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06.01.2011

11:30 Uhr

Massiver Zinsschwund

Millionen Lebensversicherten drohen hohe Einbußen

VonJens Hagen, Kirsten Krumrey

Die Lebensversicherer senken massenhaft ihre Überschussbeteiligungen und auch der Garantiezins soll bald gesenkt werden. Neue Risiken im Anleihemarkt verschrecken sicherheitsbewusste Kunden. Verbraucherschützer raten längst von einem Neuabschluss ab. Wird das liebste Vorsorgeprodukt der Deutschen ein Auslaufmodell?

Kapitallebenpolice: Die Gesellschaften senken ihre Zinsen, ein Neuabschluss lohnt häufig nicht. dpa

Kapitallebenpolice: Die Gesellschaften senken ihre Zinsen, ein Neuabschluss lohnt häufig nicht.

DÜSSELDORF. Die Deutschen lieben ihre Lebensversicherung. Jedes Jahr zahlen sie mehr als 80 Milliarden Euro an Beiträgen, jeder Einwohner besitzt im Schnitt 1,2 Verträge - Greise wie Kinder inklusive. Das Hauptargument für die Anlage: Sicherheit bei akzeptabler Rendite.

Ob dieses Argument in Zukunft noch gilt, ist allerdings fraglich. Die Finanzkrise schreibt neue Regeln für die Geldanlage. Zinsprodukte werfen nicht mehr die nötigen Renditen ab. Bankeinlagen und selbst Staatsanleihen bieten auf Sicht nicht mehr die erhoffte Sicherheit. Mögliche Inflationsszenarien sind Gift für das Geschäftsmodell der Branche.

Schon jetzt wirkt das Zinstief. Für dieses Jahr senken fast zwei von drei Gesellschaften ihre Überschussbeteiligung, darunter Branchengrößen wie Allianz oder R+V Leben. Ein Vergleich des Analysehauses Morgen & Morgen für Handelsblatt Online unter 72 Gesellschaften zeigt: Im Schnitt liegt die laufende Verzinsung nur noch bei 4,05 Prozent. Vor zehn Jahren lag der Satz noch bei mehr als sieben Prozent.

Die laufende Verzinsung bestimmt neben dem Garantiezins maßgeblich die Rendite einer Police. Jedes Jahr legen die Versicherer diese Messgröße neu fest. Um bis zu 0,4 Prozentpunkte geht die Überschussbeteiligung 2011 runter. Nur die Inter erhöht ihre Zinsen, bleibt aber im Marktvergleich mit aktuell 3,75 Prozent am unteren Ende.

Die höchste Überschussbeteiligung bieten Targo mit 4,8 Prozent sowie Europa und Fortis mit jeweils 4,5 Prozent. Am Ende des Marktes liegen der Münchener Verein mit 3,00 Prozent sowie VPV und Öffentliche Berlin mit 3,25 beziehungsweise 3,4 Prozent.

Und selbst mit diesen Sätzen zahlen die Versicherer noch mehr, als sie sich aktuell eigentlich leisten können: "Die meisten Gesellschaften dürften angesichts der niedrigen Zinsen aktuell ihre Reserven angreifen", sagt Martin Zsohar, Geschäftsführer bei Morgen & Morgen. Auch das Kölner Ratinginstitut Assekurata registriert ein massenhaftes Absinken der Verzinsung. Die Branche bezeichnet die Renditen gleichwohl als immer noch "attraktiv".

Die laufende Verzinsung ist aber nicht alles. Jede Gesellschaft kann die Rechengröße, auf die die Überschussbeteiligung draufgeschlagen wird, individuell bestimmen. Manche Versicherer rechnen etwa mit dem Kapital für das Jahr 2010, andere nehmen das Vorjahr als Basis. Einige verwenden abgezinste Varianten, andere nicht. "Je nach Bezugsgröße und je nach Laufzeit kann die Rendite bei gleicher laufenden Verzinsung daher um bis zu 0,6 Prozentpunkte variieren", sagt Zsohar.

Kommentare (18)

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artur özkaplan

06.01.2011, 12:40 Uhr

Swiss Franc gegen andere Währungen 2010. Die Käsewährung ist das Schlusslicht. Alles in Euro wird in den Abgrund gerissen.
1) Mongolei, Tigrit (+3,7%)
2) Japan, Yen (+3,6%)
3) Australien, Dollar (+3%)
4) Malaysien, Ringgit (+1,1%)
5) Südafrika, Rand (+0,8%)
6) Thailand, baht (+0,3%)

Ferner:
Singapur, Dollar (-1,1%)
israel, Shekel (-2,8%)
Schweden, Krone (-3,6%)
Mexiko, Peso (-4,2%)
Kanada, Dollar (-4,7%)
brasilien, Real (-5,2%)
indien, Rupie (-6%)
China, Renminbi (-6,7%)
USA, Dollar (-9,7%)
Norwegen, Krone (-10,1%)
Russland, Rubel (-11,2%)
Grossbritannien, Pfund (-12,8%)
Türkei, Neue Lira (-12,3%)
Ägypten, Pfund (-14,7%)
Euro (-15,6%)

Robert K,

06.01.2011, 13:36 Uhr

Jedes System, welches auf einem exponentiellen Zinseszinsmechanismus basiert, muss aus diesem Grund zusammenbrechen - dieser FAKT muss bei der individuellen Planung z.b. Altersvorsorge, berücksichtigt werden!

Die Endphase ist in der Regel immer mit einem boomenden börsenmarkt verbunden, weil das schnell zunehmende Zins-Kapital nach neuen Anlagemöglichkeiten drängt. Diese Entwicklung können wir z.Z. gut an den Märkten beobachten.

Ein Crash mit einer Wirtschaftskrise ist dabei die unmittelbare Folge. An eine Wirtschaftskrise schließt sich oft ein Kriege, sozaile Unruhen usw. an, in welchem durch die Zerstörungen wieder renditeträchtige Anlagemöglichkeiten für das Zinskapital ergeben.

So lange wie nicht die Wirkungsmechnismen im Finanzsystem durchschaut werden, werden wir weiter im Teufelskreislauf von boom, Verschuldung, Crash, Krise und Krieg weiterleben müssen...

informieren, verstehen, anwenden!

be the change

Domenq

06.01.2011, 13:55 Uhr

Manchen nützt es...

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