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03.09.2013

16:10 Uhr

Manipulationsverdacht

Krankenkassen fallen mit fragwürdigen Meldungen auf

Eine immens angestiegene Anzahl von Herzinfarkten von einem Jahr aufs nächste? Solche Zahlen stachen Beamten des Bundesversicherungsamtes bei den Meldungen der Krankenkassen ins Auge. Alles halb so wild, heißt es jetzt.

Für Krankenkassen stehen bei Falschmeldungen Gelder aus dem Gesundheitsfonds auf dem Spiel. dpa

Für Krankenkassen stehen bei Falschmeldungen Gelder aus dem Gesundheitsfonds auf dem Spiel.

Düsseldorf/ BerlinDutzende gesetzliche Krankenkassen haben mit einem auffälligen Anstieg teils kostenträchtiger Diagnosen offizielle Prüfer auf den Plan gerufen. In einem Schreiben vom August, das der Deutschen Presse-Agentur in Berlin vorliegt, wies das Bundesversicherungsamt (BVA) den Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung darauf hin.

Hintergrund ist, dass die Kassen für Patienten mit bestimmten Krankheiten mehr Geld bekommen. Seit längerem wird darüber debattiert, ob deshalb Versicherungen bei der Meldung von Krankheiten übertreiben. Die „Rheinische Post“ (Dienstag) berichtete zuerst über das Schreiben.

„Die Mehrzahl der Auffälligkeiten treten bei BKKen auf, unter den auffälligen Kassen sind aber ebenfalls eine IKK, eine AOK und eine Ersatzkasse“, heißt es in dem Schreiben vom August zur umfangreichsten von mehreren Prüfkategorien. Überprüft wurden Daten des Jahres 2009.

So müsse beispielsweise eine BKK plausibel machen, warum in einem Jahr die Zahl der Herzinfarkte bei ihren Versicherten um mehr als 280 Prozent gestiegen sei, während sie durchschnittlich bei allen Kassen um weniger als ein Prozent in die Höhe gegangen sei. Eine Ersatzkasse wiederum habe eine Vermehrung von Hautgeschwüren bei ihren Versicherten um mehr als 30 Prozent verzeichnet, während die Fälle mit diesem Krankheitsbild im gesamten Kassensystem um gerade einmal 1,5 Prozent gestiegen seien.

Den betroffenen Kassen drohen der Zeitung zufolge finanzielle Sanktionen: Sollte es ihnen nicht gelingen, die erheblichen Abweichungen vom Durchschnitt der Krankheitsbilder zu erklären, könne das Bundesversicherungsamt den Kassen die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds kürzen.

Das BVA und der Kassenverband bemühten sich am Dienstag, den Eindruck zu zerstreuen, Kassen stünden in größerem Umfang unter Manipulationsverdacht. „Bei den Auffälligkeitsprüfungen geht es um die Feststellung statistischer Auffälligkeiten“, stellte das BVA fest. „Konkreter Manipulationsverdacht besteht nicht.“ Das aktuelle Konzept für die Auffälligkeitsprüfungen sei im Juli mit dem Kassenverband abgestimmt worden.

Kommentare (31)

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g.guzek

03.09.2013, 06:42 Uhr

Nur mal als Hinweis: Die Meldung falscher Daten zu einem Patienten nennt man bei Ärzten Abrechnungsbetrug. Warum sollte man bei Krankenkassen von "merkwürdigen Meldungen" sprechen? Es geht darum, mehr Geld aus dem Gesundheitsfonds zu erhalten. Es ist also - Abrechnungsbetrug.

J.J.

03.09.2013, 06:46 Uhr

Die Kassen versuchen doch, egal wie, immer noch mehr Gelder vom Steuerzahler zu erhalten. Da müssen halt auch Statistiken gefälscht werden.
Die Kassen sind doch zu 99 % ein Verbrecherverein.

DrAufklaerer

03.09.2013, 07:17 Uhr

Der Gesundheitssektor hat sich zu einem völlig unkontrollierten Moloch entwickelt, an dem sich alle Beteiligten fröhlich bedienen, egal ob Ärzte, Pharmaunternehmen oder die Kassen. Und die Politik macht nichts, um das in den Griff zu bekommen. Bahr ist genauso ein Versager wie seine Vorgänger!

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