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23.04.2013

15:27 Uhr

Mehr Ratenkredite

Die Deutschen leben häufiger auf Pump

An der Kasse schnell den Kreditvertrag abschließen – und das neue Smartphone in Raten abzahlen. Mehr als jeder vierte Haushalt in Deutschland nutzt regelmäßig Konsumentenkredite – und die Tendenz ist weiter steigend.

Männer mit Einkaufstüten. Deutschlands Verbraucher kaufen häufiger mit Hilfe von Ratenkrediten. dpa

Männer mit Einkaufstüten. Deutschlands Verbraucher kaufen häufiger mit Hilfe von Ratenkrediten.

Frankfurt/MainSmartphones, Küchen, Autos - Deutschlands Verbraucher kaufen oft auf Pump: Kreditbanken vergaben 2012 mehr Ratenkredite als ein Jahr zuvor, wie der Bankenfachverband am Dienstag in Frankfurt erklärte. „Ohne Finanzierungen wären noch weniger Konsum- und Investitionsgüter abgesetzt worden“, bilanzierte der Vorstandsvorsitzende des Verbandes, Gerd Schumeckers, ein von der Euro-Schuldenkrise geprägtes unsicheres Jahr. „Die Bandbreite reicht dabei vom Smartphone bis zum 40-Tonnen Lkw.“

In Deutschland hatten die 60 Verbandsmitglieder Ende vergangenen Jahres insgesamt 139,2 Milliarden Euro an Verbraucher und Unternehmen verliehen. Damit erhöhte sich der Kreditbestand zum Vorjahr um 3,4 Prozent. Im Neugeschäft gab es ein Plus von zwei Prozent: Die Institute gaben neue Kredite im Wert von 99,1 Milliarden Euro aus. Ein durchschnittlicher Barkredit lag bei 9700 (Vorjahr: 9400) Euro und hatte eine Laufzeit von 57 (55) Monaten.

„In Deutschland war die Entwicklung wesentlich besser als in unseren europäischen Nachbarländern“, erklärte Schumeckers, der auch Aufsichtsratschef der zur spanischen Banco Santander gehörenden Santander Consumer Bank (Mönchengladbach) ist: Gegen den Trend gab es in Deutschland ein leichtes Wachstum (plus 0,2 Prozent) bei Konsumentenkrediten. Dagegen bremsten hohe Arbeitslosigkeit und Konjunkturschwäche Verbraucher in Frankreich, Italien und Spanien: Dort wurde weniger Konsum über Kredit finanziert als ein Jahr zuvor.

In Deutschland komme nach Angaben von Verbrauchern jeder zweite finanzierte Warenkauf nur wegen eines entsprechenden Kreditangebots zustande, erklärte der Verband. Mehr als jeder zweite Ratenkredit in Deutschland stamme von einem der Spezialinstitute: Ihr Marktanteil erhöhte sich binnen Jahresfrist von 53 auf 55 Prozent.

Die Top-Ausgaben der Deutschen

Das kauft der Durchschnittshaushalt

Das Statistische Bundesamt errechnet jedes Jahr, wie viel jeder Haushalt einnimmt und wie viel er davon wofür ausgibt. Im Jahr 2010 hatten die Haushalte in Deutschland ein durchschnittliches monatliches Bruttoeinkommen von 3.758 Euro. Das durchschnittliche Nettoeinkommen betrug 2.922 Euro. Davon ausgegeben wurden 2.168 Euro.

Platz 10: Bildung

Für die Bildung geben die Deutschen mit Abstand am wenigsten ausgegeben. Das mag zum einen daran liegen, dass viele Bildungsartikel, wie zum Beispiel Bücher, lediglich ausgeliehen werden und zum anderen gibt es im Internet eine ganze Reihe von kostenlosen Bildungsmöglichkeiten.
Ausgaben im Monat: 16 Euro
Anteil: 0,8 Prozent

Platz 9: Nachrichtenübermittlung

Das Internet wird immer wichtiger und immer mobiler. Die Zahl der mobilen Internetnutzer nimmt exponentiell zu und eine Ende des Smartphone-Hypes ist noch nicht in Sicht. In Zukunft könnten die Ausgaben in diesem Bereich steigen.
Ausgaben im Monat: 56 Euro
Anteil: 2,6 Prozent

Platz 8: Gesundheitspflege

Arztbesuche, Rezeptkosten, Pflegemittel und Medikamente fallen unter diese Kategorie. Mit der Abschaffung der Praxisgebühr ab dem 1. Januar 2013 dürfte dieser Ausgabeposten etwas kleiner ausfallen.
Ausgaben im Monat: 91 Euro
Anteil: 4,2 Prozent

Platz 7: Bekleidung und Schuhe

Zum Winter und zum Sommer erhöhen sich die Ausgaben für Bekleidungsartikel. Auch gegen Ende der Jahreszeiten fließt das Geld, da viele in den jeweiligen Schlussverkäufe diverse Schnäppchen ergattern wollen.
Ausgaben im Monat: 100 Euro
Anteil: 4,6 Prozent

Platz 6: Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen

Deutsche Arbeitsnehmer haben im internationalen Vergleich zwar relativ viele Feier- und Urlaubstage, die werden jedoch größtenteils zu Hause verbracht. Nicht viele fahren in den Ferien weg und wenn, halten sich die Ausgaben für Hotelübernachtungen in Grenzen.
Ausgaben im Monat: 113 Euro
Anteil: 5,2 Prozent

Platz 5: Innenausstattung und Haushaltsgegenstände

Die Ausgaben für Möbel und Elektro- beziehungsweise Elektronikartikel positionieren sich im Mittelfeld.
Ausgaben im Monat: 118 Euro
Anteil: 5,4 Prozent

Platz 4: Freizeit, Unterhaltung und Kultur

Das Land der Dichter der Denker hat einiges an kulturellen Gütern zu bieten. Für Besuche in Museen, Theatern und Kinos geben die Deutschen den ein oder anderen Euro aus.
Ausgaben im Monat: 236 Euro
Anteil: 10,9 Prozent

Platz 3: Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren

Im Schnitt isst jeder Deutsche rund 90 Kilogramm Fleisch und trinkt 146 Liter Kaffee im Jahr. Das schlägt sich natürlich gewichtig auf die Konsumausgaben nieder.
Ausgaben im Monat: 305 Euro
Anteil: 14,1 Prozent

Platz 2: Verkehr

Des Deutschen liebstes Spielzeug ist sein Auto. Und das lässt er sich einiges kosten. In der Kategorie mit innenbegriffen sind auch die Ausgaben für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel.
Ausgaben im Monat: 305 Euro
Anteil : 14,1 Prozent

Platz 1: Wohnkosten

In Deutschland wird der größte Anteil des Einkommens für die Wohnkosten ausgegeben. Sie beinhalten neben den Miet- auch die Energie- und Instandhaltungskosten.
Ausgaben im Monat: 738 Euro
Anteil: 34,1 Prozent

Bremsend wirkte sich 2012 der schwächelnde Automobilmarkt aus, doch insgesamt habe sich „das Geschäft der Kreditbanken wesentlich besser entwickelt als die entsprechenden Absatzmärkte“, bilanzierte Schumeckers. Das liege auch daran, dass die Spezialinstitute sich über Jahre als Kreditanbieter an der Kasse („Point of Sale“) und im Internet einen Namen gemacht hätten.

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

23.04.2013, 13:29 Uhr

" In Deutschland ist die Lage allerdings immer noch wesentlich besser als bei den Nachbarländern. "

So kann man den Wahnsinn der sich hier weiter und weiter bildet natürlich auch schönreden. Woanders hinschauen wo es noch katastrophaler ist und so alles relativieren. Mein Bein tut deshalb nicht weh, weil andere vielleicht garkeins haben. Das Essen bei McDonalds schmeckt deshalb nicht so schlecht weils bei BurgerKing noch beschissener schmeckt. Ich habe heute deshalb nicht zu wenig gegessen weil in Afrika viele den Hungertot sterben...jaja

Tolle Sache!

Account gelöscht!

23.04.2013, 13:51 Uhr

"So kann man den Wahnsinn der sich hier weiter und weiter bildet natürlich auch schönreden."

Das ist nicht der Punkt.
Die Deutschen leben mehr für den Konsum, und verschulden sich dafür mehr, und unterhalten dafür auch die Kreditinstitute.
Andere fühlen sich sicherer wenn sie erst konsumieren wenn das Geld auch wirklich schon da ist.
Die 2. Variante gefällt mir besser, die erstere - selbst Schuld, dafür sparen andere für ihre Häuser, auch wenn ihnen das als "Faulheit" ausgelegt wird.

Daran werden auch ihre "Thesen" oder Ihr empfundenes "Schönreden" nichts ändern. Es sei denn Sie sind in der Lage den Deutschen ihre Konsumfreudigkeit auszureden. Dann viel Spaß :)

oestrogen69

23.04.2013, 15:12 Uhr

"dafür sparen andere für ihre Häuser" ... seit 1990 sind die Grundbuchämter in Deutschland PRIVATISIERT. Die Häuser und Wohnungen gehören nicht den eingetragenen, diese haben teuer einen Notar bezahlt damit die Immobilien letztlich dem neuen Grundbesitzer des Grundbuchamtes gehören, sein Eigentum erweitern, weil bei ihm eingetragen. DIE LEUTE MERKEN NICHTS, rennen in den Immoboom rein - einfach unglaubliche Dummmmmmmassssee.

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