Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2012

11:31 Uhr

Nachgerechnet

Riskante Zinsgeschäfte mit Erdwärme

VonGertrud Hussla

Anleger mögen alternative Energiequellen. Derzeit versucht ein Regensburger Unternehmen, Sparer für Geothermie-Kraftwerke zu begeistern. 7,25 Prozent Zins verspricht die Beteiligung. Doch das ist hochriskant.

Heiße Anlage

Video: Heiße Anlage

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

DüsseldorfNach Sonne und Wind klingt auch dieses Thema für Anleger sehr verlockend. Die FG-Geothermie  will  Erdwärme nutzen und so genannte Geothermie-Kraftwerke bauen. Dafür  wirbt sie um Anlegergeld.   50 Millionen Euro will sie einsammeln, bei „unternehmerisch denkenden Anlegern“, die eine „überdurchschnittliche Renditeerwartung“ suchen.  Sie sollen Namensschuldverschreibungen zeichnen und dafür 7,25 Prozent bekommen. Mindestens sieben Jahre liegt das Geld fest.

Geothermie zapft Energie aus der Erde und gilt als besonders zukunftsträchtig. Die staatliche Förderbank KfW finanziert die Nutzung der Erdwärme mit Krediten mit. Der Strom wird per Gesetz zum festen Preis von 25 Cent je Kilowattstunde abgenommen. 7,25 Prozent, dazu noch staatliche Förderung. Im Vergleich zu Festgeld klingt das lukrativ. Nur, mit Festgeld ist diese Anlage leider nicht zu vergleichen.

Kreditausfallversicherungen (CDS)

Was sind Kreditausfallversicherungen?

Mit Credit Default Swaps (CDS) - zu deutsch Kreditausfallversicherungen - können sich Investoren gegen einen möglichen Zahlungsausfall zum Beispiel einer Staatsanleihe oder eines Firmenbonds absichern. Kann der Schuldner nicht zahlen, springt der Versicherer ein. Vorausgesetzt er hat ausreichend dafür vorgesorgt - was nicht immer der Fall ist. 2008 stand der damals größte Emittent solcher Produkte, der US-Versicherungsriese American International Group (AIG), kurz vor der Pleite. Damals ging es um CDS auf den Ausfall hochspekulativer Wertpapiere, die Kredite für den amerikanischen Häusermarkt bündelten. Der Versicherungskonzern konnte die Schadenssummen aus den Ausfällen nur zahlen, weil er vorher vom Staat gerettet wurde.

Wer verdient an den CDS?

Zuerst einmal derjenige, der das Risiko versichert - das kann beispielsweise eine Bank sein. Je schlechter ein Land da steht, desto höher die Summe, die für eine Kreditausfallversicherung gezahlt werden muss. Die Prämien für mögliche Ausfälle Griechenlands oder anderer hoch verschuldeter Euro-Staaten sind deutlich gestiegen. Mit Kreditausfallversicherungen wetten aber auch Zocker auf eine schlechtere Bonität der Schuldner, ohne die entsprechenden Staatsanleihen zu besitzen. Dem schiebt die EU weitgehend einen Riegel vor, weil die Praktiken nach gängiger Meinung den Kursverfall von Staatsanleihen künstlich beschleunigt haben. Prinzipiell sollen sich von November 2012 an nur noch Investoren den Schutz über CDS kaufen können, die entsprechende Staatsanleihen halten.

Warum stehen CDS in der Kritik?

CDS werden nicht an der Börse gehandelt, der Markt gilt als wenig transparent und es gibt bisher keine staatliche Kontrolle über die ausgegebenen Papiere. Welche Investoren wie viele CDS auf Griechenland-Anleihen in ihren Büchern haben, ist kaum zu durchschauen. Der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Mählmann von der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt sieht daher „dringenden Handlungsbedarf“. „CDS sind durchaus sinnvoll. Aber es
muss klar sein, wer welches Risiko trägt. Es darf keinen zweiten AIG-Fall geben“.

Was ist das Risiko?

Viele Finanzhäuser haben ihr Engagement in Griechenland-Anleihen verringert. Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass sie die Papiere verkauft haben. Das Risiko lässt sich auch durch den Erwerb von CDS minimieren. „Die entscheidende Frage ist daher, wo das Risiko geblieben ist. Die Anleihen sind ja nicht verschwunden. Durch die CDS wurde das Risiko lediglich umverteilt“, sagt Mählmann. Zwar führt der amerikanische Finanzdienstleister
Depository Trust & Clearing Corp (DTCC) ein zentrales Register, das Auskunft über die Volumina der Produkte gibt. „Doch CDS müssen nicht darüber laufen. Es gibt nach wie vor keine richtige Transparenz“, kritisiert Mählmann. (Quelle: dpa)

In vier Schritten lassen sich solche Investments überprüfen:  Erste Frage: In was genau wird hier investiert? Für Geothermie-Kraftwerke muss tief gebohrt werden, steht im Internet, rund 4000 Meter tief. Dort fließt in der Gegend um München heißes Wasser. Es wird mit Pumpen hochgeholt, treibt ein Kraftwerk an und muss über eine zweite Leitung wieder Tausende Meter tief hinunterfließen. Geothermie liefert bisher weniger als ein Prozent des deutschen Stroms, es ist eine ziemlich neue Technologie.

Der Prospekt ist absolute Pflichtlektüre

Wer bei der FG-Geothermie investieren will, bekommt eine Broschüre und ein sehr positives Analystengutachten zugeschickt. Doch um die zweite wichtige Frage nach den Risiken zu beantworten, reicht das nicht. Dafür muss der Anleger den Wertpapier-Prospekt verlangen und ihn von A bis Z durchlesen. Hier erfährt er, dass noch offen ist, was genau mit dem Geld gemacht wird. Es handelt sich um einen sogenannten Blind Pool. Blind vertrauen müssen Anleger hier dem Geschäftsführer, Florian Fritsch, der die Firma erst 2010 gegründet hat. Vor seiner Geschäftsführer-Karriere hat nach dem Handelsblatt vorliegenden Unterlagen Anlageprodukte verkauft.

Kommentare (38)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

03.09.2012, 11:56 Uhr

Und wieder einmal ein Beweis dafür das zu viel billige Liquidität nicht gut ist. Das verleitet Investoren nur dazu, Risiken einzugehen, die sie normalerweise ablehnen würden. Und das "nur" für ein bißchen mehr Rendite als Inflation.

Moika

03.09.2012, 12:02 Uhr

Hier versucht ein ehemaliger Kapitalanlageberater lediglich mit einer neuen Masche gut- und vielleicht auch technikgläubigen Anlegern das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Hat sich schon einmal jemand Gedanken darüber gemacht, wie teuer die Planungen für ein solches Unternehmen sind, zumal hier technisches Neuland betreten wird und Erfahrungen dafür in Deutschland praktisch nicht existieren?

Dann die Kosten für Bohrungen, wie HB richtig anmerkt. Um auch nur eine einzige Anlage betriebsfertig zu erstellen, wird vermutlich mindestens der dreifache Betrag der angestrebten Zeichnungssumme notwendig sein.

Meiner Meinung nach: Bloß die Finger von dieser Sache lassen. Alleine schon nach dem kaufmännischen Einmaleins ist hier nichts anderes als reine Abzocke geplant. Das "Projekt" - wenn es überhaupt eines werden sollte - wird mit Sicherheit in den nicht gebohrten Löcher verschwinden.

Investor

03.09.2012, 13:26 Uhr

Habe anfangs mit einer Investion geliebäugelt, mich dann aber informiert: Die Nutzung von Erdwärme für die Erzeugung von Energie ist unrentabel, weil außerordentlich ineffizient und hat überall katastrophale Folgen gezeitigt. Durch die Bohrungen und das Abpumpen riesiger Wassermengen werden immer wieder Instabilitäten der dadurch abrutschenden inneren Erdschichten und schwere Erdbeben ausgelöst, die für die Anwohner schlimme Folgen haben. Und in D erfolgt das Ganze nach Bergbaurecht, was bedeutet, dass die dadurch entstehenden, Gebäudeschäden nicht durch die verursachende Betreiberfirma bezahlt werden, sondern der Hausbesitzer auf seinen Schäden sitzenbleibt. Das führt zu Widerstand. Hinzu kommen ständige heftige Erdvibrationen, ein mörderischer Dauerlärm, eine dauerhafte Verseuchung des Grundwassers und Bodens durch Einsatz hochgiftiger Chemikalien und massive Umweltschäden durch an die Oberfläche geratendes heißes Wasser. All das hat bisher überall zu einem raschen Stopp geführt. Warum dieses Zeug auch noch mit deutschen Steuergeldern gefördert und finanziert wird, obwohl die Folgeschäden ausreichend dokumentiert und die Betreiber trotz wohlklingender deutscher Namen ausländischer Herkunft sind, ist mir ebenso ein Rätsel wie der Stopp der Förderung der Solarenergie, die keine Umweltschäden erzeugt und geräuschlos ist und sich gerade in den Städten nutzen lässt, wenn die Entwicklung von neuen Technologien gefördert wird; z.B. das Aufdampfen hauchdünner Schichten auf alle Glasfassaden und Fensterfronten. Mein Geld würde ich eher in solche Zukunftstechnoloigen investieren als in Technologien, die sich bei einem Blick auf die Fakten von selbst verbieten (nicht in die Gefälligkeitsgutachten in den Hochglanzverkaufsprospekten oder in den Marketingbroschüren, die derzeit auch an Politiker und Medien verteilt werden). Wer sich informieren will, möge googlen, etwa Erdwärme, Schäden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×