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09.12.2013

07:11 Uhr

Milliardenverluste

Das Drama der Gebäudeversicherung

VonThomas Schmitt

ExklusivHagel, Hochwasser und Stürme wie Xaver verursachen Riesenschäden. Die Wohngebäudeversicherer haben deshalb hohe Verluste. Doch nun schlagen sie zurück: Die Preise für Hauspolicen steigen kräftig. Was Kunden tun können.

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) räumen auf einer Straße in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) das abgedeckte Dach eines Supermarkts weg. dpa

Mitarbeiter des Technischen Hilfswerks (THW) räumen auf einer Straße in Stralsund (Mecklenburg-Vorpommern) das abgedeckte Dach eines Supermarkts weg.

DüsseldorfErst machen sie alles falsch, und dann kommt auch noch Pech dazu. So geht es derzeit einer eher kleinen, aber sehr wichtigen Versicherungssparte in Deutschland, den Versicherern von Häusern und Wohnungen. Rund fünf Milliarden Euro zahlen die Kunden im Jahr an diese Versicherer. Und hoffen dann darauf, dass die Unternehmen auch zahlen, wenn der Blitz einschlägt oder der Keller vollläuft.

Doch das ist keineswegs sicher. Und das liegt nicht nur an kniffligen Klauseln, die sich mancher in seinen Wohngebäudeversicherungen ausgedacht hat. Ein weiterer Grund für zögerliche Zahlungen und nervige Sachbearbeiter könnte die generelle Situation der Anbieter sein. Diese ist – nach einer Saison mit reichlich Hagel, Hochwasser und Stürmen – in diesem Jahr besonders übel.

Wenn der Präsident des Versichererverbands GDV, Alexander Erdland, von einem „außergewöhnlichen Jahr“ spricht, dann lässt dies schon tief blicken. Allein das Hochwasser im Juni und die Hagelstürme im Juli und August kosten die Branche wohl 4,5 Milliarden Euro. Und Entwarnung gibt er nicht: „Solche extremen Naturkatastrophen können in Deutschland künftig häufiger auftreten.“ Orkan Xaver ist der jüngste Beleg dafür.

Fakten zum Sturmtief Xaver

Von Schottland nach Skandinavien

Der Orkan Xaver ging eigentlich weit an Deutschland vorbei: Er zog an Schottland vorbei nach Skandinavien. Allerdings erreichten Deutschland seine Ausläufer.

Starker Wind

Meteorologen rechneten mit Windgeschwindigkeiten von 110 Kilometer pro Stunde in Hamburg, 140 Kilometer pro Stunde in Schleswig-Holstein, 150 Kilometer pro Stunde in Nordfriesland und 180 Kilometer pro Stunde im Mittelgebirge, zum Beispiel auf dem Brocken.

Sturmfluten im Norden

1962 traf das Elbegebiet die schwerste Sturmflut: Sie zerstörte 28.000 Wohnungen, beschädigte 400 Kilometer Deich – und 340 Menschen kamen ums Leben.
1973 trafen innerhalb von nur vier Wochen gleich sechs Sturmfluten die Nordseeküste und zerstörten die Deiche.
1976 wurden die höchsten Pegelstände in der Nordsee gemessen
2006 stand in der Ems das Wasser so hoch wie nie, bei der sogenannten Allerheiligenflut.

Trichter an der Elbe

Von einer Sturmflut sprechen Meteorologen, wenn der Tidenhöchststand das mittlere Hochwasser um 1,50 Meter übersteigt. Ab 2,50 Meter gilt es als schwere, ab 3,50 Meter als sehr schwere Sturmflut. Weht in der Deutschen Bucht der Wind aus Nordwest, drohen Sturmfluten, weil die Elbmündung wie ein Trichter wirkt.

Schnee

Ab Donnerstagabend erreichten kräftige Schneeschauer den Norden von Schleswig-Holstein und zogen von da aus nach Süden. In Niedersachsen fielen in der Nacht zu Freitag bis zu zehn Zentimeter Neuschnee. In den Hochlagen der Mittelgebirge und um den Brocken waren bis zu 20 Zentimeter möglich.

Zebrastreifenwetter

Dieses Phänomen bezeichnet den Umstand, wenn schmale Streifen mit Schauern von der See landeinwärts ziehen. Dadurch kommt es gebietsweise zu kräftigen Schneeschauern und wenige Kilometern entfernt ist gar nichts davon zu bemerken. Zebrastreifenwetter wurde in der Nacht zum Freitag erwartet.

Verhalten bei Sturm und Flut

Keine überschwemmten Straßen betreten: Gullideckel können weggeschwemmt sein – wer dort versehentlich hintritt, kann in der Kanalisation untergehen.

Parks und Wälder meiden: Es besteht die Gefahr, von herunterfallenden Ästen oder einknickenden Bäumen erschlagen zu werden.

Nicht auf Deiche steigen.

Für die Wohngebäudeversicherer bedeuten diese und einige andere Katastrophen: Sie rutschen tief in die roten Zahlen. Auf bis zu zwei Milliarden Euro Verlust schätzen Experten das Minus der Sparte in diesem Jahr. Das ist enorm, aber nicht dramatisch, beruhigt Versicherer-Präsident Erdland. Selbst wenn dies nun häufiger passiert, „sind wir in der Lage, die finanziellen Folgen für unsere Kunden zu tragen.“

So viel Stärke hat allerdings eine Kehrseite. Am schnellsten lässt sich die Ertragslage wieder verbessern, wenn man die Prämien erhöht, stellt Elke Weidenbach von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen gegenüber Handelsblatt Online fest. Was auch in zahlreichen Fällen passiert, mitunter bei gleichzeitiger Androhung einer Kündigung, wie auch der Bund der Versicherten berichtet.

Viele Kunden stehen damit vor einer schwierigen Situation: Was tun, wenn Allianz oder Ergo mehr Beitrag für die Wohngebäudeversicherung haben wollen? Die Antwort liefern die Analysten von Franke und Bornberg: Zu einem leistungsstarken Versicherer mit relativ günstigen Prämien wechseln. Worauf Hauseigentümer dabei – außer dem Preis – achten sollten.

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

09.12.2013, 10:38 Uhr

Dieser Herr Schmidt-Gallas scheint ja ein echter Experte zu sein; da wird mal ganz simpel eine Gebäudeversicherung (1 großer Feind namens Wetter, weitere Schäden durch z.B. Autofahrer die in die Mauer krachen sind mengenmäßig vernachlässigbar) mit einer Kfz-Vollkasko (viele 100 Feinde bei jeder Autofahrt und zusätzlich Wetterrisiko) verglichen. Offensichtlich scheint der Herr keinen Risikounterschied zwischen mobilen (Auto) und immobilen (Gebäude) Dingen zu kennen. Wenn solche Leute schon als Experten gelten, brauchen sich Versicherungen über Fehlkalkulationen nicht zu wundern.

Revisor

09.12.2013, 10:52 Uhr

Große bereiche der Branche leiden an spätrömischer Dekadenz und einer zutiefst verwurzelten Anfälligkeit für "korruptives Verhalten".
Kleinmütige Klinkenputzer-,Feilschermentalität und Gefälligkeitskumpanei gehen einher mit der Abwesenheit eines effizienten internen Controllings.

Bei der Straffung der Außentruppe und ihren Provisionen ist noch fettes Einsparungspotential !!!!

Account gelöscht!

09.12.2013, 11:06 Uhr

Der Herr vom Bund der Versicherten scheint selbst ein Haus in "Traumlage" in einer lieblichen Flussaue zu besitzen, sonst könnte er nicht auf die unverschämte Idee kommen, dass jetzt alle Versicherten sein persönliches und bewusst herbeigeführtes Risiko bezahlen sollen.

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