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03.06.2013

11:22 Uhr

Nachgerechnet

Ältere Rentenpolicen können Goldgruben sein

VonGertrud Hussla

Rentenversicherung fortführen oder ruhen lassen? Vom Vertreter bekommen Sparer oft nur dürftige Auskünfte. Gerade Policen, die schon eine Weile laufen, sind für die Anbieter nicht mehr interessant - aber für den Kunden.

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DüsseldorfDass sie in eine längere Babypause geht, ist sicher. Doch soll sie auch bei ihrer Privatrente eine Pause einlegen? Das fragt sich jetzt eine junge Kollegin, die gerade Mutter geworden ist. Ihr Arbeitgeber hat für sie einen Vertrag mit dem Versorgungswerk der Presse abgeschlossen, das indirekt zur Allianz gehört. 300 Euro hat sie dort monatlich eingezahlt, der Verlag hat die Hälfte dazu beigesteuert. Wenn sie nun zu Hause bleibt, müsste sie die Beiträge alleine aufbringen.

Manche Rentenversicherungen sind teuer und bringen kaum Zinsen, andere wiederum bieten eine Leistung, wie sie bei einem Neuabschluss heute nicht mehr zu bekommen ist. Die Kollegin hat sich in einem ersten Schritt erst mal eine ausführliche Standmitteilung schicken lassen.

Sie erfährt, dass der Rückkaufswert der Police im Moment 13.723 Euro beträgt. Sollte sie weiter einzahlen wie bislang, bekäme sie zu Rentenbeginn im Jahr 2044 inklusive Überschüsse 209.906 Euro. Es könnte weniger werden, sollte das Marktzinsniveau noch weiter sinken, es könnte mehr werden, sollten die Zinsen allgemein wieder steigen.

Lebensversicherungen: So viel erhalten die Kunden 2013

Worum es geht

Die jährliche Zinsgutschrift der Lebensversicherer heißt Überschussbeteiligung. Sie setzt sich zusammen aus dem Garantiezins und einem Bonus. Derzeit beträgt der Garantiezins 1,75 Prozent. In alten Verträgen kann er bis zu vier Prozent betragen. Beschlossen ist jetzt, den Garantiezins ab 2015 auf 1,25 Prozent zu senken.

Was die Versicherer gerne nennen

Die Lebensversicherer weisen neben der Überschussbeteiligung gerne noch die Gesamtverzinsung eines Vertrags aus, der gerade ausläuft. Diese Prozentzahl ist etwas höher, weil der Kunde noch einen Zuschlag aus weiteren Gewinntöpfen der Lebensversicherer erhält – weil er bis zum Ende durchgehalten hat.

Branchenschnitt

Analysten erwarten, dass die Überschussbeteiligung für 2014 weiter sinkt – im Schnitt von knapp vier Prozent im Jahre 2012 auf nun 3,4 bis 3,5 Prozent im Jahre 2014.

Langfristiger Trend

Die Zinsgutschriften der Lebensversicherungen fallen seit mehr als einem Jahrzehnt. Ursache ist der starke Rückgang der Kapitalmarktzinsen.

Der Branchenführer

Der Branchenführer Allianz senkt die Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent im Jahre 2012 auf 3,6 Prozent für die Jahre 2013 und 2014.

Die Besten

Sehr hohe Überschussbeteiligungen zwischen 4,05 und 3,6 Prozent weisen diese Gesellschaften aus: My Life, Ideal, Cosmos Direkt, Volkswohl Bund, Direkte Leben Stuttgarter, die Bayerische, Debeka und die Stuttgarter Leben.

Die Schlechten

Viele Lebensversicherer schaffen nur noch eine Überschussbeteiligung von drei Prozent. Dazu zählen 2014: Versicherungskammer Bayern, Swiss Life, HDI Gerling, Victoria und Zurich. Effektiv liegt die Zinsgutschrift damit deutlich unter der Marke.

Ideal

Der kleine Lebensversicherer zahlt im fünften Jahr in Folge eine stabile Gesamtverzinsung von 4,9 Prozent. Dieser Satz setze sich zusammen aus einer laufenden Überschussbeteiligung von 4,0 Prozent sowie einem Schlussüberschuss von 0,9 Prozent.

DEVK

Die Lebensversicherer der DEVK trotzen dem historisch niedrigen Zinsniveau: Für das Jahr 2013 schütten sie eine Überschussbeteiligung in Höhe von 4,0 Prozent aus. Im Vorjahr waren es 4,1 Prozent

Inter

Die Gesamtverzinsung für das Jahr 2013 wurde auf 3,6 Prozent festgelegt (Vorjahr: 3,75 Prozent). Die Überschussbeteiligung, die niedriger sein dürfte, teilte der Versicherer nicht mit.

Zwei Topanbieter

Die Kunden des Landeslebenshilfe V.V.a.G. (LLH) erhalten für ihre Guthaben in 2013 eine laufende Verzinsung von 4,25 Prozent und damit eine seit Jahren überdurchschnittlich hohe Überschussbeteiligung. Einschließlich Schlussüberschussbeteiligung werde sich eine Gesamtverzinsung von durchschnittlich 5,0 Prozent ergeben, die damit weiterhin deutlich über dem Marktniveau liegen werde, teilte der Versicherer mit. Noch etwas besser ist Targo mit 4,3 Prozent.

Provinzial Rheinland

Die Gesamtverzinsung der Provinzial Rheinland sind im Vergleich zum Vorjahr um 0,15 Prozent auf insgesamt 4,1 Prozent (inkl. Schlussüberschuss und Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven). Die darin enthaltene laufende Verzinsung liege bei 3,4 Prozent, teilte der Sparkassenversicherer aus Düsseldorf mit.

Heidelberger Leben

Entgegen dem Trend in der Lebensversicherungsbranche hält die Heidelberger Lebensversicherung AG für das Jahr 2013 die Überschussbeteiligung konstant auf dem Vorjahresniveau von 4,0 Prozent. Aufgrund der Spezialisierung auf fondsgebundene Produkte sei das Unternehmen nur im geringen Umfang von der aktuellen Niedrigzinsphase betroffen.

Stuttgarter

Die Stuttgarter Lebensversicherung a.G. bietet eine laufende Verzinsung von 4,0 Prozent (Vorjahr 4,2 Prozent). Zusammen mit der Mindestbeteiligung an den Bewertungsreserven und den Schlussüberschussanteilen ergebe sich für 2013 eine Gesamtverzinsung von 4,81 Prozent (errechnet nach Assekurata-Modellfall, Laufzeit 25 Jahre).

Ein großer Konkurrent

Für die klassischen Renten- und Lebensversicherungen von AXA und DBV wird die laufende Verzinsung (Garantieverzinsung plus Zinsüberschussanteil) im kommenden Jahr bei 3,65 Prozent liegen (2012: 3,8 Prozent). Die Gesamtverzinsung 2013 wird einschließlich des Kostenüberschussanteils, des Schlussgewinnanteils und der Sockelbeteiligung an den Bewertungsreserven im Schnitt 4,4 Prozent erreichen (2012: 4,6 Prozent).

Volkswohl Bund

Die Volkswohl Bund Lebensversicherung a.G. legt ihre laufende Verzinsung für das Jahr 2013 auf 3,65 Prozent (2012: 4,05 Prozent) fest.

Nürnberger

Die Nürnberger Lebensversicherung und die Nürnberger Beamten Lebensversicherung halten ihre Überschussbeteiligung stabil bei vier Prozent. Auch für 2012 und 2011 galten diese Werte. Dies ergibt sich aus der Assekurata-Überschussstudie 2013.

Sie ist zudem mit den 300 Euro monatlich noch sehr gut versichert. 125.000 Euro gehen an die Angehörigen, sollte ihr etwas zustoßen. Das ist wichtig, sie hat ja jetzt Familie. Sollte sie berufsunfähig werden, bekommt sie monatlich knapp 900 Euro und die Versicherung stellt sie beitragsfrei. Ihr Guthaben wächst dann, als würde sie die 300 Euro monatlich weiter einzahlen.

Leider verrät der Versicherer nicht, was der Schutz, der in den Beiträgen von 300 Euro monatlich enthalten ist, anteilmäßig kostet. Da muss sie sich in einem zweiten Schritt am Markt schlaumachen. Beim Bund der Versicherten schätzt man, dass sie für den Risikoschutz und die Berufsunfähigkeitsversicherung allein 80 bis 100 Euro im Monat aufbringen müsste. Beides braucht sie, auch den Berufsunfähigkeitsschutz. Würde sie sich beitragsfrei stellen lassen, würden beide Versicherungen auf ein lächerlich niedriges Niveau sinken. Blieben also - vorsichtig gerechnet - 220 Euro, die als Sparanteil von ihren 300 Euro monatlich in die Altersvorsorge gehen.

Kommentare (4)

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Anleihenspezialist

03.06.2013, 12:30 Uhr

Liebe Frau Gertrud Hussla,

hoffentlich hat sich Ihre junge Kollegin auch das VAG §89, dass in 2011 zu ungunsten der Anleger geändert wurde (http://dejure.org/gesetze/VAG/89.html) durchgelesen und informiert das die Versicherer in Deutschland gezwungen werden Staatsanleihen bei Anlagen für kapitalgedeckte Versicherungen zu kaufen. Wie hoch meinen Sie den ist der Prozentanteil der Anleihen bei den kapitalgedeckte Versicherungen? Um wieviele hunderte von Milliarden geht es?

Warum wohl preisen alle Chefvolkswirte der deutschen Versicherungen die Rettungsschirme und den ESM?

Prof. Dr. Michael Heise ist Chefvolkswirt der Allianz und rührt im schön die die Werbetrommel für den ESM und seine Notwendigkeit.

Hat Prof. Sinn doch Recht?
Ifo-Chef Sinn sieht Rente der Deutschen in Gefahr

http://www.welt.de/wirtschaft/article13104474/Ifo-Chef-Sinn-sieht-Rente-der-Deutschen-in-Gefahr.html

Fazit toller Artikel für die Versicherungswirtschaft.

Account gelöscht!

03.06.2013, 13:41 Uhr

Liebe Leser,
es geht hier ausdrücklich um ältere Policen, die ja noch höhere Garantiezinsen versprechen. Dort sind meist auch die Provisionskosten schon abbezahlt. Und häufig sind die Erträge bei älteren Verträgen auch noch steuerfrei.
Die Versicherungswirtschaft verkauft gerne neue Verträge, aber von denen ist hier ja nicht die Rede.
In dem Beitrag "Staatliche Rente schlägt Allianz &co" ging es um ein neues Angebot.
Schönen Gruß, Gertrud Hussla

Account gelöscht!

04.06.2013, 11:33 Uhr

An Wolfhase:
Lieber Leser, Sie haben das nicht vollständig zitiert. Komplett hieß der Satz: "Wer noch zwanzig Jahre arbeiten muss, kann die staatliche Rente vergessen, glauben viele. Weit gefehlt: Die gesetzliche Rente wurde zwar kräftig gekürzt, doch sie schlägt Privatrenten um Längen." Und gemeint waren im damaligen Beitrag Neuabschlüsse. Schönen Gruß, G. Hussla

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