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30.07.2011

16:05 Uhr

Minimaler Schutz

Krankenversicherer verzichten auf Billigtarife

VonThomas Schmitt

Immer mehr Krankenversicherer verzichten auf private Policen zum Billigtarif. Verbraucherschützer sind erleichtert. Denn die eklatanten Leistungslücken dieser Angebote sind vielen Kunden gar nicht bewusst.

Private Krankenversicherungen zum Discount-Tarif bieten häufig keine ausreichende Versorgung. Quelle: dpa

Private Krankenversicherungen zum Discount-Tarif bieten häufig keine ausreichende Versorgung.

FrankfurtBilligtarife in der privaten Krankenversicherung werden seltener. Mit der Generali-Tochter Central und der Ergo-Gesellschaft DKV haben sich zwei wichtige Anbieter aus dem Niedrigpreissegment verabschiedet. Es geht um Tarife ab etwa 100 Euro im Monat und damit um einen minimalen Krankenversicherungsschutz.

Über die Kehrtwende von DKV und Central freuen sich Verbraucherschützer und Konkurrenten, die die Einsteigertarife schon lange als Irrweg für die Branche betrachtet haben. Für einige Kundengruppen bleibe günstiger Krankenversicherungsschutz dennoch attraktiv, sagen dagegen die Befürworter.

Unabhängige Finanzberater raten oft von Produkten mit schlechten Leistungen ab. "Bei genauem Hinsehen sind Billigtarife meist keine gute Wahl", sagt Manfred Bauer, Vorstand für Produktmanagement bei MLP. "Die Leistungslücken dieser Produkte sind den wenigsten Verbrauchern beim Abschluss bewusst."

Einige Selbstständige können die teuren Tarife nicht bezahlen

Thorsten Rudnik, Vorstand beim Bund der Versicherten, findet sogar: "Billigtarife haben in der Privaten Krankenversicherung (PKV) nichts zu suchen." Wenn Kunden nämlich später in einen besseren Tarif wechseln wollten, sei dies schwer, teuer oder gar unmöglich. Rudnik urteilt: "Wer als Krankenversicherer mit Billigtarifen weiter macht, gefährdet auf lange Sicht den Ruf der gesamten Branche."

Der Verbraucherschützer ist sich in diesem Punkt einig mit dem wichtigsten Branchenmanager, dem Signal-Iduna-Chef Reinhold Schulte: "Ich halte Billigtarife in der privaten Krankenversicherung für problematisch, weil zu viele Leistungseinschränkungen bestehen. Privater Krankenversicherungsschutz sollte eine entsprechende Wertigkeit haben und die hat eben auch ihren Preis", sagt Schulte.

Auch Walter Botermann, Chef der Hallesche, mag nur Tarife anbieten, "die ein Leistungsniveau bieten, welches je nach Tarifart das Niveau einer gesetzlichen Krankenversicherung nicht unterschreiten sondern in der Regel erheblich übertreffen". Eine Mindestzahl an Behandlungen in der Psychotherapie, Themen der künstlichen Befruchtung oder Reha-Maßnahmen bedürften immer einer Absicherung. Hilfsmittelkataloge und notwendige lebenserhaltende Sonderausstattungen seien Grundlagen eines Krankenversicherungsschutzes.

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