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18.06.2013

15:37 Uhr

Milliardenaufwand für die Unternehmen

Versicherungsbetrug wird zu einem ernsten Problem

Das Handy in die Toilette werfen, den Laptop fallen lassen – es klingt eigentlich nach Kleinigkeiten. Doch für die Versicherer wird Betrug einer Studie zufolge zunehmend zu einer teuren Belastung.

In der Branche wird davon ausgegangenen, dass rund jeder zehnte gemeldete Schaden entweder eine Betrugsfall ist oder die Schadenssumme von den Betroffenen zu hoch angesetzt wurde. picture-alliance / dpadpa / picture alliance

In der Branche wird davon ausgegangenen, dass rund jeder zehnte gemeldete Schaden entweder eine Betrugsfall ist oder die Schadenssumme von den Betroffenen zu hoch angesetzt wurde.

MünchenVersicherungsbetrug ist einer Studie zufolge ein wachsendes und milliardenschweres Problem für viele Versicherer in Europa. Die Beratungsgesellschaft Accenture schätzt in der am Dienstag veröffentlichten Untersuchung den europaweit verursachten Schaden für die Unternehmen auf acht bis zwölf Milliarden Euro im Jahr. Am Ende zahlen für die Mehrkosten alle Versicherte etwa über höhere Prämien. Betroffen sind vor allem Haftpflicht- oder Hausratversicherungen.

Mehr als zwei Drittel der befragten Versicherer gaben der Studie zufolge an, dass sie einen spürbaren Anstieg von Betrugsfällen bemerkten. Die Deutsche Versicherungswirtschaft (GDV) schätzt den Schaden für die deutsche Branche auf jährlich vier Milliarden Euro. Ein genereller Anstieg der Fälle sei allerdings nur schwer zu belegen, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Berlin. Der Grund: Gelinge der Betrug, werde er auch nicht von den Unternehmen bemerkt.

So legen die Deutschen ihr Geld an

Top 7

Sicherheitsdenken dominiert sehr stark auch die Anlagestrategien männlicher Finanzanleger. 86 Prozent der befragten Männer können sich nicht vorstellen, bei Anlagen für eine höhere Rendite ein höheres Risiko in Kauf zu nehmen. Frauen sind aber offenbar noch sicherheitsorientierter: 96 Prozent von ihnen wollen bei der Geldanlage möglichst kein Risiko eingehen.

Top 6

Trotz des derzeit allgemein niedrigen Zinsniveaus können sich nur neun Prozent der Anleger vorstellen, bei künftigen Finanzanlagen mit einer höheren Risikobereitschaft gegebenenfalls eine höhere Rendite zu erzielen. Mit 91 Prozent legt die Mehrheit der deutschen Sparer einen großen Wert auf Sicherheit.

Top 5

Neben Festgeld und Tagesgeld würden die Verbraucher 2013 auch stärker in Immobilien, Gold und andere Edelmetalle investieren, wenn sie einen größeren Geldbetrag dafür zur Verfügung hätten. Den größten Zuwachs im Vergleich zu 2012 erleben Immobilien. 46 Prozent aller deutschen Anleger würden sich ein Haus oder eine Wohnung anschaffen. Auch die Krisenwährung Gold ist 2013 deutlich beliebter. Knapp 30 Prozent der deutschen Anleger würden sich größere Goldbestände zulegen.

Top 4

Während Frauen tendenziell stärker in Festgeld sowie Tagesgeld investiert sind, meiden sie Aktienanlagen noch in stärkerem Maße als Männer. Bei Fonds sind hingegen nur geringfügige, bei Immobilien, Gold und anderen Edelmetallen sogar überhaupt keine Unterschiede im Anlageverhalten von Männern und Frauen feststellbar.

Top 3

Im Jahr 2012 waren bei den deutschen Anlegern Festgeld und Tagesgeld die beliebtesten Anlageprodukte. Obwohl der Dax in diesem Jahr um rund 30 Prozent zulegte, rangieren börsennotierte Finanzprodukte erst deutlich danach. Gerade einmal jeder fünfte Deutsche investierte sein Geld in Aktien. Darauf folgten Immobilien mit knapp 17 Prozent. Das in der Krise besonders beliebte Anlageobjekt Gold lag mit gerade einmal neun Prozent ebenfalls auf den hinteren Plätzen.

Top 2

Trotz eines weiteren Euro-Krisenjahrs stieg der Dax 2012 auf ein neues Allzeithoch. Knapp die Hälfte (48 Prozent) der deutschen Anleger zeigte sich trotz der guten Kursentwicklung mit der Werteentwicklung ihrer Finanzanlage unzufrieden.

Top 1

Der Anteil der Deutschen, die 2012 einen nennenswerten Geldbetrag angelegt haben, steigt mit zunehmenden Alter erkennbar an. Mit knapp 65 Prozent stellen Deutsche ab 60 Jahren die größte Gruppe der Privatanleger.

In der Branche wird davon ausgegangenen, dass rund jeder zehnte gemeldete Schaden entweder eine Betrugsfall ist oder die Schadenssumme von den Betroffenen zu hoch angesetzt wurde. Dabei gebe es durchaus auffällige Häufungen. So registrierten Versicherer beispielsweise zum Marktstart neuer Smartphones einen Anstieg der Schadensmeldungen bei Handys.

Doch gerade bei Unterhaltungselektronik würden die Unternehmen inzwischen genau hinschauen und investierten Mühe und Geld in die Aufdeckung auch bei kleineren Schadenssummen.

Die Accenture-Studie geht davon aus, dass in den vergangenen drei Jahren die Zahl der Fälle in Europa um 10 Prozent gestiegen ist. Der GDV betont hingegen, dass die Schadensschätzung für Deutschland einigermaßen stabil sei. Die Branche hat das Thema ebenfalls bereits in Studien untersuchen lassen. Für die Versicherer ist das Feld nicht ohne Fallstricke, denn unter Generalverdacht will man den Kunden nicht stellen.

„Der Service im Schadensfall ist in der Sachversicherung auch heute noch der Moment der Wahrheit in jeder Kundenbeziehung“, sagte Accenture-Experte Thomas Meyer. „In dieser Situation kann der Versicherer seinen Kunden entweder angenehm überraschen oder nachhaltig enttäuschen.“ Gerade das sei eine große Herausforderung für Systeme, die Betrug entdecken und verhindern sollen.

Laut Studie wollen rund 76 Prozent der Unternehmen in den kommenden Jahren unter anderem in neue Schadenssoftware investieren.

Von

dpa

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 15:56 Uhr

""" Schaden für die deutsche Branche auf jährlich vier Milliarden Euro. """

Hahaha!

Die Branche hält sich 1:1 an den Versicherten schadlos. Im Gegenteil; die größeren Volumina sichern größere Gewinne der Versicherungen.

Der Dumme ist per Saldo nur der ehrliche Versicherte.

Account gelöscht!

18.06.2013, 16:43 Uhr

Lieber "Realist", keine Ahnung, davon aber viel?

Die Combined Ratio ist bei den meisten Sachversicherern negativ. Der Versicherer legt drauf und konnte die letzten Jahre zumindest auf eigenes Risiko mit der Kapitalanlage der im Voraus bezahlten Beiträge ins Plus kommen. Die Zeiten sind aber auch vorbei, dank unserer Angela.

Leo

18.06.2013, 16:47 Uhr

Und anders rum? Einer der größten Versicherer Deutschlands weigert sich in meinem Fall hartnäckigst die Entschädigung zu leisten. Alle Beweise liegen dem Konzern seit einem Jahr vor. Aber was soll man an Gefälligkeitsgutachten für die Versicherung drehen, außer Atteste von wirklich unabhängigen Ärzten einzureichen, die nichts an Versicherungsgutachten verdienen?

Netterweise machte ein Sachbearbeiter letztens soviele "Fehler" in einem Anschreiben an mich, dass ich jetzt durchaus gewillt bin, die zuständige Staatsanwaltschaft einzuschalten und sie wegen Urkundenfälschung und Betrug gegen den Versicherer ermitteln zu lassen.

Ein Einzelfall? Nein, bestimmt nicht. Ich würde ganz krass sagen, dass die Versicherer weit mehr Beschi.. machen als der jeweilige Versicherungsnehmer.

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