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28.02.2013

13:31 Uhr

Nachgerechnet

So mogeln Banken bei den Sparzinsen

VonGertrud Hussla

„Clever anlegen zur richtigen Zeit“, „besser als das Sparbuch“, „dynamischer Sparplan mit bis zu 7% Bonus“, die Banken überschlagen sich mit angeblich tollen Angeboten. Auf den zweiten Blick ist alles Augenwischerei.

Mogelpackung anstatt attraktive Zinsen

Interviews: Mogelpackung anstatt attraktive Zinsen

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So mancher Sparer mag sich die Augen reiben, wenn er sieht, welch attraktive Zinsen Banken und Versicherungen derzeit bieten: Mit vier Prozent lockt die Postbank, bis zu sieben Prozent bietet die Commerzbank, und 3,5 Prozent gibt’s auf das „bessere Sparbuch“ von Cosmos Direkt. Doch was im Paket wirklich drin ist, offenbart sich erst auf den zweiten Blick.

Das „bessere Sparbuch“ von Cosmos Direkt etwa ist laut Werbung ein „flexibler Vorsorgeplan“ mit „bis zu 3,5 Prozent“ Zinsen. Betonung auf „bis zu“. Sparer sollen wie bei einem Sparplan regelmäßig einzahlen. Im ersten Jahr gibt es aber leider gar keine 3,5 Prozent Zinsen, sondern nur 1,6 Prozent, im zweiten sind es dann 2,2 Prozent, und erst im dritten Sparjahr bekommt der Sparer die 3,5 Prozent. Und danach? Ab Jahr vier garantiert Cosmos Direkt nur noch 1,25 Prozent. Weitere 2,25 Prozent sind bloß ein „variabler Zinsüberschussanteil“, der laut Kleingedrucktem jährlich neu festgelegt wird.

Wie viel Zinsen der Sparer dann wirklich bekommt, ist also völlig offen. Trotzdem geht Cosmos Direkt in einer beeindruckenden Modellrechnung samt Grafik davon aus, dass der Sparer – sollte er 25 Jahre lang einzahlen – auch durchgehend die attraktiven 3,5 Prozent bekommt. Dann hätte er bei einer monatlichen Sparrate von 300 Euro am Ende 142.430 Euro Kapital.

Bekäme er im schlechtesten Fall auf seine Ersparnisse aber nur den garantierten Zins von 1,25 Prozent, wären es am Ende 117.230 Euro. Ein Unterschied von mehr als 25.000 Euro. Was letztlich herauskommt, ist also offen. 3,5 Prozent Zins? Da wird in der Werbung wohl deutlich zu dick aufgetragen.

Welche Banken die Zinsen senken

bis 0,10 Prozentpunkte

1822 Direkt (von 1,85 % auf 1,75 %), Akbank (von 1,75 % auf 1,65 %), Commerzbank (von 0,45 % auf 0,40 %), PSD Kiel (von 0,30 % auf 0,20 %), Sparda-Bank Hannover (von 0,70 % auf 0,60 %), Sparda-Bank München (von 1,00 % auf 0,90 %), Sparda-Bank West (von 0,90 % auf 0,80 %), Sparkasse Langen-Seligenstadt (von 0,62 % auf 0,52 %), Deniz Bank (von 1,75 % auf 1,65 %), Garanti Bank (von 1,75 % auf 1,65 %).

Quelle: FMH-Finanzberatung / Zinssenkungen beim Tagesgeld seit dem 07.01.2013

zwischen 0,10 und 0,20 Prozentpunkte

Audi Bank (von 1,80 % auf 1,60 %), BMW Bank (von 1,20 % auf 1,00 % und von 1,10 % auf 0,90 %), Mercedes-Benz Bank (von 1,00 % auf 0,80 % und von 1,10 % auf 0,90 %), Merkur Bank (von 1,40 % auf 1,25 %), Oyak Anker Bank (von 1,25 % auf 1,10 %), Postbank (von 0,50 % auf 0,35 %), PSD Hannover (von 0,65 % auf 0,50 %), PSD Westfalen-Lippe (von 0,85 % auf 0,65 %), Volkswagen Bank (von 1,80 % auf 1,60 %), Ziraat Bank International (von 1,50 % auf 1,35 %), Rabo Direct (von 2,00 % auf 1,85 %), MoneYou (von 1,90 % auf 1,75 %), Umwelt Bank (von 0,95 % auf 0,75 %).

zwischen 0,20 und 0,30 Prozentpunkte

Barclays (von 1,75 % auf 1,50 %), Comdirect (von 1,25 % auf 1,00 %), Cortal Consors (von 2,00 % auf 1,70 %), Santander Bank (von 2,25 % auf 2,00 %), Valovis Bank (von 1,50 % auf 1,25 %).

mehr als 0,30 Prozentpunkte

Gefa Bank (von 1,75 % auf 1,40 %), NIBC Direct (von 2,00 % auf 1,65 %).

Als Mogelpackung kommen auch die sieben Prozent von der Commerzbank daher. Garantiert sind bei dem sechsjährigen Sparplan – Motto „weil sich regelmäßiges Sparen lohnt“ – nur lächerliche 0,5 Prozent Zinsen im Jahr.

Jeweils zum Jahresende kommt ab dem dritten Jahr auf die Sparraten ein Bonus dazu. Auf die Sparraten des letzten Jahres wohlgemerkt, nicht auf das Gesamtguthaben: ein Prozent nach zwei Jahren, zwei Prozent auf die Sparleistung des dritten Jahres – und in teils größeren Schritten so weiter. Die sieben Prozent auf die jährliche Sparleistung gibt es erst nach dem sechsten Sparjahr.

Dann hat der Kunde, wenn er dabeibleibt, 7.528 Euro auf dem Konto. Auf 7.200 eingezahlte Euro hat er dann gerade einmal 328 Euro Zinsen bekommen. Ergibt eine Durchschnittsrendite von 1,46 Prozent pro Jahr. Nix mit sieben Prozent!

Was Zinsprodukte taugen

Tagesgeld

Kunden können ihr Geld tagesaktuell auf den Konten anlegen und wieder abbuchen. Einige Banken nutzen Tagesgeldkonten als Marketinginstrument und locken mit Zinsen weit über dem Geldmarktniveau. Solche Lockvogelangebote haben oftmals nur kurze Zeit Bestand. Kunden mit Renditeneigung wechseln dann zu einer Top-Offerte bei einer anderen Bank. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Festgeld

Kunden legen zu einem fest vereinbarten Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum an. Bei einigen Instituten können sich Kunden den Zinssatz schon für wenige Monate sichern, üblich ist die Anlage für mehrere Jahre. Da die meisten Banken aktuell mit steigenden Zinsen rechnen, steigen die Sätze meist mit der Länge der Laufzeit. Anleger sollten immer reine Zinskonten wählen und so genannte Sternchenangebote meiden. Diese bestehen häufig aus komplizierten Produktkombinationen. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Sparbuch

Sparkonten zählen immer noch zu den Lieblingsprodukten der Deutschen – auch wenn die Zinsen bei einigen Instituten empörend niedrig sind. Einige Institute entdecken das Sparbuch aber gerade neu und werben mit Zinsen weit über Marktschnitt. Das Sparbuch ist flexibler als Festgeld, da Kunden in der Regel täglich abheben können. Im Vergleich zum Tagesgeld sind viele Sparbücher weniger flexibel, weil es Obergrenzen bei der Summe gibt, die Kunden abbuchen können. Wer das Geld benötigt, wird mit Kündigungsfristen oder Vorschusszinsen bestraft. Vor dem Abschluss ist ein Blick auf die Einlagensicherung Pflicht.

Girokonto

Im Ringen um die Privatkunden zahlen einige Direktbanken Zinsen für die Einlagen auf dem Girokonto. Eine Kontoführungsgebühr fällt in der Regel nicht an, wenn Kunden bestimmte Einkommensgrenzen einhalten. Interessenten sollten immer alle Konditionen vergleichen, etwa ob hohe Gebühren für beleghafte Überweisungen anfallen oder ob sie an genügend Geldautomaten gratis mit der EC-Karte Geld ziehen können.

Sparbrief

Anleger legen einen festen Betrag für einen längeren Zeitraum zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeiten variieren zwischen einem und zehn Jahren, üblich sind zwei bis sechs Jahre. Ein früherer Ausstieg ist in der Regel nicht möglich. Anleger können bei der Verzinsung zwischen drei Varianten wählen. Bei der jährlichen Ausschüttung landen die Erträge jedes Jahr auf dem Girokonto des Kunden. Das kann einen Vorteil bei der Abgeltungssteuer bringen. Wer eine Variante mit Zinsansammlung wählt, kann eine höhere Rendite erzielen. Die Erträge werden angelegt und der Kunde profitiert vom Zinseszinseffekt. Nachteil: Bei der Auszahlung dürften die Erträge in den meisten Fällen den Sparerfreibetrag überschreiten. Kunden sollten also immer die Nachsteuerrendite zum Vergleich beider Varianten heranziehen. Wichtig ist die Prüfung der Einlagensicherung, bei den Banken gibt es große Unterschiede. Neben der staatlichen Einlagensicherung sind viele Banken Mitglied in Sicherungssystemen der verschiedenen Bankengruppen.

Bonussparen

Bei Ratensparverträgen zahlen Kunden einen festen monatlichen Betrag über eine Laufzeit von meist mehreren Jahren ein. Neben den Zinsen zahlen viele Banken einen Zinsbonus, der an bestimmte Zeitmarken gekoppelt ist. Wegen der langen Laufzeit ist der Grundzins häufig variabel. Banken müssen den Zins an entsprechende Referenzsätze anpassen. Interessenten müssen die Gesamtrendite nach Steuern vergleichen, um die Qualität eines Produktes einschätzen zu können. Da sich Kunden lange binden, sollten sie immer die Konditionen für einen vorzeitigen Ausstieg checken. Unfaire Verträge verzinsen die Einlagen bei einem vorzeitigen Ausstieg nur mit Sparbuchniveau.

Bausparvertrag

Viele Bausparkassen bieten spezielle Renditeverträge an und sind deshalb nicht nur für Immobilienkäufer sondern auch für Sparer interessant. In der Ansparphase locken sie mit ordentlicher Verzinsung. Die Raten lassen sich vielfach monatlich verändern, auch Einmalbeträge sind möglich. Am Ende einer bestimmten Laufzeit lockt häufig ein Zinsbonus. Arbeitnehmer mit geringem zu versteuertem Einkommen (Ledige: bis zu 17.900 Euro pro Jahr, Verheiratete: 35.800 Euro pro Jahr) erhalten Arbeitnehmersparzulage. Der Staat zahlt auf jährliche Einzahlungen in Höhe von bis zu 480 Euro neun Prozent Zulage. Anleger müssen dann mindestens sieben Jahre sparen und dürfen den Vertrag nicht auflösen, bevor er Zuteilungsreif ist. Wichtig: Für Kreditnehmer sind solche Rendite-Bausparverträge in der Regel nicht lukrativ.

Besonders raffiniert macht es die Postbank. Mit vier Prozent kommen dort Kunden laut Werbeprospekt in die Fondsanlage „Top Invest“. Die vier Prozent Jahreszins gibt es aber nur ein paar Monate lang: Eine eingezahlte Anlagesumme, sagen wir 30.000 Euro, wird schrittweise in einen Fonds nach Wahl umgeschichtet. Im ersten Monat 5.000 Euro, im zweiten 5.000 und so weiter. Bis im sechsten Monat alles Geld im Fonds ist. Der Anleger bekommt dafür 250 Euro Zinsen. Er zahlt aber je nach Fonds kräftig Gebühren, am Schalter den vollen Ausgabeaufschlag. Beim angebotenen DWS Top Dividende wäre er dann 1.500 Euro Gebühren los.

Ich persönlich würde um alle drei Produkte einen Bogen machen. Im Moment gibt es nun mal keine hohen Zinsen. 3,5, vier oder gar sieben Prozent? Da stimmt irgendetwas nicht. Die Rechenarbeit kann ich mir beinahe sparen.

Kommentare (11)

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Michael

28.02.2013, 14:02 Uhr

Banken betrügen? Zum eigenen Vorteil?! Unmöglich!

Ludwig500

28.02.2013, 14:22 Uhr

Die dürfen das. Es sind ja Banken. Mit denen wird sich keine Wettbewerbszentrale anlegen.

Account gelöscht!

28.02.2013, 15:07 Uhr

"GAUNER, GANGSTER, BETRÜGER, HEHLER, STEHLER und BANKSTER!"

Also, was will uns der Artikel gerade zum Zeitpunkt des Prozesses von Opppenheim in Köln wohl sagen?
Das unter den gegebenen Umständen eine Vertrauensbasis zu Banken im allgemeinen und im Schuldensumpf Europas auch im besonderen nicht zu leisten ist.
Die Alternative ist in der Tat, sein bares unter den Kopfkissen zu legen, oder ...
die Werbung suggeriert es doch: In Holland gibt es welche, die zahlen halt mehr.

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