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20.03.2013

06:23 Uhr

Nach Zypern-Plan

Wie sicher sind Ihre Einlagen?

VonJens Hagen

In Zypern droht eine Enteignung der Sparer. Das sorgt auch in Deutschland für Ängste. Wie sicher die Konten hierzulande sind und warum auch in Deutschland Vermögende bald zum Schuldenabbau herangezogen werden.

Sparschwein in Not: Für einen Bank-Run gibt es keinen Grund. dpa

Sparschwein in Not: Für einen Bank-Run gibt es keinen Grund.

DüsseldorfSo mag der Alptraum eines Bankkunden aussehen: Der Automat spuckt kein Geld aus. Wenn die Abhebung wieder funktioniert, ist das Vermögen trotz persönlicher Enthaltsamkeit um bis zu zehn Prozent geschrumpft.

Was vermögenden Zyprern jetzt angedroht wurde – bis 100.000 Euro sollten 6,75 Prozent des Vermögens für die Bankenrettung eingezogen werden, darüber sogar 9,9 Prozent, besorgt auch viele deutsche Anleger. „Seit Zypern darf man getrost Zweifel an der versprochenen Sicherheit haben“, schreibt etwa der EX-Dresdner Bank-Chef Herbert Walter in seiner Kolumne für Handelsblatt Online. „Das Vertrauen vieler Anleger ist erschüttert“.

Zwar hat das zyprische Parlament am Dienstagabend das Rettungspaket und damit zunächst auch die Abgabe der Bankkunden durchfallen lassen. Noch ist aber unsicher, ob die Sparer am Ende nicht doch zur Kasse gebeten werden.

Was Sparer zur Zypern-Krise wissen sollten

Enteignung in Deutschland

Wäre eine Teilenteignung der Kleinsparer, wie sie in Zypern geplant ist, auch in Deutschland möglich?

Die Bundesregierung betont, dass die Spareinlagen-Garantie von Kanzlerin Angela Merkel aus dem Krisenjahr 2008 weiter gilt. Doch rein rechtlich handelt es sich bei der Zypern-Lösung um eine Vermögensabgabe, die auch in Deutschland beschlossen werden könnte. So fordern etwa die Grünen eine befristete Vermögensabgabe für Millionäre.

Bankenschließung

Können Banken in Deutschland von einem Tag zum anderen einfach geschlossen werden?

Ja, nach Paragraf 47 des Kreditwesengesetzes ist das möglich.

Kein Rechtsbruch

Gilt die Einlagensicherung für Guthaben bis 100.000 Euro nicht mehr? Ist die Beteiligung der zyprischen Kleinsparer ein Rechtsbruch?

Nach der Europäischen Einlagen-Sicherungsrichtlinie sind Einlagen bis 100.000 Euro garantiert. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wies Darstellungen zurück, die in Zypern geplante Abgabe verstoße gegen diese Richtline. Denn die Einlagensicherung greife nur im Falle der Insolvenz einer Bank.

Deutsche Steuerzahler

Was bedeutet die Zypern-Hilfe für den deutschen Steuerzahler?

Erst einmal gar nichts. Zypern erhält Kredite aus dem bestehen Krisenfonds ESM, die das Land zurückzahlen muss. Erst im Falle einer Staatspleite Zyperns müssten auch die deutschen Steuerzahler zahlen.

Sonderfall

Warum wurde eine Beteiligung der Sparer nicht schon vorher bei den Rettungspaketen für Griechenland oder Irland beschlossen?

Zypern ist ein Sonderfall, weil ein großer Teil der Sparguthaben von fast 70 Milliarden Euro reichen Russen und Briten gehören dürfte, aber auch Griechen, die wegen der Krise in ihrem Land Konten auf der Insel eröffnet hatten. Wegen der riesigen Vermögen ungeklärter Herkunft hält der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz (SPD), eine Beteiligung der Bankkunden für richtig.

Sinn der Rettung

Warum ist die Rettung des kleinen Mitglieds Zypern für die Euro-Zone so wichtig?

Ein Zusammenbruch der zyprischen Wirtschaft würde Europa nicht in den Abgrund reißen. Denn die Wirtschaftsleistung der Mittelmeerinsel liegt nur bei rund 19 Milliarden Euro. Zum Vergleich: die Wirtschaft Deutschlands ist 145 Mal so groß. Es wird jedoch befürchtet, dass eine Pleite Zyperns Zweifel am Fortbestand des Euros wecken könnte - und eine Kettenreaktion in anderen südeuropäischen Krisenstaaten auslöst.

Panikmache

Drohen jetzt Panikreaktionen von Bankkunden in anderen Ländern wie Italien oder Spanien?

Die Zwangsabgabe könne die Anleger in allen Euro-Krisenländern verschrecken "und zum Räumen ihrer Konten veranlassen", warnt der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn. Auch Thorsten Polleit, Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance & Management, befürchtet, dass die Zwangsabgabe bei allen, die Sparguthaben bei Euro-Banken halten, "begründetes Misstrauen" heraufbeschwört.

Bislang wähnten sich viele Sparer in Sicherheit, weil Guthaben innerhalb der Europäischen Union bis zu einer Summe von 100.000 Euro nach der europäischen Einlagen-Sicherheitsrichtlinie geschützt sind. Auf Nachfrage des Handelsblatts wies das Bundesfinanzministerium in diesem Zusammenhang auf eine vermeintlich triviale, aber folgenreiche Spitzfindigkeit hin. Die Abgabe verstoße nicht gegen die Richtlinie. Denn die gesetzliche Einlagensicherung gelte nur bei Insolvenz einer Bank. Das Rettungspaket schützt zwar viele Institute vor einer drohenden Pleite, Insolvenz hat aber bislang kein Institut angemeldet.

So bitter es für die Insulaner sein mag, deutsche Sparer müssen sich nicht sorgen. „Die Situation, dass Deutschland so am Ende ist, dass Europa seine notleidenden Banken retten muss, ist völlig unrealistisch“, erklärt etwa Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Wenn Deutschland Geld bräuchte, gäbe es viel wirkungsvollere Möglichkeiten, etwa eine Erhöhung der Mehrwertsteuer. „Zypern ist ein Sonderfall“, beruhigt Kurz.

Wenn die Bank pleitegeht

Europäische Regelung

Tages- oder Festgeld gilt als sichere Anlage. Doch was passiert, wenn eine Bank pleitegeht? In der gesamten Europäischen Union gilt ein gesetzlicher Entschädigungsanspruch von 100.000 Euro pro Anleger.

Deutschland

In Deutschland gibt es darüber hinaus freiwillige Einlagenschutzsysteme, die noch größere Entschädigungssummen versprechen. Darauf gibt es aber keinen Rechtsanspruch.

Alternative Regelungen

Bankkunden sollten vorab prüfen, bei welchem Einlagensicherungssystem ein Institut überhaupt registriert ist. Denn es gibt einige Banken, die sich dem Einlagensicherungsfonds anderer Länder angeschlossen haben. Die Bigbank gehört zum Beispiel dem estnischen Einlagenschutzfonds an, die IW Bank, eine Tochter der Ubi Banca, ist dem italienischen Fonds angeschlossen. Die VTB Direktbank – nicht zu verwechseln mit der VTB Bank Deutschland – ist Österreichs Einlagensicherungssystem angegliedert.

Risiken

Solche Aspekte sind wichtiger geworden, seit wegen der Staatsschuldenkrise die Zahlungsfähigkeit ganzer EU-Staaten angezweifelt wird. Denn es gibt kaum einen Einlagensicherungsfonds, der die Pleite einer großen Bank ohne Staatshilfe überstehen könnte. Selbst der Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken benötigte öffentliche Gelder, als die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 Insolvenz anmeldete. „Deshalb ist die Frage wichtig, ob der jeweilige Staat finanzkräftig genug ist, um notfalls für das Einlagensicherungssystem einzustehen“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Aus diesem Grund arbeitet Brüssel an einem EU-weiten Sicherungsfonds.

Auf Nummer Sicher

Der Verbraucherschützer rät Anlegern deshalb, darauf zu achten, dass eine Bank den Schutz der deutschen Einlagensicherung anbietet: „Die implizite Staatsgarantie Deutschlands ist höher zu bewerten als die von vielen anderen europäischen Staaten.“ Eine neue Richtlinie der EU sieht vor, dass in Sicherungsfälle im EU-Ausland künftig in der Sprache des Sparerlandes abgewickelt werden. Dafür sollen obligatorische Kooperationsvereinbarungen zwischen den Sicherungssystemen sorgen.



Auch hierzulande sind Guthaben auf Girokonten, Sparbüchern, Termingelder und Sparpläne bis 100.000 Euro geschützt. Die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken sichern nach Vorgabe des Einlagensicherungs- und Anlegerentschädigungsgesetz (EAEG) springt im Notfall ein, Banken in privater Rechtsform sind zur Mitgliedschaft verpflichtet.

Über diesen Betrag hinaus sind die Kunden häufig über die Sicherungssysteme der Bankenverbünde der Privatbanken, Sparkassen oder Genossenschaftsbanken abgesichert. Nicht zuletzt gilt das Wort von Bundeskanzlerin Angela Merkel, dass der Staat die Sicherheit der deutschen Spareinlagen garantiere.

Kommentare (89)

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kraehendienst

20.03.2013, 06:33 Uhr

Die deutschen Mittelstandsnachrichten publizierten vor Tagen, dass es noch 30 Mio Menschen in der EU ohne Girokonto gäbe. DIESE MÜSSTEN UNBEDINGT ein solches einrichten: Totalkontrolle - Totalherrschaft - Aushungern der Unwichtigen Leute, die etwa in Deutschland mit H-E-RTZ IV nutzlos markiert sind - Buffetfest für die heute schon Übersättigten, den großen Rest!

investmentlegende

20.03.2013, 06:53 Uhr

Russland wird das Geld geben.Russ.Oligarchen halten 100 Milliarden in Zypern,bei einer Bankenabgabe wären 10 weg.So muss man nur 5,8 zahlen.
Deshalb musste das Parlament auch so abstimmen,es ging gar nicht anders.

Account gelöscht!

20.03.2013, 06:58 Uhr

Am Besten so wenig wie möglich Geld auf den Konten, Sparbüchern etc. lassen, und den Rest sicher bunkern. Niemals dem Staat trauen, denn jeder Staat ist gierig und sofort dabei beim Abmelken derjenigen, die zu spät reagieren.
Bei den niedrigen Zinsen läßt sich Bargeld auch ohne großen Verlust (Inflationsrate nicht mit eingerechnet!) zu Hause bunkern.
Und ein Umtausch des nicht benötigten Bargeldes in sichere Währungen wäre eine Option.

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