignen.

Aber wäre es nicht Aufgabe der Finanzaufsicht, der BAFin, derartige Praktiken zu untersagen. Wenn ihr das VAG erlaubt die Leistungen der Versicherer herabzusetzen oder gar ganz zu vieten, dann sollte es auch ihre Aufgabe sein, vorher den Vorständen der Versicherer auf die Finger zu schauen.

DINO

28.08.2013, 17:42 Uhr

„Als Altersvorsorge nicht geeignet“

Was ist denn geeignet ?

Seit dem 21. Jahrhundert, wie viel kranke Börsen-Schwankungen hatten wir bereits, bis heute ?
Ich weiß es !

Ich wünsche den jüngeren ein erfolgreichen Aufbau Ihrer privaten Altersvorsorge !

Paulchen_Mueller

28.08.2013, 18:14 Uhr

Schön, wenn das HB als "Wirtschaftszeitung" die Texte der Wirtschaftszeitschrift "Ökotest" so unreflektiert recyclet.

Was wäre denn die reale Alternativinvestition gewesen? Hätte jeder Bundesbürger allein seinen Sparplan in Staatsanleihen aufstellen sollen? In welcher Größenordnung / Stückelung? Zu welchen eigenen Kosten? Diszipliniert und eisern?

Unter der fachkundigen Anleitung des HB? Nach dem Motto: Heute ist der DAX oben, morgen unten? Hat das Handelsblatt mal ein backtesting seiner wöchentlichen Prognosen für den DAX gemacht? Es wurde mit Sicherheit Überrendite "alpha" generiert.

Oder unter der Anleitung von Herrn Kleinlein? Diesen Selbstbeweihräucherer des eigenen Sachverstandes, der sich zwanghaft im Gespräch halten muss.

Der natürlich in den 90er Jahren vorausgesehen hat, dass das damalige Zinsniveau nur temporär ist und 20 Jahre Niedrigstzinsen herrschen.

Der auf der einen Seite die Kalkulation "übervorsichtig" nennt, auf der anderen von "Kalkulationsfehlern" spricht.

Der auf der einen Seite fordert, Bewertungsreserven müssen an die Kunden zur Überschussbeteiligung ausgeschüttet werden, aber heute in seiner Kolumne die gleichen Bewertungsreserven zur Überbrückung der Niedrigzinsphase einsetzen möchte.

Der per Formel an der Rückstellung für Beitragsrückerstattung beteiligen möchte, die Reserven in der Rückstellung für Beitragsrückerstattung aber auch zur Überbrückung der Niedrigzinsphase einsetzen möchte.

Liebes Handelsblatt, lieber Herr Kleinlein,
Sie beide geben ein ausgezeichnetes Gespann ab. Ihre Brillianz und Ihre objektive Arbeitsweise sind über jeden Zweifel erhaben. Zur Weiterentwicklung Ihres wirtschaftlichen Sachverstandes sei Ihnen das Studium einer einfachen Weisheit empfohlen: Jede Mark kann nur einmal ausgegeben werden.

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