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12.08.2014

15:08 Uhr

Mehr Milliardäre

Die unendlich Reichen werden noch reicher

Das reichste Prozent der Weltbevölkerung ist noch reicher als gedacht. Neue Zahlen zeigen, dass Milliardäre bei Umfragen bewusst tief stapeln. Ein weiteres Geheimnis: Mit viel Geld kann man viel Geld verstecken.

Ein Mann präsentiert seine Rolex. Dem reichsten 0,1 Prozent gehören 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der USA. dpa

Ein Mann präsentiert seine Rolex. Dem reichsten 0,1 Prozent gehören 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der USA.

WashingtonDer Reichtum des wohlhabendsten Prozents der Weltbevölkerung ist im wahrsten Sinne des Wortes unermesslich. Staaten gehen dadurch Milliarden an Steuergeldern verloren und es wird immer schwieriger, verlässliche Daten zur Ungleichheit weltweit zu gewinnen.

Wie aus zwei unabhängig voneinander veröffentlichten Studien hervorgeht, wird der Wohlstand der Superreichen zu gering eingeschätzt. Ein Teil ihrer Reichtümer ist in Steueroasen versteckt; zudem antworten die Milliardäre nicht auf Umfragen, wie aus den Untersuchungen von Philip Vermeulen, einem Volkswirt der Europäischen Zentralbank (EZB) beziehungsweise von Gabriel Zucman von der London School of Economics hervorgeht.

Werden Einkommensdaten um vergleichbare Unzulänglichkeiten bereinigt, dann zeigt sich nach einer Analyse der Weltbank, dass fast der gesamte zwischen 1998 und 2008 erzielte Fortschritt beim Abbau des Ungleichgewichts zwischen Arm und Reich weltweit zunichte gemacht wurde.

So legen Vermögende ihr Geld an

Ab wann ist man „vermögend“?

Laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln gehört man bereits mit einem Nettovermögen von rund 261.000 Euro zum reichsten Zehntel der erwachsenen Bevölkerung. Das bedeutet, dass 6,7 Millionen Menschen in Deutschland vermögend sind. Durchschnittlich kommen sie auf ein Nettovermögen von 639.000 Euro je Erwachsener.

Wie viel Vermögen hat der deutsche Durchschnittsbürger?

Das durchschnittliche Nettovermögen beträgt 115.000 Euro.

Wie viele Millionäre gibt es in Deutschland?

Über ein Nettovermögen von mindestens 1 Million Euro verfügt nur ein Prozent der Erwachsenen, das sind rund 670.000 Menschen.

Wie wird man reich?

Ein Blick auf die Altersstruktur der Vermögenden zeigt: Reichsein ist häufig das Ergebnis eines Lebenswerkes. Fast drei Viertel des reichsten Bevölkerungszehntels sind mindestens 50 Jahre alt, rund 40 Prozent sogar bereits in Rente. Und: Neben dem Alter ist vor allem der berufliche Status wichtig. Im vermögensstärksten Zehntel sind gut 21 Prozent Selbstständige – dreimal so viel wie in der gesamten Bevölkerung.

Wie legen Vermögende ihr Geld an?

Durchschnittlich hat ein Vermögender in Deutschland 41.000 Euro auf dem Sparkonto, 16.000 Euro Fondsanteile sowie 11.500 Euro in Anleihen und 12.000 Euro in Aktien. Außerdem sind 199.000 Euro im Eigenheim angelegt und 202.000 Euro in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien.

Wie legt der Durchschnittsdeutsche sein Geld an?

Der durchschnittliche Erwachsene hat 12.000 Euro auf dem Sparkonto, 3.000 Euro Fondsanteile, 1.500 Euro Anleihen und 2.000 Euro Aktien sowie 54.000 Euro im Eigenheim und 27.000 in sonstigen, beispielsweise vermieteten Immobilien angelegt.

„Wir haben schon immer geahnt, dass das reichste Prozent zu niedrige Zahlen angibt“, sagt Volkswirt und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, der Verfasser des Buches „Der Preis der Ungleichheit: Wie die Spaltung der Gesellschaft unsere Zukunft bedroht“. „Immer mehr sind der Überzeugung, dass unser System manipuliert und unfair ist.“

Wenn die tatsächlichen Ausmaße von Wohlstand und Einkommen nicht richtig erfasst werden können, wird es Volkswirten und politischen Entscheidungsträgern schwer gemacht, das Ungleichgewicht zu verstehen und damit umzugehen. So könnten beispielsweise andere Steuerstrukturen eher durchzusetzen sein, wenn bekannt würde, dass Einkommen und Vermögenswerte stärker konzentriert sind, sagt Zucman.

„Wenn wir nicht richtig erkennen, wie die Welt aussieht, fällt es auch schwer zu sagen, wie sich eine bestimmte Maßnahme auswirken könnte“, erläutert Carter Price, Mathematiker am Center for Equitable Growth in Washington, das sich mit Themen der wirtschaftlichen Ungleichheit beschäftigt. „Auch zurückblickend ist es schwer, Auswirkungen von Maßnahmen zu bestimmen.“

In den USA hielten die Reichsten der Reichen - die obersten 0,1 Prozent mit einem Nettovermögen von mindestens 20 Millionen Dollar - im Jahr 2012 23,5 Prozent des Gesamtvermögens der Amerikaner, sagt Zucman. Er war zuvor von 21,5 Prozent ausgegangen, fügte dann jedoch Schätzungen für im Ausland versteckte Gelder hinzu.

Umfragedaten zu den Superreichen insgesamt fallen ebenfalls zu niedrig aus, schreibt Vermeulen in seinem Bericht vom Juli. Das oberste Prozent hielt seinen Nachforschungen zufolge im Jahr 2010 35 bis 37 Prozent des Vermögens – die US-Notenbank geht von lediglich 34 Prozent aus.

Kommentare (21)

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Herr Rene Weiß

12.08.2014, 15:44 Uhr

Anstatt sich Gedanken zu machen, wie man anderen etwas wegnimmt, sollten sich die Politiker die zugegebenermaßen viele schwierigeren Gedanken machen, wie sie die 3 Mio. Transfergeldbezieher zur Arbeit bringt. Aber das erfordert ja Nachdenken. Enteignen ist einfacher.

Herr Karl May

12.08.2014, 16:07 Uhr

Mir ist unklar, wie denkende Menschen glauben können, es sei gerechtfertigt oder gar im Interesse der Mehrheit der Leute weltweit, dass einige Wenige ungeheure Reichtümer anhäufen, mit denen sie dann nichts Vernünftiges anstellen.
Wann begreift auch der Dümmste, wie gefährlich so eine Entwicklung ist?
Diese Leute kaufen sich Politiker bzw. krönen sie (oder wie soll man beispielsweise das mit der Wahlkampffinanzierung in den USA nennen?), und diese "Strohmänner" machen dann Politik im Interesse dieser kleinen Gruppe der Multi-Milliardäre.
Die Lösung des Problems kann in der Tat nur darin liegen, Privatvermögen ab einer Bestimmten Höhe (egal, ob 30, 50 oder 100 Millionen Dollar) zu 95% zu versteuern.
Derzeit werden wir wesentlich von den Interessenvertretern
dieser kleinen Kaste "regiert"
Zu glauben, man würde der Gefahren für die demokratischen Strukturen entgehen, in dem man die Regierenden dazu bringt, sparsamer mit Steuergeldern (die ja bekanntlich nicht die der Superreichen sind)umzugehen, ist kindlich naiv.
Statt solcher Vorschläge, die die Probleme vernebeln, hülfe es, wenn jene, die sich noch an die Urnen bemühen, nur jene wählten, die zweifelsfrei nicht die Interessen der genannten Klientel vertreten.

Herr Andreas Maehler

12.08.2014, 16:28 Uhr

die logik des reicher werden reicher werdens ist verblüffend einfach.

Um unser tolles geldsystem zuverstehen, kann man in folgender reihenfolge einige leicht verständliche filme schaun:1.Goldschmied fabian gucken. Dann prof. bernd senf "tiefere ursachen der weltfinanzkrise", andreas popp "danistakratie" und mario fleischmann "das zwangsgeldsystem". Wenn mans dann verstanden hat, findet man noch unzähliges im www dazu. Wer dann noch richtig schmunzeln möchte zieht sich noch die exportdaten in bezug auf den momentanen Target II saldo rein.

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