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14.01.2013

12:12 Uhr

Nachgerechnet

Die Rente vom Staat schlägt Allianz & Co.

VonGertrud Hussla

Wer noch zwanzig Jahre arbeiten muss, kann die staatliche Rente vergessen, glauben viele. Weit gefehlt: Die gesetzliche Rente wurde zwar kräftig gekürzt, doch sie schlägt Privatrenten um Längen. Ein Rechenbeispiel.

Nachgerechnet: Staatlich schlägt Privat

Video: Nachgerechnet: Staatlich schlägt Privat

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DüsseldorfSie hat gearbeitet, seit sie 18 ist und mit den Jahren in der Modebranche Karriere gemacht. Doch jetzt sorgt sich die 42-Jährige um ihre Rente. Vor Jahren hat sie sich mehrere geschlossene Fonds andrehen lassen und damit fast ihre gesamten Ersparnisse verloren. Endet sie nach all den Fehlinvestitionen in Altersarmut? Die staatliche Rente, glaubt sie, könne sie ohnehin vergessen.

Da irrt sie sich. Die staatliche Rente ist ihr größter Vermögensposten und die Rendite ihrer Rente ist sogar höher, als bei mancher Privatrente. Die Rechnung geht so: Nach ihrer jüngsten Renteninformation hat sie heute schon Ansprüche auf 903 Euro Monatsrente. Sollte sie weiterhin Rentenbeiträge zahlen wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre, kann sie ab 2036, wenn sie 67 ist, mit einer Rente von 2.180 Euro rechnen. Sie würde bis dahin also noch 1.277 Euro Rente dazu erwerben. Obendrauf gibt der Staat später noch einen Zuschuss zur privaten Krankenversicherung. Das ergibt insgesamt 1.370 Euro Monatsrente, die sie jetzt noch erwirbt.

Möglichkeiten bei der Altersvorsorge

Betriebliche Altersvorsorge (1)

Jeder Arbeitnehmer hat das Recht, bis zu vier Prozent der Beitragsbemessungsgrenze in der gesetzlichen Rentenversicherung – 2011 sind das 2640 Euro - steuer- und sozialabgabenfrei in die betriebliche Altersvorsorge einzuzahlen.

Betriebliche Altersvorsorge (2)

Zusätzlich können weitere 1800 Euro lohnsteuerfrei investiert werden. Insgesamt können 4440 Euro in eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse fließen. Der Verbreitungsgrad der Betriebsrenten ist in Deutschland noch immer gering. Vor allem bei kleineren und mittleren Unternehmen führt die Betriebsrente noch immer ein Schattendasein.

Riester-Rente (1)

Der Staat bezuschusst die private Altersvorsorge mit Zulagen und Steuervorteilen. Riester-Sparer erhalten derzeit 154 Euro Grundzulage pro Person und 185 Euro für jedes Kind. Für Nachwuchs, der nach 2008 geboren ist, gibt es sogar 300 Euro.

Riester-Rente (2)

Voraussetzung für die volle Förderung ist, dass der Sparer vier Prozent seines jährlichen Bruttolohns einzahlt, wobei bis zu 2100 Euro gefördert werden. Außerdem können Beiträge bis zu dieser Höhe steuerlich geltend gemacht werden. Förderberechtigt sind grundsätzlich Angestellte sowie Beamte und deren Ehepartner.

Rürup-Rente (1)

Die Rürup-Rente richtet sich in erster Linie an Selbstständige. Sparer können einen wachsenden Teil der Einzahlungen von der Steuer absetzen.

Rürup-Rente (2)

Aktuell sind es 72 Prozent, bis 2025 soll der Anteil auf 100 Prozent ansteigen. Pro Jahr sind steuerbegünstigte Einzahlungen von bis zu 20.000 Euro (40.000 Euro für Verheiratete) möglich.

Und was zahlt sie dafür ein? In den letzten fünf Jahren hat sie im Schnitt 903 Euro monatlich in die gesetzliche Rente bezahlt. Die Beiträge beinhalten auch eine Erwerbsminderungsrente, falls sie nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr arbeiten kann. Auch eine Hinterbliebenenrente und Zuschüsse zu Rehabilitationsmaßnahmen sind mit im Paket. Müsste sie diese Versicherungen auf dem privaten Markt abdecken, würde sie das locker 20 Prozent ihrer Beiträge kosten. Bleiben 724 Euro echte Rentenbeiträge.

Fehlt noch die Angabe, wie lange sie später ihre Rente bekommt. Laut Allianz-Webseite hat sie eine Lebenserwartung von 91 Jahren. Die Rente würde also rund 24 Jahre lang gezahlt. Diese Daten lassen sich jetzt ganz einfach in einen Vorsorge-Renditerechner eingeben: Beitrag 724 Euro, 24 Jahre lang, zusätzlich erreichte Rente: 1.370 Euro. Die monatliche Rente fließt ebenfalls 24 Jahre lang. Ergebnis: Eine beachtliche Rendite von 2,7 Prozent.

Wann Anleger misstrauisch werden sollten

Vorsicht Vermittler

Viele Finanz- und Versicherungsvermittler haben vor allem eines im Sinn: Die eigene Provision. Die Verbraucherzentrale NRW zeigt, wann Anleger misstrauisch werden sollten.

Interessen kennen

Seien Sie sich darüber im Klaren, dass es keine kostenlosen Beratungen gibt. Aufgrund des Provisionsinteresses ist jede „Beratung“ durch eine Bank oder einen Finanzvertrieb in Wirklichkeit ein Verkaufsgespräch.

Gier vermeiden

Lassen Sie sich von den angepriesenen Renditechancen nicht blenden, sondern hinterfragen Sie kritisch auch die mit dem Anlageprodukt verbundenen Risiken.

Heitere Gelassenheit

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Wenn man Ihnen keine Zeit lassen will, um das Angebot nochmals zu überdenken und zu prüfen, dann hat der Anbieter etwas zu verbergen.

Gefährliche Formulierungen

Prüfen Sie das Beratungsprotokoll und achten Sie darauf, dass nicht irgendwelche Formulierungen enthalten sind, mit denen Ihnen im Streitfall die Verantwortung zugeschoben wird – beispielsweise mit Formeln wie „auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden“ oder Risikohinweisen, die im Gespräch überhaupt nicht auf den Tisch gebracht worden sind.

Schneller Rücktritt

Nutzen Sie beim Abschluss eines Vertrags in den eigenen vier Wänden die Widerrufsfrist, um das Geschäft nochmals zu überdenken. Zögern Sie im Zweifelsfall nicht, von Ihrem Rücktrittsrecht auch Gebrauch zu machen.

Ausdauer

Unterschreiben Sie niemals einen Vertrag, wenn Sie das Finanzprodukt nicht voll und ganz verstanden haben.

Fürsorge

Helfen Sie mit, ältere Menschen vor Finanzhaien zu schützen, indem Sie innerhalb Ihrer eigenen Familie Aufklärungsarbeit leisten und Ihren Eltern bei ihren Finanzgeschäften Unterstützung anbieten.

Initiative

Machen Sie sich in Finanzfragen nicht von externen Beratern abhängig, sondern eignen Sie sich Grundwissen über die wichtigsten Anlageformen an. Die Verbraucherzentralen bieten hierzu leicht verständliche und praxisnahe Ratgeber.

Strategie

Stellen Sie immer die Finanzplanung an die erste Stelle und entscheiden Sie erst danach, welche Produkte überhaupt infrage kommen. So vermeiden Sie spontane Anlageentscheidungen, die langfristig nicht zu Ihrer Lebensplanung passen. Quelle: Schwarzbuch Banken von der Verbraucherzentrale NRW

Die Allianz würde für die gleichen 1.370 Euro Garantierente ab sofort einen Beitrag von 1.155 Euro verlangen. Das entspräche einer mageren Rendite von 0,72 Prozent. Bei Cosmos Direkt sieht die garantierte Rendite auch nicht viel besser aus.

Nun kann man einwenden, dass die Privaten doch noch Überschüsse bezahlen. Doch wie hoch die beim derzeitigen Niedrigzinsniveau ausfallen, steht in den Sternen. Es bleibt in unserer Rechnung ja auch unberücksichtigt, dass die gesetzliche Rente regelmäßig steigt. Die Deutsche Rentenversicherung errechnete für Frauen mit dem Profil unserer Modeexpertin eine Rendite von durchschnittlich 3,4 Prozent.

So funktioniert der Teufelskreis der Altersvorsorge

1. Schritt

Kleinsparer investieren ihr Geld bei einem Finanzdienstleister.

2.Schritt

Der Finanzdienstleister kauft von dem Geld schlechtverzinste Bundesanleihen.

3. Schritt

Die Schuldenquote Deutschlands sinkt; der Finanzminister jubelt.

4. Schritt

Die Politik gewährt dem Finanzdienstleister Vergünstigungen; Unternehmen und Aktionäre jubeln.

5. Schritt

Die Sparergebnisse sind schlecht, die Kleinsparer jubeln nicht.

6. Schritt

Die Politik fordert die Bürger auf, noch mehr Altersvorsorge zu betreiben, weil die Sparergebnisse ja so schlecht sind und nicht ausreichen.

7. Schritt

Kleinsparer investieren noch mehr Geld bei einem Finanzdienstleister. Danach geht es zurück zum 1. Schritt.

Für Private eine ziemlich hohe Messlatte. „Private Rentenanbieter haben ein Problem bei niedrigen Zinsen. Das hat die staatliche Rentenversicherung nicht. Sie profitiert vom Wirtschaftswachstum und von der Entwicklung der Löhne“, sagt Versicherungsmathematiker und Gutachter Peter Schramm. Die Sorge, dass in einer alternden Gesellschaft die Rente nicht mehr bezahlbar wird, hält er für übertrieben. „Wenn unsere Wirtschaft wächst, gleicht das demographische Effekte aus.“ Die Unsicherheiten am Kapitalmarkt seien deutlich größer.

Kommentare (48)

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gast

14.01.2013, 12:26 Uhr

ich glaube hier wurde mal wieder vergessen das die gesetzliche rente voll steuerpflichtig ist :) aber wie gesagt traue keiner statistik die du nicht selber gefälscht hast :) aussdem glaube ich nicht das eine erwerbsminderunsgrente etc ca 180 euro im monat kosten würde!

Account gelöscht!

14.01.2013, 13:07 Uhr

Wenn die Dame ab einem Alter von 39 Jahren das Geld 903,00€ zur Bank bringt und nur 2% Zinsen erhalt hat sie mit 67 Jahreb bereits 405.836,36€. Die Teiten vor 39 noch nicht mal mit berechnet!! Was ist wohl besser!

RentevonNobbi

14.01.2013, 13:59 Uhr

Norbert Blüm sagte mal "die Renten sind sicher". Da hat der Author des Artikels daiese Aussage als Basis genommen inkl. das die Renten jedes Jahr um x% angehoben werden. Das ist wohl mehr ein Wunsch als Realität. Ich denke mal der Author bekam für diesen Artikel Provision von der staatlichen Rentenkasse...;-)

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