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16.04.2012

10:41 Uhr

Nachgerechnet

So werden aus 17 Versicherungen fünf vernünftige

VonGertrud Hussla

Das beste Beispiel für ein völlig überzogenes Versicherungspaket: Eine Friseurin hatte 17 Verträge gleichzeitig laufen. Nach dem Check waren es noch fünf - und das bei einer deutlich verbesserten Vorsorge.

Nachgerechnet: aus 17 mach fünf

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Kürzlich hatte ich über die alleinerziehende Friseurin Isabella Soto (Name geändert) berichtet, die seit dem Jahr 2000 über 30 Versicherungen und Bausparverträge unterzeichnet hat. Die Vertreter haben immer wieder geraten, Verträge zu kündigen und neue abzuschließen. Darunter jede Menge Rentenversicherungen für sich und die Tochter. Über 11 000 Euro Abschlusskosten waren für die vielen Verträge fällig. Die Vertreter kamen von der Debeka, dem Deutsche Ring, der DVAG und am Ende der Volksfürsorge, die Generali-Versicherungen verkauft.

Zuletzt hatte Soto 17 Versicherungen gleichzeitig laufen. Drei der Vertriebe fühlten sich für den Fall nicht mehr verantwortlich. Die Generali hat jedoch reagiert. Gemeinsam mit dem unabhängigen Honorarberater Frank Kontz ist ein Bezirksdirektor der Volksfürsorge alle Policen der Generali durchgegangen. Selbst für die Experten war der Dschungel eine Herausforderung.

Aktuell hatte Soto zuletzt noch folgende Versicherungen laufen: Eine Glasversicherung – die wird sofort gestrichen, weil sie überflüssig ist. Eine Unfallversicherung: Auch die braucht sie nicht unbedingt. Die Wahrscheinlichkeit, durch einen Unfall invalide zu werden, ist eher gering. Die Folgen eines schweren Unfalls sind zudem durch andere Versicherungen abgedeckt. Weiter eine Rechtsschutzversicherung: Die will sie vorerst behalten. Sie will prüfen, ob die älteren Verträge korrekt waren. Dann noch eine Hausratversicherung – bei ihrem kleinen Haushalt überflüssig. Dazu noch eine Kfz-Versicherung mit Teilkasko: Soto hat einen abbezahlten kleinen Fiat, auf die Teilkasko kann sie verzichten. Und zu guter Letzt eine Haftpflicht. Die braucht sie unbedingt. Der einfachere Teil, die Sachversicherungen, war geklärt.

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Der schwierigere Brocken war die Vorsorge: Von den 16 Vorsorge-Verträgen, die sie über die Jahre für sich und ihre Tochter abgeschlossen hatte, liefen zuletzt noch: Zwei Rentenversicherungen für die Tochter, zusammen 45 Euro. Ein Riester-Vertrag für die Mutter, 20 Euro. Ein Rentenvertrag für die Mutter 40Euro. Eine stillgelegte Rürup-Rente. Und eine Berufsunfähigkeitsversicherung, 38 Euro.

Kommentare (20)

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Vertragsrechtler

16.04.2012, 11:21 Uhr

Außer Spesen nichts gewesen, oder: ob die betroffene Friseurin eigentlich bei allen Versicherungsverträgen das Kleingedruckte gelesen hat? Und hat man ihr gesagt, wie wahrscheinlich es ist, dass sie denn im eingetretenen Versicherungsfall überhaupt etwas von ihren Verträgen haben wird? Es lehnen (insb. "Rechtsschutz")- Versicherungen die Versicherungsdeckung in der Mehrheit der Schadensfälle ab. Wegen vertraglichen Haftungsausschlüssen. Oder Obliegenheitsverletzungen.

holyowly

16.04.2012, 11:34 Uhr

Wer so doof ist und sich so viele Versicherungen aufschwatzen lässt, der hats auch nicht anders verdient, sorry.
Ich frag mich wie lange es wohl dauern wird bis da wieder so viele Versicherungen zu zahlen sind? Die Dame kann einfach nicht nein sagen. So lang man ihr das nicht beigebracht hat, hat die ganze 'Hilfe' immer nur aufschiebende Wirkung.
Die Lady ist m. E. ein Versicherungs-Messi!

SeRu

16.04.2012, 11:41 Uhr

Ob das wohl alles so sinnvoll ist...?

Wie zutreffend dargestellt, wird die gesetzlichew Rente für Fr. Soto wohl kaum ausreichen. Monatlich 58 EUR (inkl. Zulage) als reine Vorsorge ist vor diesem Hintergrund wohl kaum ausreichend, um der drohenden Alterarmut zu entgehen.

Eine BU mit 38 EUR pro Monat wird auch kaum mehr als 750 EUR pro Monat, allenfalls 1.000 EUR BU-Rente bedeuten (bei der Risikoklasse Friseur). Da dieser Betrag aber im Falle eines Falles gegen die Ansprüche aus ALG II oder ähnlichem angerechnet wird, müsste auch dieser Beitrag in dieser Höhe kritisch hinterfragt werden. Wenn BU, dann bitte in ausreichender Höhe.

M.E. wäre es sinnvoller, sich in jedem Falle die RS-Versicherung zu sparen und den gesparten Betrag entweder in eine zusätzliche private Vorsorge (Fondssparplan oder ähnliches) bzw. in die BU zu zahlen, um einen besseren Schutz zu ermöglichen. Außerdem, so scheint es, wäre es vielleicht sinnvoll, mit dem knappen Budget zunächst EINE der beiden Baustellen vollständig zu schließen, also entweder das Risiko der Altersarmut so gut es geht absenken ODER aber den weg BIS zur Rente durch die BU in vernünftiger Höhe absichern. Zwei halbgare Lösungen sind vielleicht schlechter als eine richtige.

Welches Risiko zunächst dringender erscheint, können duie Experten besser beurteilen, da hier Alter, Gesundheit, Kinder, Erben, etc. alles eine wichtige Rolle spielt.






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