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05.01.2010

07:00 Uhr

Lebensversicherungen

Was bei den Policen dieses Jahr abfällt

VonThomas Schmitt

Die deutschen Lebensversicherer schreiben ihren Kunden trotz der Finanzkrise überraschend großzügig Zinsen gut. Die Überschussbeteiligung bleibt in diesem Jahr nahezu konstant. Mit welchen Sätzen die Versicherten rechnen können.

Nachgerechnet: Kunden mit einer Lebensversicherung bekommen in diesem Jahr durchschnittlich 4,18 Prozent Zinsen. Quelle: dpa

Nachgerechnet: Kunden mit einer Lebensversicherung bekommen in diesem Jahr durchschnittlich 4,18 Prozent Zinsen.

FRANKFURT. Die Versicherten erhalten in diesem Jahr nach Berechnungen des Handelsblatts für 73 Lebensversicherer auf ihre Verträge eine laufende Verzinsung von 4,18 Prozent. Die Spannbreite der Gutschriften reicht dabei bei den einzelnen Gesellschaften von 3,25 bis 4,8 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr sinkt die Überschussbeteiligung branchenweit aber nur um 0,1 Prozentpunkt.

Und das, obwohl die Anlagezinsen für die Versicherer krisenbedingt seit einigen Jahren deutlich niedriger liegen. So beträgt die Umlaufrendite für festverzinsliche Papiere derzeit rund drei Prozent. Das ist für Versicherer ein kritisches Niveau, weil dies weniger ist als der durchschnittliche Garantiezins von etwa 3,4 Prozent.

Diesen Satz müssen die Unternehmen branchenweit mindestens erwirtschaften, um die bei Vertragsabschluss gegebenen Versprechen zu erfüllen. Für neue Verträge garantieren die Versicherer derzeit 2,25 Prozent. Hinzu kommt in der Regel ein Bonus, was zusammen die laufende Überschussbeteiligung ergibt. Fast alle Versicherer müssen aber auch noch alte Verträge mit Garantien von bis zu vier Prozent bedienen, die in früheren Hochzinsphasen verkauft worden sind.

Die meisten Anbieter halten ihre Überschussbeteiligung konstant

Trotz der jüngsten mehrjährigen Tiefzinsphase hielt die Mehrheit der deutschen Lebensversicherer ihre Überschussbeteiligung für 2010 konstant. Nur wenige senkten ihre Sätze leicht, wie etwa Branchenführer Allianz. Die DEVK brachte ihre Überschussbeteiligung mit 4,3 und 4,4 Prozent näher an den Branchenschnitt. Ganz wenige zogen Ende 2009 die Reißleine. So senkte die krisengeschüttelte Delta Lloyd ihren Satz von 4,0 auf 3,25 Prozent - ein ungewöhnlich tiefer Wert. Ähnlich radikal ging die Gothaer-Gruppe vor, die ihre Gutschriften für die Gothaer Leben und die Tochter Asstel um 0,5 und 0,6 Prozentpunkte auf 4,0 Prozent senkte.

Branchenbeobachter wie Heijo Hauser vom Beratungsunternehmen Towers Perrin wundern sich über die Feierlaune. Schließlich ist es kein Geheimnis, dass die Lebensversicherer vergangenes Jahr nur durch einmalige Spargeschäfte mit guten Kunden ihre Einnahmen steigern konnten. "Viele Menschen sind aus Sorge um ihren Arbeitsplatz zurückhaltend beim Abschluss langfristiger Verträge", weiß der Präsident des Versicherer-Verbandes GDV. Das dämpfe die Nachfrage nach Lebensversicherungen mit laufenden Beiträgen.

Dieses Brot- und Buttergeschäft geht jedoch zurück, weshalb Berater wie Hauser die Garantien der neunziger Jahre inzwischen als "Last" interpretieren: Wenn man ein Stück weit hinter die HGB-Bilanzen schaue, werde "das unverwundbare Image der Lebensversicherung doch ein wenig angekratzt", betonte er im Fachorgan Versicherungswirtschaft. Im Vergleich zu den Garantien seien die Zinsen am Kapitalmarkt immer noch auf sehr niedrigem Niveau: "Neugeschäft und die Überschussbeteiligung für 2010 konnten bei den meisten Gesellschaften nur durch weiteren Verzehr der verbliebenen Puffer finanziert werden."

Auch branchenintern wachsen die Zweifel am optimistischen Ausschüttungsverhalten mancher Kollegen. Der Chefvolkswirt des Rückversicherers Swiss Re, Thomas Hess, meint, die Lebensversicherer hätten "zurzeit Mühe", die Garantien zu erzielen. Eine Trendwende am Kapitalmarkt sieht er nicht. Torsten Oletzky, Chef des Erstversicherers Ergo, fürchtet sogar, dass die Branche "durch unrealistische Leistungsversprechen" die Vorteile des Produkts Lebensversicherung gegenüber den Konkurrenzangeboten von Banken und Fondsgesellschaften aufs Spiel setzen könnte.

Kommentare (1)

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primer

21.01.2010, 16:10 Uhr

cool

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